Anlässlich der Langen Nacht der Industrie haben Homburger Betriebe ihre Tore für Besucher geöffnet.

Lange Nacht : Zwischen Kugellager und Bionade

Anlässlich der Langen Nacht der Industrie haben Homburger Betriebe ihre Tore für Besucher geöffnet. Wir waren in diesem Jahr bei Schaeffler.

Die deutschen Industriebetriebe sind mit die größten Arbeitgeber im Land und zahlen auch anständige Löhne. Wer eine gute Ausbildung und einen Industrie-Arbeitsplatz bekommen hat, wird in der Regel so schnell nicht arbeitslos. Alles Faktoren, die für die Industrie sprechen, weshalb anlässlich der Langen Nacht der Industrie am Donnerstag Abend die Besichtigungs-Plätze ausgebucht waren.

Von zentralen Startplätzen in Saarbrücken fuhren die Teilnehmergruppen in Reisebussen direkt bis zu den Werkstoren. Start der Touren – meist zwei Unternehmen nacheinander – war vergangenen Donnerstag um 16.45 Uhr. Vor Ort präsentierte sich jeder Betrieb auf seine ganz eigene Art. Eine kurze Präsentation als Einführung, die Besichtigung der Produktion, abschließend ein wenig Zeit für Fragen und Gespräche – das ist der übliche Ablauf.

Homburg ist anlässlich dieses besonderen Abends, der einmal im Jahr im Herbst stattfindet, immer eine sichere Bank, denn hier gibt es Betriebe, die gerne mitmachen, zum Beispiel Bosch, Michelin und Schaeffler. Da wir im vergangenen Jahr bei Michelin waren, besuchten wird diesmal Schaeffler.

Was verspricht man sich dort von diesem Besuch? „Wir betrachten es als Möglichkeit, uns darzustellen und den Besuchern zu zeigen, was bei uns hergestellt wird“, erklärt Jürgen Klein aus dem Marketing, es sei auch „Imagepflege für die Region“.

Natürlich freue man sich, wenn sich junge Leute nach dem Rundgang vorstellen könnten, bei Schaeffler zu arbeiten, „aber das ist nicht unser primäres Ziel, dafür haben wir andere Veranstaltungen. Dieser Abend dient in erster Linie dazu, allen Interessenten zu zeigen, wie ein moderner Fertigungsort aussieht,“ ergänzt der Werksleiter Fritz Bornträger, der auch die Leute begrüßte, die aus dem gesamten Saarland gekommen waren. Darunter eine Familie aus Marpingen, die mit ihrer Tochter Johanna gekommen war: „Ich schließe nächstes Jahr die Schule ab und überlege, was ich dann machen soll,“ sagt Johanna, „ein Industrie-Arbeitsplatz würde mir gefallen. Ich habe auch schon mal ein Praktikum in einem Betrieb gemacht.“ Speziell Schaeffler habe sie für einen Besuch ausgewählt, „weil das eine sehr gute Firma ist“, wie Vater Stefan betont.

Mikolai ist Informatik-Student in Saarbrücken, er stammt nicht aus dem Saarland und findet es interessant, „mal die industrielle Infrastruktur des Saarlandes kennenzulernen.“ Ob er später mal in der Industrie arbeiten möchte? Das wisse er noch nicht. Als Informatiker habe er ein sehr breites Spektrum an möglichen Arbeitsplätzen.

Steve kommt aus Beckingen. Er braucht keinen neuen Arbeitsplatz, er gehört vielmehr zu denjenigen Besuchern, die schon seit einigen Jahren bei der Langen Nacht dabei sind, „einfach, weil ich gerne sehe, wie Industrie-Betriebe arbeiten, ich werfe gerne einen Blick hinter die Kulissen, um zu erfahren, wie eine Fertigung vonstatten geht und was die jeweiligen Schwerpunkte sind.“ So war er schon bei Fresenius in St. Wendel, bei Hager in Blieskastel oder bei Phast in Homburg. Es sei interessant, mal in so viele verschiedene Bereiche reinschnuppern zu dürfen.

Vom Zweibrücker Helmholtz-Gymnasium hatte eine Lehrerin den Vorschlag gemacht, mit Schülern auf freiwilliger Basis einen Homburger Industrie-Betrieb zu besichtigen, „es haben sich vier von uns gemeldet“, sagt Selina, die eine davon ist, „wir sind alle sehr angetan, wieviel Mühe man sich bei Schaeffler für uns gibt.“ Trotzdem – die Industrie als künftiger Arbeitsplatz sei „eher nichts“ für sie, findet sie.

Jan Klein aus Homburg ist im 2. Lehrjahr und zeigt, was er konstruiert hat. Für ihn war nach der Schule klar, dass er seine Ausbildung bei Schaeffler machen wollte. Ihm gefällt es so gut, dass er danach gerne bleiben möchte. Foto: Christine Maack

Das sieht Jan Klein anders, er ist bei Schaeffler im 2. Lehrjahr und noch in der Ausbildungswerkstatt. Er kann es kaum erwarten, bis er demnächst im „echten Betrieb“ mitarbeiten darf. Für ihn war nach der Schule klar, wo er sich bewerben wollte: „Schaeffler ist eine tolle Firma, ich wollte von Anfang an nur hierher.“ Kein Wunder, sein Vater und sein Onkel sind schon bei Schaeffler und Jan ist ebenfalls sehr zufrieden: „Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen.“ Und so kann Jan bestätigen, was Werksleiter Bornträger zu Beginn gesagt hatte: „Wir haben hier ein sehr gutes Betriebsklima, Die meisten unserer 92 Azubis wollen nach der Ausbildung weiterhin bei uns bleiben.“ Am Ende des Rundgangs gab es ein paar Häppchen und Getränke, darunter auch Holunder-Bionade. Schaeffler geht auch hier mit der Zeit.

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