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Ausstellung im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel

Ausstellung in Kirkel : Karikaturen und das Thema Flucht

Werke von 319 Künstlerinnen und Künstlern aus 64 Ländern sind derzeit im Bildungszentrum der Arbeitskammer zu sehen.

Die aktuelle Lage der Flüchtlinge im Grenzland zwischen der Türkei und Griechenland und auf den Booten der Ägäis ist prekär, immer noch. Und auch wenn die Permanent-Berichterstattung über das Corona-Virus das Leid der Menschen dort in der hiesigen Medienlandschaft zu überdecken droht, haben sich die Bilder der Verzweiflung ihren Weg gebahnt – leider noch ohne eine großangelegte Hilfsaktion zu generieren. Was die Lage aber deutlich macht: Flucht und Vertreibung sind so aktuell wie im Jahr 2015, mit dem Flüchtlingsabkommen mit der Türkei hat man nur versucht, Symptome von Europa wegzuhalten – die eigentlichen Ursachen für die millionenfache Flucht blieben in den Lösungsansätzen außen vor.

Das ist eine der Botschaften, die von der offiziellen Eröffnung der internationalen Karikaturen-Ausstellung „Ein Ort. Irgendwo“ am Dienstagabend im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel ausging. Bis zum 15. Mai zeigt das Haus eine Auswahl von Karikaturen, erschaffen von 319 Künstlerinnen und Künstlern aus 64 Ländern und Ergebnis eines Wettbewerbs der Exile-Kulturkoordination in Zusammenarbeit mit Engagement Global. Das Ergebnis: Eine wahrlich beeindruckende Schau von Werken, die sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven mit den Themen Flucht, Vertreibung und Migration befassen.

In seiner Begrüßung fand Ralf Haas, der Leiter des Bildungszentrums, deutliche Worte für die aktuelle Flüchtlingssituation. „Die Fluchtursachen und die Situation in den Herkunftsländern ist unverändert – auch wenn vielleicht der Eindruck entstanden ist, das die Zahl der Menschen, die nach Deutschland kommen wollen, kleiner geworden ist.“ Vielmehr habe man sie an den EU-Außengrenzen aufgehalten, „die Lage in den Ursprüngsländern hat sich zum Teil verschlimmert“. So sei man Lösungen schuldig geblieben, außer Grenzen dicht zu machen und sich abzuschotten, habe man nicht viel geleistet in den vergangenen Jahren. So werde an Kriegen weltweit immer noch viel Geld verdient. „Und so lange das so ist, dürfen wir uns nicht wundern, wenn Krisenherde bestehen bleiben.“

Haas nannte auch die aus seiner Sicht Verteilungsungerechtigkeit auf der Welt als eine entscheidende Ursache für Flucht und Vertreibung. „Und da stellt sich die berechtigte Frage, ob dichtere Grenzen und höhere Zäune die Lösung der Probleme sind. Glauben wir wirklich, wie können Fluchtbewegungen und Kriege stoppen, wenn wir es nicht schaffen, den Hunger in der Welt in den Griff zu bekommen? Glauben wir wirklich, wir können Fluchtbewegungen und Kriege stoppen, wenn wir Reichtum nicht begrenzen? Und glauben glauben wir, wir können Fluchtbewegungen stoppen, wenn wir Krisenherde nicht befrieden?“

Nach Haas war es an Christina Berthold von Engagement Global und Heike Werner, Vorstandsmitglied des Netzwerks Entwicklungspolitik im Saarland (NES), in die eigentliche Ausstellung einzuführen. Berthold schilderte dabei den Hintergrund der Kunstprojektes „Ein Ort. Irgendwo“. Im Jahr 2017 habe man sich überlegt, wie man Menschen dazu anregen könne, sich mit den Themen Flucht und Migration auseinander zu setzen. „So entstand die Ausstellung ‚Ein Ort. Irgendwo’. Hier wollten wir ganz konkret nicht nur mit Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland zusammenarbeiten, sondern wir wollten eine globale Plattform aufmachen.“ Seit 2017 toure, so Berthold, die Ausstellung nun durch Deutschland, „und sie verliert nicht an Aktualität“.

Was Flucht tatsächlich für die bedeutet, die flüchten müssen, schilderte dann Adonis aus Syrien. Er war 2015 nach Deutschland gekommen. Zuvor hatte er in seiner Heimat Verfolgung, Verhaftung und Folter ertragen müssen, im Widerstand gegen Machthaber Assad. Als studierter Apotheker, als dienstverweigender, wehrpflichtiger Offizier der syrischen Armee in der Zeit zu Beginn des Aufstands gegen das Regime, als Opfer des Assad-Apperats schilderte Adonis viele von den Gründen, die ihn zu Flucht bewogen und in eine Odysse von Syrien über Jordanien, Algerien, Libyen, in zwei Versuchen über das Mittelmehr nach Italien, dann nach Frankreich und schließlich ins Saarland getrieben hatten.

Wer bis dahin am Dienstagabend die Ausstellung „nur“ als künstlerische Aufarbeitung eines vielleicht doch persönlich nicht zu präsenten Thema erlebte, für den hatten die gezeigten Karikaturen dann ein Gesicht – eines, das stellvertretend für die Leiden all derer stand, die sich dazu entschließen mussten und müssen, ihre Heimat mit dem Blick ins Ungewissen aufzugeben.