Zündende Ideen fürs Handwerk

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Saarpfalz will in Kooperation mit Schulen und Betrieben vor Ort das Handwerk stärken.

"Handwerk hat goldenen Boden", so heißt ein Sprichwort. Und das ist heute auch noch so. Bloß merkt es keiner. Zugegeben, das ist etwas überspitzt formuliert. Aber: "Das Handwerk hat ein Imageproblem", bringt Doris Gaa, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Saarpfalz (WFG), die derzeitige Situation auf den Punkt. In der Hauptsache kümmern sie und ihr Team sich vom Saarpfalz-Park in Bexbach aus um die Förderung von kleineren und mittleren Betrieben, daher liegt ihnen auch das Handwerk besonders am Herzen. "Wir sitzen hier vor Ort, kennen die Firmen, haben im Lauf der Jahre gute Kontakte aufgebaut", ergänzt Mitarbeiterin Petra Stein. Daher weiß man hier um die Sorgen und Nöte. Bei vielen Handwerksbetrieben sei die Auftragslage gut, aber sie hätten - quer durch alle Branchen - Probleme, Mitarbeiter zu finden, ebenso wie Auszubildende.

"Es gab und gibt auch seit Jahren den Trend, dass immer mehr junge Leute, durchaus auch von den Eltern dazu angehalten, nur noch an die Unis wollen", sagt Gaa. Den Satz "Eine Ausbildung ist doch nichts wert" hat Doris Gaa schon bei vielen Gesprächen gehört.

Um das Handwerk, seine vielfältigen Berufsbilder und Möglichkeiten - vom Augenoptiker über den Mediengestalter bis zum Zerspanungsmechaniker - wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken, hat die WFG im Zuge ihrer Kampagne "Hände hoch fürs Handwerk" fleißig getrommelt, hat zahlreiche Veranstaltungen im ganzen Saarpfalz-Kreis organisiert (wir berichteten), hat "Aufklärungsarbeit" in vielen Schulen geleistet, interessierte Schulen und Betriebe zusammengebracht.

Zu beiderseitigem Gewinn, wie Bernd Jähn, stellvertretender Schulleiter der Gemeinschaftsschule Neue Sandrennbahn in Erbach, bestätigen kann - die Sandrennbahnschule pflegt schon lange Kooperationen zu verschiedenen Betrieben, unter anderem auch Dachdecker und Metallbauer: "Sehr oft wissen nämlich die Schüler wenig über die zahlreichen Möglichkeiten im Handwerk." Erlebten sie jedoch vor Ort konkret, welche Möglichkeiten der Beruf bietet, sei vielfach die Begeisterung groß: "Einige unserer Schüler haben zum Beispiel bei der Renovierung des Eingangsbereiches unserer Schule mitgearbeitet, im Zuge des Betriebspraktikums bei einer Erbacher Firma für Ausbau und Fassadengestaltung", erzählt Jähn. Sie erlebten so nicht nur "Baustelle live", sondern auch den Arbeitsalltag, der sich von einem Schultag gehörig unterscheidet. Durch die Kontakte zu Betrieben habe man viele Schüler in Praktika und teils auch in Ausbildung vermitteln können, erzählt Jähn.

"Zudem bietet sich mit einer Ausbildung als Grundlage ja auch die Chance, später den Meister zu machen und sein eigener Chef zu sein", verweist Doris Gaa auf die Zukunftsperspektiven im Handwerk. Auch wenn sich viele Berufsbilder dank Digitalisierung und technischem Fortschritt stark gewandelt haben. Dass zum Beispiel die Energiewende auch Chancen für Handwerksbetriebe bieten kann, wurde bei der "Roadshow" mit dem Schwerpunkt "Energieeffizienz" deutlich, dem zweiten Standbein der Kampagne "Hände hoch fürs Handwerk". Insbesondere die praxisnahen Veranstaltungen seien gut angekommen, erklärt Lisa Schuster von der Handwerkskammer, zum Beispiel die Vorstellung des Blockheizkraftwerks in Kirkel, für die Bürgermeister Frank John sein Haus geöffnet hatte, aber auch der Stadtrundgang zur energetischen Optimierung von Gebäuden in St. Ingbert, mit den Beispielen Josefskirche und Beckerturm.

Und die Kampagne wird weitergehen, mit den Schwerpunkten Homburg und Bexbach im Sommer, zudem haben die Landkreise Neunkirchen und St. Wendel ebenfalls Interesse angemeldet, eine ähnliche Aktion durchzuführen, um das Handwerk zu stärken, berichtet Doris Gaa. Denn wie wichtig das Handwerk vor Ort ist, merken die meisten Menschen oft erst dann, wenn die Heizung ausfällt . . .

Bei der WFG Saarpfalz gibt es Infos zur Kooperation Schule-Betriebe und die Kampagne: Tel. (0 68 26) 52 02-0.www.wfg-saarpfalz.de

Mehr von Saarbrücker Zeitung