Als auf dem Acker gekickt wurde

Altstadt. "Dem Club wird eine Fußballmannschaft angegliedert; jedes Mitglied hat freie Wahl, ob es mitspielen will oder nicht": Der Erste Weltkrieg war gerade vorbei, als dieser Satz unter dem Datum des 1. April 1919 im Protokollbuch niedergeschrieben wurde. Mit diesem Beschluss wurden zunächst aber nur Weichen gestellt

Altstadt. "Dem Club wird eine Fußballmannschaft angegliedert; jedes Mitglied hat freie Wahl, ob es mitspielen will oder nicht": Der Erste Weltkrieg war gerade vorbei, als dieser Satz unter dem Datum des 1. April 1919 im Protokollbuch niedergeschrieben wurde. Mit diesem Beschluss wurden zunächst aber nur Weichen gestellt. Im Saal bei "Bauswerds", jenem Wirtshaus unmittelbar neben dem alten Glockenturm, wurde am 4. Januar 1920 dann der SVA aus der Taufe gehoben. Das Sportfest, das der Traditionsclub dieser Tage feierte, gab den Rahmen für das 90. Jubiläum des SV Altstadt ab. Blättern in der Vereinschronik zeigt, dass die Geschichte des Fußballs in Altstadt eng verwoben ist mit Tanz und Theater. Denn angefangen hatte alles schon anno 1899: In einem Club mit Namen "Viktoria" hatten sich Menschen zusammengefunden, um laut Satzung gesellige Veranstaltungen, Tanzbälle und Theateraufführungen auf die Beine zu stellen. Mit dem Beginn des Weltkrieges 1914 wurde dieses Engagement allerdings jäh unterbrochen, und nach Kriegsende waren es zwei Handvoll Fußballer, die die Regie übernahmen. Altstadt gehörte, wie viele Ortschaften des Umlandes, zum neu geschaffenen "Saargebiet". Im Ort sorgte der Bau des Zollbahnhofes für Zündstoff und Proteste. Unweit der riesigen Baustelle, in der Gemarkung "Schwarzweiher Hofland", fanden die ersten Begegnungen statt. Von einem ordentlichen Sportplatz konnte aber beileibe keine Rede sein, gekickt wurde vielmehr auf einem mit Gras bewachsenen Acker. Auf Dauer war das natürlich keine Lösung, und das Provisorium schien ein Ende zu haben, als die Gemeindeväter grünes Licht zur Anlage eines Fußballfeldes "In der Lehmekaut" gaben. In jeder freien Minute trafen sich die Liebhaber der Sportart, um mit Schaufel und Hacke das Terrain zu planieren. Aber auch dieser Sportplatz erwies sich als keine optimale Lösung. Erst als der Bauer Ferdinand Schleppi sein Areal am Bahnhof verkaufte - Mitglieder des SVA finanzierten den Grundstückskauf aus eigener Tasche - hatte der Verein auf Jahrzehnte eine Heimstatt gefunden. Auch sportlich ging es nun bergauf. Schnell stieg der SVA bis in die damalige A-Klasse auf, behauptete sich fast permanent im Spitzenfeld. Es kam 1935 die Angliederung des Saargebietes an Nazi-Deutschland, und in der Folge wurden die Sport treibenden Vereine im "Verein für Leibesübungen" gleichgeschaltet.Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 machten die Einberufungen der jungen Männer Fußballspiele beinahe unmöglich. Eine zusammengewürfelte Truppe, der neben Altstadter Spielern auch welche aus Kleinottweiler und Limbach angehörten, trat ab und an an, aber von Dauer war derlei Regelung nicht. Nach Kriegsende boomte beim SVA mangels junger Männer dann zunächst auch einmal der Frauenfeldhandball. Aber nach der Wiedergründung kam dann aber doch wieder Fußball zum Zug, und 1960 gab es den bis heute größten Erfolg der Vereinsgeschichte: Als Meister der A-Klasse stieg der Altstadter Sportverein in die saarländische Amateurliga auf. Und auch ansonsten gab es einschneidende Veränderungen: Der saarländische Fußballverband mit seinem Präsidenten Hermann Neuberger gab die Empfehlung, die vereinseigenen Sportplätze in das Eigentum der Gemeinde zu übertragen. Mit viel Skepsis überwand sich der SVA-Vorstand, diesen Schritt zu tun und seinen eigenen Platz aufzugeben, "Auf der Heide" schuf die damals noch selbstständige Gemeinde Altstadt eine Sportanlage, die nicht allein für Fußball, sondern auch für leichtathletische Disziplinen Vorbildcharakter hatte. Ein Sportheim mit Jugendraum, Umkleidekabinen, Duschen und Gastwirtschaft gehörte dazu. 1984 wurde dieses Gebäude durch ein neues ersetzt, und zuvor war die Sportanlage "Auf der Heide" nicht nur durch einen in roter Erde angelegten Hartplatz ergänzt worden, sondern auch durch eine Mehrzweckhalle, die nach dem langjährigen SVA-Vorsitzenden und Altstadter Bürgermeister Hugo Strobel benannt wurde. Dort wird auch das Stiftungsfest begangen. "Jedes Mitglied hat freie Wahl, ob es mitspielen will oder nicht."Aus dem Beschluss zur Gründung des SVA

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