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Homburger Schulklasse bei den alten Ägyptern

Virtuelle Reise an den Nil : Man träumt sich zurück ins alte Ägypten

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6c am Homburger Saarpfalz-Gymnasium haben im Rahmen eines Projekts einen Bericht geschrieben über „ein Thema zum Schwärmen und Träumen: über die Hochkultur Ägypten“. Sie wollen darauf hinweisen, dass es trotz Corona-Krise viele Dinge gibt, die das Leben bereichern.

Was macht man in Corona-Zeiten, wenn man nicht verreisen kann und auch die Kontakte eingeschränkt sind? Man macht es wie unsere Vorfahren im 19. Jahrhundert: Man liest Bücher über fremde Hochkulturen, begeistert sich an tollen Bildern, die man aus der Ferne betrachten kann – und träumt sich dorthin.

Erstes Sehnsuchtsziel, wenn es um fremde und exotische Kulturen geht, ist natürlich das alte Ägypten. Man taucht in eine wunderbare, bunte und fantasievolle Bilderwelt ein, die Kinder und Jugendliche sofort anspricht. Und so hat die Klasse 6c des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums unter Leitung ihres Geschichtslehrers Eberhard Jung ein bisschen träumen dürfen. Und natürlich auch viel gelernt, ganz klar. Denn es gibt diese magischen Momente, in denen die Schule nicht eine Last, sondern eine wunderbare Bereicherung ist. Diese Botschaft wollte die Klasse 6 c anhand des Projektes „Zeitung macht Schule“ für die Leser unserer Zeitung festhalten.

Alle Mitschüler haben sich an dem Bericht beteiligt. Mylie Bergau erzählt: In ihrer Familie sei es Tradition, die Zeitung zu lesen. Sie findet darin oft Berichte für ihren Geschichtsordner, zum Beispiel über „Die Werkzeuge der Steinzeit“.

Durch den Schulunterricht, eigene Recherchen, Reiseberichte von Touristen, Filmen und Fernsehdokumentationen seien die Schüler gut vertraut mit Ägypten, betont ihr Geschichtslehrer Eberhard Jung: „Sie wissen Bescheid über den Bau der Pyramiden, die Rolle der Sphinx, die Felsengräber und Grabräuber im Tal der Könige, die Entschlüsselung der Hieroglyphen, den Götterglauben und Totenkult mit Mumifizierung und Totengericht.“ Auch Lebensformen, Wissenschaft und die Kunst der Altägypter stießen auf großes Interesse.

Klassensprecher Nico Dorscheid hat eine umfangreiche Abhandlung über den Nil und die altägyptischen Götter geschrieben und stellt darin fest: „Ohne den Nil wäre Ägypten verwüstet.“ Er verweist auf den griechischen Geschichtsschreiber und Völkerkundler Herodot (im fünften Jahrhundert vor Christus), der Ägypten als „ein Geschenk des Nils“ bezeichnete. Der Nil als Lebensader, mehr als fünfmal so lang wie der Rhein, sei aktuell wieder in der Diskussion, weil ein gigantisches Staudammprojekt in Äthiopien die Wasserversorgung in Ägypten und Sudan gefährdet und dadurch Konflikte provoziert. Weiterhin erklärt er: „Die Menschen verehrten die zahlreichen Götter in Tempeln, erbauten Statuen und benannten Städte nach ihnen. Oft brachten sie ihnen Opfer dar.“

Natürlich kennt er auch ihre typischen Symbole und ihre Bedeutung, und so erzählt er vom Sonnen- und Fruchtbarkeitsgott Amun-Re, von den Totengöttern Isis und Osiris, von Horus mit dem Falkenkopf, Anubis mit dem Schakalkopf und Thot, dem ibisköpfigen Gott der Schreiber und der Weisheit.

Carla Schreier verweist darauf, dass der Schreiber einer der anspruchsvollsten und begehrtesten Berufe in der ägyptischen Hochkultur war. Aber nur wenige Eltern konnten es sich leisten, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Meist musste der Nachwuchs so früh wie möglich den Eltern bei der Arbeit helfen. Das sei auch heute noch so ähnlich, findet Moritz Toerlitz: „Ägypten ist ein Land, das wegen seiner vielen Sehenswürdigkeiten vom Tourismus lebt, doch in der aktuellen Coronakrise fehlen die Touristenmassen. Immer mehr Einheimische leiden unter dem Teufelskreis der Armut, darunter auch viele Kinder, die auf der Straße leben, betteln, arbeiten und nur wenig zu essen bekommen.“

Pola Kurowska gefällt es, dass in der Antike die Frauen aus vornehmen Familien lesen und schreiben konnten. In vielen Bereichen waren sie den Männern sogar rechtlich gleichgestellt. Und sie betont: „In unserer Klasse ist das auch so: Ich bin Klassensprecherin – zusammen mit meinem Mitschüler Nico.“ Sie würde gerne nach der Corona-Pandemie das neue ägyptische Museum in Kairo besuchen und die Riesenanzahl von Schätzen begutachten, vor allem die Goldmaske des Tutanchamun.

Clara Rossi befasste sich mit dem Leben der einfachen Bauern, den Fellachen, die die große Mehrheit der Bevölkerung bildeten. Sie besaßen kein eigenes Land, mussten große Teile der Ernte abgeben und in der Überschwemmungszeit auf den Großbaustellen von Pyramiden, Tempeln und Palästen als Fronarbeiter mithelfen.

Noel Zimmer verweist auf die Naturalwirtschaft der Pharaonen. Ihre Abgesandten verteilten Lebensmittel als Lohn. Honig, Trockenfisch, Salz, Obst und Gemüse waren begehrt. Dinkel und Gerste brauchte man für Brot und Bier. Fleisch und Wein gab es nur selten.

Aus Wand- und Papyrusmalereien, Hieroglyphen und Grabbeigaben weiß man gut Bescheid über das Alltagsleben im ägyptischen Altertum. Am bedauernswertesten waren die Sklaven, meist waren dies Kriegsgefangene. Sie waren rechtlos und wurden auf dem Sklavenmarkt behandelt wie eine Ware.

Helin Ismail hat den Zeichentrickfilm „Der Prinz von Ägypten“ gesehen und ist entsetzt von der Erniedrigung der Sklaven, die als billige Arbeitskräfte ausgebeutet und misshandelt wurden. Spielfilme über Ägypten stehen bei den Schülern ohnehin hoch im Kurs. Die Neuverfilmung von Agatha Christies Bestseller „Tod auf dem Nil“, dessen Kinostart coronabedingt mehrfach verschoben wurde, erwarten auch einige von ihnen mit Spannung.

Ägyptenfilme, darunter auch gute alte Hollywood-Schinken, faszinieren immer noch wegen ihrer Bilderbuchkulissen die Zuschauer: mit exotischen Landschaftsaufnahmen, Wüsten- und Oasenromantik, orientalischen Basaren und der Atmosphäre aus „Tausendundeiner Nacht“.

Kein Wunder, dass das nordafrikanische Land am Nil eines der weltweit begehrtesten Reiseziele überhaupt ist. Die Klasse 6c hat die Vor- und Nachteile eines solchen Reise-Abenteuers kritisch unter die Lupe genommen. Der hohe Preis, Sprachprobleme, schwierige hygienische Verhältnisse, das Wüstenklima und die Gefahr von Terroranschlägen schrecken eher ab.

Dennoch bleibt die Faszination ungebrochen. Jannis Graff weiß, dass der Tourismus seit langer Zeit eine der wichtigsten Einnahmequellen der Ägypter ist: „Die Touristen besuchen gerne die weltbekannten antiken Sehenswürdigkeiten, aber auch die Sandstrände am roten Meer. Dort kann man wunderbar tauchen und die tolle Unterwasserwelt entdecken.“

Die zahlreichen Unesco-Welterbestätten und bedeutenden archäologischen Sehenswürdigkeiten nahe des Nils wirken wie das größte Freilichtmuseum der Welt. Eine der Hauptattraktionen sind die Pyramiden. Franziska Emser stellt fest: „Sie sind das einzige noch erhaltene der sieben Weltwunder der Antike und zugleich Wahrzeichen des Landes. Die größte und bekannteste Pyramide ist die des Pharaos Cheops. Sie war ursprünglich 146,6 Meter hoch und erreicht heute noch 138,75 Meter.“

Lukas Gerlich fügt hinzu: „Die drei Pyramiden von Giseh nahe Kairo werden von dem Sphinx bewacht, einem liegenden Löwen mit einem Menschenkopf.“ Sophie Pilch interessiert sich besonders für die älteste Pyramide der Welt, die ebenfalls noch gut erhaltene Stufenpyramide von Sakkara des Pharaos Djoser, rund 20 Kilometer südlich von Kairo. Ella Webel findet die Felsentempel von Pharao Ramses II. in Abu Simbel (Südägypten) sehenswert. Tom Wachter staunt darüber, dass beide Tempel in den Jahren 1963 bis 1968 auf Kosten der Unesco bei einer internationalen Rettungsaktion (auch mit deutscher Beteiligung) in Blöcke zersägt und 65 Meter höher wieder aufgebaut wurden, weil sie sonst im Nasser-Staussee versunken wären. Sein Bruder Finn Wachter ist begeistert von den vielen riesigen Bauwerken, den Tempeln von Luxor und Karnak (in Mittelägypten) mit ihren prachtvollen Säulenhallen und Kolossalstatuen, aber auch von der Hieroglyphenschrift.

Besonderen Spaß macht es natürlich, den eigenen Namen in Hieroglyphen zu schreiben oder sie wie eine Geheimschrift einzusetzen. Leopold Wolf weiß:„1822 wurde die uralte ägyptische Bilderschrift von dem französischen Sprachwissenschaftler Jean-François Champollion entschlüsselt. Der Sage nach war sie von dem Gott Thot geschaffen worden. Das Wort Hieroglyphen bedeutet heilige Schriftzeichen oder heilige Einkerbungen.“

Leon Trinkaus und Tilo Ehlert kennen viele Einzelheiten über die Pharaonen, die allmächtigen Gottkönige der ägyptischen Antike. Ihr besonderes Interesse gilt dem bedeutendsten der etwa 170 Pharaonen: Ramses II., dem Großen. Er war 66 Jahre an der Macht und erreichte damit eine der längsten Regierungszeiten in der Antike. Mit den Hethitern schloss er den ältesten bekannten Friedensvertrag der Welt.

Im Ägypten-Dekor: Die Klasse 6 c des Saarpfalz-Gymnasiums beschäftigte sich mit der Hochkultur am Nil. Den Kindern machte es so viel Spaß, dass sie darüber einen Bericht schreiben wollten. Foto: Eberhard Jung
Fotos von der Sphinx sind allen Kindern bekannt. Foto: Eberhard Jung
Ägypten ist auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. In Corona-Zeiten grassiert nun die Armut besonders, auch Kinder spüren die Krise. Foto: Eberhard Jung

Auch der „Ketzerpharao“ Echnaton, der kurzzeitig den Eingottglauben einführte, und sein Sohn, der „Kindkönig“ Tutanchamun, sind ihnen ein Begriff; ebenso die Pharaoninnen Hatschepsut, Nofretete und Kleopatra VII., die unter anderem mit Caesar ein Liebesverhältnis hatte. Für die Armeen der Pharaonen und ihre Waffen begeistert sich Anton Lehmann. Münzensammler Ben Steinmann weist darauf hin, dass Österreich im November 2020 eine wunderschöne 100-Euro-Goldmünze herausgegeben hat zum Thema „Das Gold der Pharaonen“. Sie bildet den Pharao Echnaton ab, der die Strahlen des Sonnengottes Aton empfängt, und auf der Rückseite die weltberühmte Totenmaske seines Sohnes Tutanchamun. Die Münze spiegelt das wider, was den alten Ägyptern wichtig war: Schönheit und Gold als glanzvolles Symbol der Unvergänglichkeit, der Sonne als Lebensspender und Zeichen der allmächtigen Pharaonen.