Jazz in seiner besten Form

Homburg. "Natürlich sind wir auch so lebensfreudig, wenn wir die Bühne verlassen haben." Das mochte man Hans-Michael Barth, dem Pianisten und Bandleader der Mainzer Formation Viva Creole, gerne glauben

Homburg. "Natürlich sind wir auch so lebensfreudig, wenn wir die Bühne verlassen haben." Das mochte man Hans-Michael Barth, dem Pianisten und Bandleader der Mainzer Formation Viva Creole, gerne glauben. Denn eher unglaublich hätte es angemutet, hätte er erzählt, dass er und seine Mitstreiter nach einem musikalischen Feuerwerk wie dem am vergangenen Samstag beim Jazzfrühschoppen auf dem Marktplatz missmutig durchs "Restleben" ziehen würden. Was macht den Sound von Viva Creole aus? Darauf hatte Barth eine vielteilige Antwort: "Es ist die bunte Mischung aus traditioneller, fröhlicher Musik europäischer Prägung, die in unterschiedlicher Form mit karibischen Einflüssen verbunden wird. Und wir würzen das Ganze auch noch mit einem etwas moderneren Sound. Dieser Mix ist relativ einzigartig." Und er zeugt von hoher technischer Güte, ganz gleich ob in der gesamten Besetzung oder bei den Soli. "Dieser Stil ist in der Tat technisch sehr anspruchsvoll. Und die Musik muss so rüber gebracht werden, dass sie sich leicht anhört. Das ist unser Ziel." Das erreichten Viva Creole am Samstag vor prächtiger Kulisse und unter einem sommerlichen und damit zu Musik perfekt passenden blauen Himmel ohne erkennbare Mühe - auch wenn man angesichts der Virtuosität auf den Gedanken hätte kommen können, dass die Band an sieben Tagen in der Woche 22 Stunden lang übt. So leicht, so überraschend, so spritzig und intelligent hört man Jazz selten. Barth: "Unsere Stücke entwickeln sich. Und bis es soweit ist, dass wir sie im Schlaf spielen können, dauert es schon mal Jahre. Man entwickelt neue Ideen, verwirft alte. Und was bei uns dazu kommt: Wir verstehen uns blind. Wir können in entgegengesetzte Richtungen schauen und merken zeitgleich doch alle, dass jetzt dies oder das passieren müsste. Gewisse Strukturen im Stück sind vorgegeben, dazwischen gibt es aber Raum zur Improvisation. Das geschieht auf der Bühne ganz spontan." Wie es sich anhört, wenn sieben Vollblutmusiker ihr Handwerk wirklich beherrschen und mit jeder Menge Lust und Laune ihre Musik nicht nur spielen, sondern auch leben, davon zeugte der vergangene Samstag über Stunden hinweg. Getragen von der variationsreichen Stimme von Manfred Kaiser und gespickt mit schier unzähligen Soli, so dem Auftritt von Gerald Bambey mit der Mundharmonika zum Ende des ersten Sets, kamen die Gäste aus dem Staunen und Applaudieren gar nicht mehr raus. Und eben diesem Publikum sprach Barth ein exquisites Zeugnis aus. "Die Homburger sind sagenhaft. Die Leute sind sehr spontan und lesen uns förmlich jede Note von den Lippen ab." "Die Homburger lesen uns jede Note von den Lippen ab."Michael Barth