Zwischen Geschichte und Industrie

Das Wandeln zwischen Natur, historischer Altstadtbebauung und Industrie macht die Stadt Homburg in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Auch die Industrieanlagen haben ihre Ästhetik und ihren besonderen Reiz.

Auch als zweitgrößter Industriestandort zeigt sich Homburg sehenswert, wie hier mit einer Halle von ThyssenKrupp-Gerlach.

Es sind 21 Blätter, die den Lindenbaum im Homburger Wappen schmücken. Und da verwundert es nicht, dass man sich zwischen Kirrberg und Beeden gerne mit dem Titel "Stadt des Baumes" schmückt. Dass dieses Prädikat nicht ganz unverdient ist, zeigen auch die nackten Zahlen: Gelegen in den Ausläufern des Pfälzerwaldes sind über 40 Prozent des Stadtgebietes von Bäumen bedeckt. Touristische Ziele wie der Waldpark Schloss Karlsberg zeugen ebenfalls von der Nähe der Stadt zur Natur. Doch wird das "grüne" Homburg immer auch, neben seiner Geschichte als Vauban-Stadt, mit einem weiteren, wesentlichen Charakterzug in Verbindung gebracht - der Industrie. "Homburg ist der zweitgrößte Industriestandort im Saarland" ist eine Botschaft, die immer wieder zu hören ist. Thyssen Krupp Gerlach, Michelin , Bosch, Karlsberg und auch Schaeffler Technologies prägen mit ihren weitläufigen Anlagen ganz Stadtteile. Tausende von Menschen finden hier täglich Arbeit.

Und: Auch wenn das frühere DSD-Werk an der Saarbrücker Straße schon lange Geschichte ist - auch diese heutige Industriebrache hinterlässt einen unübersehbaren Eindruck, wenngleich auch einen, den nicht jeder als Homburger Attraktion betrachtet.

So ist es vor allem dieser Spagat, der das "große" Erscheinungsbild der Stadt auszeichnet, das Wandeln zwischen Natur, historischer Altstadtbebauung und Industrie. Doch es wäre falsch, Letzterem nur eine funktionale Rolle zuzusprechen. Denn auch und gerade die großen Industrieanlagen haben ihre Ästhetik und ihren erkundungswerten Reiz, gleich ob noch aktiv oder, wie das alte Eisenwerk, schon lange außer Betrieb. Dass solche Zeugnisse gefragt sind, zeigt die Erfolgsgeschichte der Völklinger Hütte. Vergleichbares an Einzelobjekten findet man in Homburg zwar nicht, doch wer sich zwischen dem Industriegebiet Ost und dem Industriegebiet West auf die Suche macht, der findet spannende Perspektiven. Dächer von Hallen werden zur abstrakten Formschönheiten, die nächtliche Beleuchtung der Mehrschicht-Betriebe verwandeln die Dunkelheit in ein Sternen-Meer. Das alte Eisenwerk mit seiner mächtigen Halle dominiert das Bild der Stadt, wenn man sie sich vom Schlossberg aus betrachtet. Und wenn man sich vom alten DSD-Gelände in Richtung Thyssen Krupp Gerlach aufmacht, dann wandert man von der Homburger Vergangenheit in die Gegenwart, gedanklich parallel zu den Waldgebieten, Vauban und der historischen Altstadt.

Ob sich die Menschen, die täglich an den großen Industriebetrieben vorbeifahren und -laufen dessen bewusst sind? In der Regel kommt das Gespräch auf die Homburger Industrie dann, wenn es um Gewerbesteuer geht, um Arbeitsplätze für die zigtausend Einpendler oder, wie im Falle des neuen Industriegebietes Zunderbaum, um die finanzielle Zukunft einer Stadt in eben finanziellen Schwierigkeiten.

Doch lässt man all das mal für einen Moment beiseite, dann kann die "mechanische" Seite Homburgs auch schlicht schöne Seiten entwickeln - mit ihrer lebendigen Industriekultur. Natur und die historische Bausubstanz als ebenfalls prägende Elemente der Stadt liefern da im Kanon gleichberechtigte Stimmen und verleihen Homburg einen eigenständigen Charakter, den man im Saarland wohl in dieser Form kein zweites Mal findet.