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Zu Besuch in der Johann-Adams-Mühle in Theley

Mühlen-Rundgang : Klipp klapp, hier hat der Müller mal Mehl gemacht

Die Johann-Adams-Mühle in Theley beherbergt das Kreismühlenmuseum. In diesem wird gezeigt, wie früher gelebt und gearbeitet wurde.

Mattes Licht fällt durch die kleinen Fenster ins Gebäude und verleiht den Räumen eine heimelige Atmosphäre. Die alten Holzdielen ächzen unter jedem Schritt. Und großgewachsene Besucher müssen auf der Hut sein. Denn sowohl die Türen als auch die eingezogenen Balken und die Decken selbst sind hier sehr niedrig.

„Das gesamte Gebäude ist so eingerichtet wie im 19. Jahrhundert, als hier noch zwei Müller-Familien wohnten und arbeiteten“, sagt Jutta Backes-Burr, Kulturbeauftragte der Gemeinde Tholey. Die Rede ist von der Johann-Adams-Mühle in Theley. Die Bauten des Ensembles mit Landgasthof, Kleintierstall und Mühlengebäude stammen aus dem Jahr 1735. Die letzten Bewohner zogen 1982 aus. Ein Jahr später kaufte die Gemeinde Tholey das unter Denkmalschutz stehende Mühlengebäude und renovierte es originalgetreu. Seitdem beherbergt es das Kreismühlenmuseum und lässt das Müller-Leben von einst für die Besucher heute wieder lebendig werden.

Der erste Weg führt in die Küche mit dem 200 Jahre alten Ofen, der noch voll funktionsfähig ist. Regelmäßig ist er bei Brotbackkursen im Einsatz. Auf dem Herd und darüber stehen und hängen Töpfe. Einer davon an einer Vorrichtung, die verschiedene Höhenstufen ermöglicht. Die Einbuchtungen muten wie herausstehende Zähne an. „Den ganzen Tag über köchelte die Suppe auf dem Herd vor sich hin. Wenn die Rückkehr des Müllers vom Feld kurz bevorstand, wurde der Topf tiefer und somit näher an die Feuerstelle gehängt. Es wurde sozusagen nochmal ein Zahn zugelegt. Daher das Sprichwort“, erklärt Timo Groß von der Gemeinde Tholey. Eine Eisenplatte am Herd diente nicht nur zum Erhitzen der Lebensmittel, sondern auch als Heizung für die dahinter gelegene „gudd Stubb“. Diese ist mit Schränken für das Geschirr und einem Tisch mit Stühlen eingerichtet. Auf dem Tisch liegt ein Gästebuch, in das sich Besucher eintragen können. „Wenn Schulklassen zu Besuch sind, sind die Kinder immer wieder erstaunt wegen des fehlenden Luxus in diesem Raum“, weiß Backes-Burr. Eine Frage, die meist gestellt werde, lautet: „Wo ist der Fernseher?“

Wohnen und arbeiten – das war damals eng miteinander verbunden, was auch räumlich im Mühlengebäude deutlich wird. Denn ein paar Schritte weiter steht der Besucher in der Mahlstube. Hier wurde, wie der Name schon sagt, das Korn zu Mehl gemahlen. Vom 50 Meter oberhalb der Mühle gelegenen Teich floss das Wasser auf das Eichenrad draußen am Haus. Dadurch wurden die Mahlsteine in Bewegung gesetzt. Das Getreide kam in einen Trichter. „Der ist originalgetrau nachgebaut“, erläutert Groß. War der Inhalt darin aufgebraucht, wurde der Müller von einem Glöckchen darauf aufmerksam gemacht.

Früher gab es Mahl-Vorführungen in der Mühle. Doch darauf muss die Gemeinde momentan verzichten, da die Achse des Mühlrads gebrochen ist. „Aber das Glanzstück soll restauriert werden“, kündigt Backes-Burr an. Gerade für Kinder sei der Anblick immer toll gewesen, wenn das Wasser auf das Rad trifft und dann aufspritzt.

Von der Mahlstube aus geht es weiter ins Schlafzimmer. Ein kleiner Raum mit Schrank, Bett und zwei Wiegen. Viel mehr passt hier auch nicht rein. Aber, Moment mal ... Hier haben zwei Müller-Familien gelebt? Ganz schön eng. Für etwas Gemütlichkeit hat die eiserne Bettflasche, die mit Kohle befüllt werden konnte, gesorgt. In Sachen Schönheit liegt hier ein ungewöhnliches Gerät, das bei den Besuchern immer sehr beliebt sei. Was eher wie ein Arbeitsutensil anmutet, entpuppt sich als Lockenstab des 19. Jahrhunderts.

Im nächsten Raum geht es quasi um die Geschichte vom Flachs zum Leinen. Eine Sammlung von Heimatforscher Heinrich Schwingel ist hier zu sehen. Diese hat der Landkreis St. Wendel, der sich an den Betriebskosten des Museums beteiligt, zur Verfügung gestellt. Alte Fotos dokumentieren die Arbeit auf den Feldern. Auch stehen hier ein funktionstüchtiger Webstuhl und Spinnräder. „Einmal im Monat demonstriert Gerdi Besch das Spinnen in der guten Stube“, sagt Backes-Burr. Gerne möchte sie ihn Zukunft auch Webvorführungen ins Programm aufnehmen.

Seit mehr als 30 Jahren gibt es das Kreismühlenmuseum. „In dieser Zeit ist der Zuspruch in etwa gleich geblieben“, bilanziert die Kulturbeauftragte. Etwa 16 bis 17 000 Besucher kommen pro Jahr. Und das obwohl nur sonntags und an Feiertagen geöffnet ist. Hinzu kommen etwa 160 bis 170 Führungen. So könne man sagen, dass das Museum alle zwei Tage besichtigt wird. Die Gemeinde hat verschiedene Führungen im Angebot. Erstmals steht jetzt auch der Rundgang mit einem Gebärdendolmetscher an.

Ehe es wieder in den Hof des Mühlenensembles geht, macht Jutta Backes-Burr noch auf eine Handwerkerstube aufmerksam. Diese hat der Theleyer Ortsverein des Saarwaldvereins mit allerlei Gerätschaften eingerichtet, die von einstiger Handwerkskunst zeugen.

Immer wieder betreten Leute an diesem Vormittag den gegenüberliegenden Landgasthof zum Frühstücken. Das letzte Gebäude im Ensemble ist der so genannte Kleintierstall. Dort sind wechselnde Ausstellungen untergebracht. Aktuell (noch bis 12. Mai) präsentiert Helga Bernhard hier ihre Werke.

Blick auf die Johann Adams Mühle Theley. Foto: Evelyn Schneider Foto: Evelyn Schneider
Timo Groß demonstriert das Glöckchen am Getreidetrichter in der Mahlstube, das immer dann läutete, wenn Korn nachgefüllt werden musste. Foto: Evelyn Schneider
Webstuhl und Spinnräder gehören zur Ausstellung. Foto: Evelyn Schneider
So war die gute Stube damals eingerichtet. Foto: Evelyn Schneider
Der 200 Jahre alte Ofen in der Küche ist noch funktionstüchtig und kommt bei Brotback-Kursen zum Einsatz. Foto: Evelyn Schneider
Die Wärmflasche von einst auf dem Bettbezug. Foto: Evelyn Schneider

Für Backes-Burr macht diese Kombination aus Gastronomie, Museum und wechselnden Ausstellungen die Besonderheit der Johann-Adams-Mühle aus. „Die Leute können ihr Essen genießen und quasi als Dessert durch die Ausstellung flanieren“, so die Kulturbeauftragte. Durch die wechselnden Ausstellungen im Kleintierstall gebe es auch immer wieder neues zu sehen. So lohne sich ein mehrmaliger Besuch.