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60 Arbeitsplätze bei Casar in Limbach in Gefahr

60 Arbeitsplätze in Limbach in Gefahr? : IG Metall warnt vor Job-Abbau bei Casar

60 Arbeitsplätze sollen beim Drahtseilbauer in Limbach zwischen Anfang 2019 und Ende 2020 wegfallen. Eine Betriebsversammlung am Montag brachte der Belegschaft nicht die erhoffte Klarheit.

Nach den erschreckenden Nachrichten von vergangener Woche mit insgesamt 440 Arbeitsplätzen, die in Homburg bei Bosch-Rexroth und Schaeffler wegzufallen drohen (wir berichteten), könnte es nun auch Limbach erwischen. Wie die IG Metall mitteilt, sollen beim Drahtseilwerk Casar in Limbach bis zum Jahresende rund 60 Arbeitsplätze im Vergleich zum Januar 2019 wegfallen. Das gehe aus bisherigen Verlautbarungen des Managements hervor. Am Montagvormittag lief am Standort eine Betriebsversammlung in der Limbacher Dorfhalle, bei der neben dem Verantwortlichen für Europa, Janusz Sobosczyk, laut Betriebsrat auch die Geschäftsleitung mit Werkleiter Markus Stieren, Personalleiterin Bettina Burkhardt-Grimm und dem Finanzverantwortlichen Marcus Meisberger anwesend war. Bei Casar war am Montagnachmittag niemand telefonisch zu erreichen.

Wie die IG Metall in der vorab verschickten Pressemitteilung schrieb, gehört die Casar Drahtseilwerk GmbH in Limbach zu dem amerikanischen Konzern WireCo. In Limbach werden Spezial-Drahtseile für verschiedene Anwendungsbereiche gefertigt. Durch natürliche Fluktuation und Aufhebungsverträge hätten seit Januar 2019 etwa 40 Arbeitnehmer das Unternehmen verlassen. Die Stellen seien nicht nachbesetzt worden. Im Monat August habe das Unternehmen noch 286 Beschäftigte gezählt. Weiterhin habe es in diesem Sommer feste Zusagen gebrochen und keine Auszubildenden eingestellt (wir berichteten).

Nun habe WireCo schriftlich angekündigt, weitere 18 Arbeitsplätze, insbesondere im indirekten Bereich, abzubauen. Betriebsbedingte Kündigungen habe man nicht ausgeschlossen. Zwischen Januar 2019 und Dezember 2020 entspräche dies einem Abbau von 60 Arbeitsplätzen rund 20 Prozent der Belegschaft. „Die Frage nach dem „Warum?“, hat WireCo bisher nicht beantworten können“, so Joaquin Moreno de la Cruz, Betriebsratsvorsitzender. „An Corona kann es nicht liegen. Wir haben eine stabile Auftragslage und aktuell sogar Mehrarbeit in der Produktion.“ Die Situation bei Casar sei alarmierend. „Das Management setzt mit seinen Entscheidungen die Zukunft des Standortes aufs Spiel“, so Martin Zimmer, IG Metall Gewerkschaftssekretär. Es habe „innerhalb weniger Monate Kurzarbeit, Arbeitsplatzabbau und Leiharbeit und Mehrarbeit gefordert“. Gleichzeitig habe es „Vertragsbruch begangen und ist nicht bereit, gemeinsam Zukunftskonzepte zu erarbeiten. Da braucht man Nerven wie Drahtseile“, empören sich Moreno de la Cruz und Zimmer. Sie fordern ein vernünftiges Handeln, fokussiert auf ein langfristiges Fortbestehen des Standortes in Limbach. „Das haben sich die Beschäftigten verdient.“

Die Betriebsversammlung indes brachte nicht die erhoffte Klarheit. „Leider haben wir vom Arbeitgeber keine Informationen bekommen, die uns weiterhelfen. Es wurde viel geredet, aber wenig gesagt“, lautet das Fazit von Moreno de la Cruz. Die Belegschaft („Mannschaft steht hinter uns!“) habe etwa 30 Fragen gestellt, von denen keine mit Ziffern und Daten beantwortet worden sei. Nun versuche man, den Arbeitgeber zu Gesprächen zu bewegen und nach alternativen Lösung zu suchen. Man sei – anders als Bosch-Rexroth oder Schaeffler – nicht Bestandteil einer Branche, die vom Klimawandel betroffen sei. „Wir verkaufen Spezialdrahtseil. Dafür braucht man spezielle Mitarbeiter. Das hier ist nur ein Kahlschlag. Den wollen wir verhindern.“

Limbachs Ortsvorsteher Max Limbacher zeigte sich ob der IG-Metall-Neuigkeiten besorgt. „Diese Absicht ist ein Rationalisierungsschritt, der für den Bestand des Traditionsunternehmens am Standort ebenso wenig zuträglich ist wie mittelfristig für die Erhaltung der Produktqualität, vom Betriebsfrieden mal ganz zu schweigen.“ Die Auftragsbücher seien voll. Zumal die Firma Casar bislang ein hohes Ansehen weltweit für ihre Erzeugnisse genieße. Das verdanke sie dem hohen fachlichen Niveau ihrer Mitarbeiter“.

Die Motive zur Ausdünnung der Belegschaft sei in seinen Augen „ausschließlich im Interesse höherer Rendite“. Sollte der Stellenabbau tatsächlich umgesetzt werden, hätten die verbliebenen Arbeitnehmer mit Belastungssteigerung die Aufträge auszuführen. Das sei nicht betriebsbedingt, sondern erinnere mehr an frühindustrielle Zustände. „In Zeiten einer hochspezialisierten und arbeitsteiligen Industrie funktioniert das nicht mehr,“ betont Limbacher. Mittelfristig führe dies zu einer Zerstörung des Produktionsstandorts.

Er appelliert deshalb an die Entscheidungsträger des Unternehmens, auf „destruktive Unternehmensstrategien“ zu verzichten und den Weg einer langfristigen Sicherung der Firma zu gehen durch Erhaltung und Ausbau der Arbeitsplätze und der Produktqualität.