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Alles begann nördlich vom Polarkreis

Alles begann nördlich vom Polarkreis

Kirkel-Neuhäusel. Eisbären kommen in unseren Breitengraden ausschließlich im Zoo vor. Es sei denn, man überträgt diese Bezeichnung auf die Mitglieder des "Eisbären-Clubs Kirkel", der in diesen Tagen auf seine 30-jährige Geschichte zurückschaut. Dem Klub gehören aktuell 23 Männer und Frauen an - fast genau so viele, nämlich zwei Dutzend, riefen den Klub 1980 ins Leben

Alles begann nördlich vom Polarkreis
 Der Kirkeler Eisbären-Chef Manfred Näher (links) gratulierte 1986 dem Hammerfester Bürgermeister Arnulf Olsen zum 25-jährigen Bestehen des "Königlich-Norwegischen Eisbären-Cluns". Foto: SZ/Verein
Der Kirkeler Eisbären-Chef Manfred Näher (links) gratulierte 1986 dem Hammerfester Bürgermeister Arnulf Olsen zum 25-jährigen Bestehen des "Königlich-Norwegischen Eisbären-Cluns". Foto: SZ/Verein

Kirkel-Neuhäusel. Eisbären kommen in unseren Breitengraden ausschließlich im Zoo vor. Es sei denn, man überträgt diese Bezeichnung auf die Mitglieder des "Eisbären-Clubs Kirkel", der in diesen Tagen auf seine 30-jährige Geschichte zurückschaut. Dem Klub gehören aktuell 23 Männer und Frauen an - fast genau so viele, nämlich zwei Dutzend, riefen den Klub 1980 ins Leben. Fünf der Gründer sind auch heute noch dabei. Der Vereinsname klingt auch nach drei Jahrzehnten noch ungewöhnlich. In der Tat steht die Wiege des Eisbären-Clubs weit oberhalb des nördlichen Polarkreises, in Norwegen. Genauer gesagt: in Hammerfest, der nördlichsten Stadt Europas. Dort stieß man bei einer fünfwöchigen Reise zum Nordkap - der ersten von einem halben Dutzend Touren zum nördlichsten Punkt Europas - im Juli 1980 auf den "Königlich-Norwegischen Eisbären-Club". Eine Touristenattraktion, die zugleich einem guten Zweck dient: dem Schutz der arktischen Flora und Fauna. Gegen eine einmalige Aufnahmegebühr kann man sich im Rathaus in die mittlerweile zehntausende Namen umfassende Mitgliederrolle eintragen lassen - was die meisten aus der 17-köpfigen Kirkeler Reisegruppe auch taten. Von der Idee eines "Kirkeler Ablegers" bis zur Klubgründung dauerte es nach der Rückkehr nicht lange. Man schrieb sich den Tier-, Umwelt- und Naturschutz in unserer Region auf die Fahnen sowie die Förderung der Völkerverständigung. Das wurde auch so in der Satzung festgehalten, die nötig wurde, als man sich 1987 ins Vereinsregister eintragen ließ. 1998 kam mit den "Eisbärchen" eine Jugendabteilung hinzu. Weitere Nordkap-Reisen und die Kontaktpflege mit dem norwegischen Original einschließlich Empfängen beim Hammerfester Bürgermeister folgten. So war man 1988 auch beim 25-jährigen Bestehen der königlich-norwegischen Eisbären vor Ort und überreichte in Anwesenheit der Presse Kirkeler Symbole. Für die Kirkeler Eisbären geht es seither aber nicht nur Richtung Norden. Die jährlichen Vereinsreisen hatten die unterschiedlichsten Ziele - von Eifel bis Elsass, von sächsischer Schweiz bis Bayerischer Wald, vom damaligen Jugoslawien bis zur heutigen Tschechischen Republik, von Paris bis New York und von Mallorca bis Kreta. Ein saehr gutes Beispiel für die "Völkerverständigung" sind die "Lahja-Mädchen", eine nach ihrer Gründerin benannte Tanz- und Gymnastikgruppe aus dem finnischen Turku. Zu Lahja und ihrer Truppe entstand eine freundschaftliche Bande, mehrfach waren sie auch schon in Kirkel zu Gast. Was den Einsatz für die Natur betrifft, so schälte sich als Schwerpunkt schnell der Vogelschutz heraus. Mehr als 130 Nistkästen hat der Verein mittlerweile in Kirkel und Umgebung aufgehängt. Eine jährliche Reinigungsaktion unter tatkräftiger Mithilfe der Jugendgruppe dient auch einer aufschlussreichen Statistik: Die Belegung der Nisthilfen wird seit 15 Jahren dokumentiert. "Die Singvögel werden immer weniger, dafür nehmen Elstern und Saatkrähen zu", so ein Fazit von Manfred Näher, seit 30 Jahren Chef des Eisbären-Clubs. Näher, der auch schon die örtlichen Kirchtürme als mögliche Nistplätze gereinigt hat, hat weiter die Erfahrung gemacht: "Die Tauben haben die Falken und Eulen vertrieben." Nichtsdestotrotz dürfen sich die Kirkeler Eisbären zum Jubiläum auch ein bisschen selbst auf die Schulter klopfen: "Es würde etwas fehlen, wenn wir nichts mehr machen würden", so Näher. Deshalb ist er froh, dass sich gerade junge Mitglieder bei der Nistkasten-Aktion engagieren. Und Hoffnung, dass der Naturschutz-Gedanke auch bei noch Jüngeren geweckt wird, gibt ihm die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren mehrere Grundschulklassen mitmachten. gth "Ich bin froh, dass sich junge Mitglieder engagieren."Manfred Näher