Kündigungen in der Kreisverwaltung Mitten in der Corona-Pandemie: Der Saarpfalz-Kreis steht ohne Amtsärzte da

Homburg · Das Gesundheitsamt in Homburg hat keinen Amtsarzt mehr. Leiterin und Stellvertreterin haben gekündigt. Damit ist die Behörde ohne Unterstützung durch eine andere Behörde nicht mehr funktionstüchtig.

 Das saarpfälzische Gesundheitsamt ist sozusagen arbeitsunfähig: Die vom Gesetz geforderte Leitung durch einen Amtsarzt gibt es nicht mehr. (Symbolbild)

Das saarpfälzische Gesundheitsamt ist sozusagen arbeitsunfähig: Die vom Gesetz geforderte Leitung durch einen Amtsarzt gibt es nicht mehr. (Symbolbild)

Foto: dpa/Frank Molter

Nun muss das Gesundheitsamt im Landkreis Neunkirchen den Kollegen im Saarpfalz-Kreis unter die Arme greifen. Denn die beiden Amtsärzte der Homburger Behörde haben gekündigt – mitten in der Corona-Pandemie.

Entsprechende Informationen hat die Pressestelle des Landkreises auf SZ-Anfrage bestätigt. Demnach habe die bisherige Chefin, Dr. Sigrid Thomé-Granz, gekündigt, ebenso ihre Stellvertreterin. Über die Gründe wollte die Kreisverwaltung keine Angaben machen.

Klar ist jedoch: Das Gesundheitsamt des Kreises ist ohnehin schon seit längerem stark belastet. So wurde beispielsweise die Nachverfolgung der Kontakte nach neuen Coronafällen in weiten Teilen bereits Ende November eingestellt.

Die Mitarbeiter konzentrieren sich nur auf bestimmte Gruppen. Landrat Theophil Gallo (SPD) hatte dazu klar gemacht: Die zu bearbeitenden Fälle in dieser vierten Welle seien „leider in bisher nicht gekannter Weise sprichwörtlich durch die Decke“ gegangen. Die Art und Weise der Kontaktnachverfolgung, wie sie seit Beginn der Pandemie erfolgt ist, könne durch das Gesundheitsamt nicht mehr gewährleistet werden. „Das ist die traurige Wahrheit, der wir uns nun stellen müssen.“

Konkret bedeutet dies: Es werden nur noch positive Indexfälle „vorrangiger Gruppen“ nachverfolgt. Dazu zählen vulnerable Menschen und Personen aus Gemeinschaftseinrichtungen. Hier konzentriere man sich auf die Fallermittlung in Schulen und Kitas sowie Pflegeeinrichtungen.

Wer positiv getestet wurde und nicht zu diesen Gruppen gehöre, werde vom Amt auch nicht mehr angerufen. Die Folge: Auch enge Kontaktpersonen werden nicht mehr vom Gesundheitsamt ermittelt. Wer nach einem PCR-Test Corona positiv sei, müsse seine Kontakte selbst benachrichtigen.

Seit Mitte Dezember hat man auch die Quarantäne-Anordnung eingeschränkt. Das Amt nimmt seitdem nur noch Kontakt zu positiv Getesteten auf, wenn sie zu einer vulnerablen Gruppe gehören. Sprich Jugendliche und Kinder der Jahrgänge 2004 und jünger sowie Erwachsene, die vor dem 1. Januar 1950 geboren sind. Nur noch diese bekommen eine Quarantäne angeordnet, alle anderen müssen sich selbst absondern.

Das saarpfälzische Gesundheitsamt ist durch den Verlust der beiden Amtsärztinnen quasi arbeitsunfähig. Denn per Gesetz ist es verpflichtet, dass ein Amtsarzt solch eine Behörde führt. Das ist nun nicht mehr der Fall. Um den gesetzlichen Vorgaben der Leitung eines Gesundheitsamtes durch eine Amtsärztin beziehungsweise einen Amtsarzt zu entsprechen,  werde übergangsweise mit dem Gesundheitsamt Neunkirchen kooperiert.

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