Zu Weihnachten eine Herberge

Nächstenliebe, Milde und Barmherzigkeit: Das sind die Richtlinien der Malteser, die rund um die Festtage für die Flüchtlinge im Einsatz sind. Sie geben damit der Botschaft von Weihnachten ihre ursprüngliche Bedeutung - nämlich Menschen in Not eine Herberge bieten.

"Wir nennen die Flüchtlinge nicht Flüchtlinge , sondern Gäste." Mit diesem einfachen Satz bringt Jan Huber, Zugführer und "Chef" der Homburger Malteser, eigentlich alles auf den Punkt, was die Philosophie des katholischen Hilfsdienstes in der Betreuung der Menschen in der Sammelunterkunft auf dem Gelände des alten Homburger Freibades ausmacht. Es ist Mittwochmorgen, der Advent klingt aus.

Für Huber und seine Mitstreiter Tim Hölscher und Lucas Martin ist es aber ein Tag wie jeder andere in den vergangenen Wochen. "Advent ? Stimmt, da war doch was", lacht Huber, während er mit seinen beiden Kollegen im eigenen Aufenthaltsraum auf dem Gelände frühstückt - übrigens das gleiche Frühstück, das die Flüchtlinge erhalten.

Auch über den 24. Dezember und an den beiden Weihnachtsfeiertagen sind die Malteser in der Flüchtlingsunterkunft im Einsatz - und dieser Einsatz beschränkt sich seit Beginn der Arbeit vor Ort bei weitem nicht nur auf das, was unter dem Oberbegriff "sanitätsdienstliche Versorgung" zusammengefasst werden kann.

Huber: "Wir kümmern uns auch um Integration in Form von Spieleabenden oder wir sitzen zusammen und erzählen mit den Leuten. Dieses Projekt, als Beispiel, heißt 'tell your story'. Die Menschen sollen von dem berichten, was sie auf dem Weg nach Deutschland erlebt haben." Zusätzlich halte man Kontakt zu Homburger Vereinen, die den Flüchtlingen sogar die Möglichkeit böten, Fußball zu spielen. "Und am vergangenen Sonntag haben wir einen Wandertag hoch auf den Schlossberg gemacht."

Ein Pfeiler des Malteser-Einsatzes ist aber natürlich die Versorgung der Flüchtlinge in Sachen Gesundheit. Dafür zeichnet vor allem Tim Hölscher verantwortlich, einer der sieben hauptamtlichen Kräfte der Homburger Malteser. Er ist es auch, der sich während des Gesprächs mit unserer Zeitung um einen Neuankömmling kümmert. "Jeder bekommt eine kurze Eingangsuntersuchung. Wir prüfen auf ansteckende Krankheiten, fragen nach Vorerkrankungen. Und wenn nichts ist, dann übernimmt die Stadt", erklärt er. Für ihn ist die räumliche Situation auf dem Gelände des ehemaligen Freibads mit Containern, Zelt, zentraler Essensausgabe eine mit Déjà-vu-Potenzial. Denn: Hölscher ist Afghanistan-Veteran der Bundeswehr.

Und seine Erinnerungen an den Einsatz am Hindukusch sind durchaus ambivalent. Hat er mit Blick aus dem kleinen Aufenthaltsraum in Richtung Zelt- und Containerlager ungute Momente in Sachen "Lagerleben"? Hölscher verneint eher, "natürlich geht mir das schon nah. Aber ich bin ja im heimischen Umfeld angekommen und kann mittlerweile ganz gut damit umgehen."

Dass die Malteser rund um die Festtage mit ihrer Hilfe für die Flüchtlinge eigentlich dem Kern von Weihnachten eine Bedeutung geben, passt zum aktuellen Einsatz - Menschen eine Herberge bieten. Und dieser Aufgabe fühlen sich Huber, Hölscher und Martin, er kommt aus dem Bundesfreiwilligen-Dienst, verpflichtet. Das spürt man im Gespräch und bei dem, was die Malteser leisten. Und was immer dieses urchristliche Thema in seiner Verwirklichung nötig macht, das liefern Huber, Hölscher und Martin in Taten. Und jetzt, an Heiligabend und an den beiden Weihnachtsfeiertagen, bekommt das eine noch größere Bedeutung, bedeutet es doch zumindest für Jan Huber und Tim Hölscher zum Teil einen Verzicht auf das eigene Fest. Hölscher ist am 24. Dezember bis in den späten Nachmittag im Einsatz, Huber an den beiden Feiertagen. Doch dieser Einsatz für andere entspricht dem Leitbild der Malteser: "Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen".

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Auf einen BlickNeben den Aktiven des Malteser-Hilfsdienstes der Stadtgliederung Homburg und den Kräften des Homburger Sicherheitsdienst sind auch zahlreiche Mitarbeiter der Stadt über die Festtage auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft im Einsatz: Aus dem Amt für Jugend, Senioren und Soziales sind über die bevorstehenden Feiertage 13 Personen im Dienst. Dazu konnten, beispielsweise als Hilfe bei der Essensausgabe, fünf ehrenamtliche Helfer und Helferinnen für Unterstützung an Weihnachten und den Feiertagen gewonnen werden. Zudem stünden vier Kräfte aus der Verwaltung in Rufbereitschaft, wie die Stadt an Nachfrage unserer Zeitung mitteilte. thw