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20 Künstler und 32 000 Lichter bei Ausstellung im illuminerten Altstadter Kunststall

Weihnachtsaktion in Altstadter Galerie : Kunststall leuchtet in der Coronanacht

Die Pandemie hat den Altstadter Kunststall stark ausgebremst. Eine große Ausstellung wurde vorbereitet, doch der große Aufgalopp fehlt. Besuchen kann man sie aber trotzdem: einzeln nach Absprache.

Eigentlich sollte es ja eine große Ausstellung zum Jahresende geben, Bilder und Skulpturen von mehr als 20 Künstlern wurden gehängt beziehungsweise aufgestellt, die Vernissage wurde terminiert – und jetzt? „Ausgebremst sind wir‟, zeigt sich Sibylle Spiess-Deckert, die Inhaberin der Galerie „Kunststall“ in der Altstadter Turmstraße ziemlich frustriert. Die Corona-Pandemie hatte allen Planungen und Vorbereitungen den Garaus gemacht. Die Ausstellungsräume sind zwar hergerichtet, die Bilder entsprechend in Szene gesetzt, aber ein großer Aufgalopp an Besuchern sei angesichts der Krise und der damit verbundenen Einschränkungen nicht möglich.

Just vor Jahresfrist platzte das einstige Bauerngehöft sozusagen noch aus allen Nähten. Zum 40. Jahrestag der Galerie-Gründung durch den in Homburg geborenen Künstler Willi Spiess (1909-1997) hatte es ein großes Fest samt Jubiläumsausstellung gegeben. Kunstinteressierte aus nah und fern hatten sich ein Stelldichein gegeben, einmal mehr avancierte der „Kunststall‟ zum Mekka der modernen Malerei. Zum runden Bestehen waren noch einmal alle Künstler zusammengeführt worden, die von Anbeginn an ihre Werke in Altstadt gezeigt hatten: Surrealistisches von Otfried Culmann aus der Nähe von Bergzabern, Figuren von Klaus Glutting, Odo Rumpf, der „neue Wilde‟ A. R. Penck, Hans Dahlem, Lukas Kramer, Jupp Steilen, Annegret Leiner – lang und noch viel länger war die Liste der Kunstschaffenden, die in dieser Schau zusammengeführt worden waren. Natürlich waren auch Werke des früheren Hausherrn, von Willi Spiess also, vertreten. Das sehr persönliche Buch, das der aus Erbach stammende und heute in Frankfurt beheimatete Verleger Norbert Rojan über seinen Onkel verfasst hat, wurde damals vorgestellt. Es ist noch nicht vergriffen und auf Wunsch auch mit einer Radierung in der Galerie zu haben.

Das Konzept zum 40. Jubiläum ging auf: „Und daran wollten wir jetzt eigentlich anknüpfen‟, erläutert Sibylle Spiess-Deckert weiter. Zahlreiche andere Bilder wurden gehängt, darunter auch solche, die noch gar nicht, schon lange nicht mehr oder sogar noch nie gezeigt wurden. Volker Sieben, vor zwei Jahren 58-jährig in Berlin gestorben, ist vertreten, von dem Rheinländer Wolfgang Sahlmann ist ein großflächiges „Blaubild‟ zu bewundern, auch der 1995 verstorbene Altstadter Künstler Gerd Eich ist vertreten.

„Es ist mehr als bedauerlich, dass die gesamte Kulturszene durch die Pandemie derart beeinträchtigt wird. Aber wir werfen das Handtuch nicht und suchen nach Auswegen und Alternativen‟, skizziert die Galeristin. Es gebe zwar keine Vernissage und auch keine geregelten Öffnungszeiten. Aber nach telefonischer Absprache sind Ausstellungsbesuche allein oder zu zweit „coronakonform‟ durchaus möglich. Die geltenden Regeln werden eingehalten, für Desinfektion ist bestens gesorgt. Auf diese Weise biete sich auch einmal ein ganz anderer Blick hinter die Kulissen, die Authentizität des Ateliers könne ohne die übliche Enge von Ausstellungseröffnungen in Augenschein genommen werden: Am Haken hängende Malerkittel mit vielen Farbklecksen, Paletten, Pinsel, Spachtel und Tuben: Das alles ist dort zu sehen, wo die gewöhnlich Kindermalschule ihren Platz hat. Der jüngste der Eleven sei gerade mal dreieinhalb Jahre alt, und was bei der Nachwuchskunst so herauskommt, kann auf eine großen Tisch begutachtet werden.

Auf Sparflamme läuft auch die im Altstadter Kunst- und Kulturzentrum befindliche Musikschule. „Konzerte waren in diesem Jahre keine möglich, auch der Tag der offenen Tür ist flach gefallen‟, berichtet Falk Deckert. Unterricht an den einzelnen Instrumenten finde aber bisweilen statt. Die auch aus der Distanz nicht zu übersehende Illumination samt „blauem Baum‟ des „Kunststalls‟ ist sein Werk: Traditionell tauchen in der Vorweihnachtszeit rund 32 000 Birnchen Gebäude und Vorhof in gleißendes Licht und ziehen zahlreiche Schaulustige in ihren Bann.

Foto: Martin Baus
Sibylle Spiess-Deckert im vergangenen Jahr im Atelier ihres Vaters Willi Spiess, der vor 40 Jahren die Galerie „Kunststall“ in der Altstadter Turmstraße 3 aus der Taufe hob. Im Vordergrund auf dem Tisch „Mein Onkel‟, das Buch über den Galeriegründer. Foto: Martin Baus

Info: Besuche der Jahresabschlussausstellung im Altstadter Kunststall, Turmstraße 3, sind unter Telefon (0 68 41) 8 07 76 zu vereinbaren.