Alter Friedhof der Elisabethkirche in Limbach wurde besichtigt

Kostenpflichtiger Inhalt: Tag des Denkmals : Was alte Grabsteine alles verraten

Der alte Friedhof an der Limbacher Elisabeth-Kirche war am Sonntag beim saarlandweiten „Tag des offenen Denkmals“ dabei. Hier vermittelte Walter Klein viele interessante und auch amüsante Anekdoten zu dessen Geschichte.

In diesen Tagen scheint nichts leichter zu sein, als sich Informationen zu allen denkbaren Themen zu verschaffen: Wikipedia und Google sind die Enzyklopädien der Neuzeit, die Antwort auf ein Frage ist gefühlt und oft tatsächlich nur einen Mausklick entfernt. Dass so manches, was man dort erfährt, dann allerdings nicht so wirklich richtig ist und der Wahrheit entspricht, das ist in der Tat ein nicht ganz unerheblich negativer Aspekt dieses scheinbar unerschöpflichen Informationsangebots.

Was nun also tun, wenn man alternativ zum digitalen Weg ganz klassisch etwas erfahren will? Nun, da hilft am besten der Kontakt zu jemandem, der es wirklich weiß, der in der Realität Wissen gesammelt hat – und dieses Wissen über die reinen Fakten hinaus auch in einen größeren und großen Kontext setzen kann. Am vergangenen Sonntag, dem saarlandweiten „Tag des offenen Denkmals“, konnte man genauso jemanden an der Limbacher Elisabeth-Kirche treffen: Walter Klein. Er hatte sich angeboten, an diesem Tag in die Geschichte des alten Friedhofs hinter der Kirche und in die der Kirche selbst einzuführen. Mit diesem Thema hatte der „Tag des offenen Denkmals“, im Saarpfalz-Kreis federführend ist Bernhard Becker vom Fachbereich Kultur und Heimatpflege der Kreisverwaltung, in Limbach einen echten Nerv getroffen. Um die 40 Besucher wollten sich von Walter Klein erzählen lassen, was es mit den verbliebenen, in der Vergangenheit aufwendig restaurierten Grabmälern des aufgegebenen Friedhofs auf sich hat. Und Klein hatte viel zu erzählen.

Nun ist es ja so, dass nicht jeder, der viel zu erzählen hat, auch tatsächlich viel sagt. Bei Klein, und das bewies der ehemalige Lehrer am Sonntag nicht zum ersten Mal, ist das allerdings anders: Klein weiß schier unerschöpflich viel über die Geschichte Limbachs und der umliegenden Orte, er kann in Windeseile Brücken bauen von der Vergangenheit in die Zukunft – und das herrlich charmant, ohne Schullehrer-Attitüde und mit Witz. Was ihn noch auszeichnet: Er ist sich nie zu schade, eigenes Wissen kritisch zu hinterfragen, wenn es andere Quellen gibt. Damit ist der Limbacher ein echter und vor allem realer Gegenentwurf zum Online-Informationsangebot.

Konkret strickte Walter Klein am Sonntag anhand der alten Grabsteine ein dichtes Geflecht von altehrwürdigen Limbacher Familiennamen wie Korst, Lehmann, Hock, Schott und einigen mehr, verband sie mit heute noch bekannten Orten wie dem Bliesbergerhof.

Er erläuterte dabei, wer wen geheiratet hatte – und hatte gerade da eine witzige Weisheit im Abwandlung eines Schiller-Zitats parat: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, damit auch Sach‘ zu Sach‘ sich findet.“ So sei es früher in Limbach durchaus üblich gewesen, wie Klein erläuterte, Wohlstand und Einfluss durch Einheiraten zu erlangen oder zu mehren.

Der Kenner und Könner der Limbacher Geschichte erinnerte auch an die Zeit der beiden Bürgermeister Lehmann, namentlich Johann Georg Lehmann und dessen Sohn Louis. Über Letzteren wusste Klein zu berichten, dass dieser ein „glühender Verehrer“ Bismarcks gewesen sei und diesem in jedem Jahr zum Geburtstag ein Gedicht geschickt habe. „Bismarck, und das ist belegt, hat jedes Mal geantwortet.“ Die „lyrischen Ergüsse“ des jüngeren Lehmann kommentierte Klein mit einem Augenzwinkern so: „Sie entsprechen dem Zeitgeschmack, er ist unter den deutschen Klassikern nicht vertreten.“

Mit solchen und anderen Geschichten und Anekdoten hauchte Walter Klein – der auch das Grab seines Urgroßvaters mütterlicherseits, „dem ersten und einzigen Ehrenbürger Limbachs“, den Gästen in vielerlei Hinsicht näher brachte – der steinernen Geschichte der Grabmale Leben ein. So auch, als er sich dem großen Grab-Monument der Familie Weber widmete. Hier erinnerte er an Professor Wilhelm Weber, der, als Freund Picassos, als Kunstgeschichtler in der Welt der Malerei zu Lebzeiten und darüber hinaus einen weiten Ruf habe erlangen können.

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