1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Zeitzeuge Kurt Keller zu Gast im Rathaus Homburg

Homburg : Ein Botschafter für den Frieden

Er war im Zweiten Weltkrieg in Sibirien und beim D-Day in der Normandie dabei, desertierte und wurde zum Tode verurteilt: Zeitzeuge Kurt K. Keller schilderte in Homburg seine Erlebnisse.

Kurt K. Keller aus Homburg ist Zeitzeuge eines Ereignisses, das viele Menschen nicht miterlebt haben und sich wohl auch kaum vorstellen können. 1942 meldete sich der damals 17-Jährige als Kriegsfreiwilliger und durchlebte schwere Kämpfe, Verluste und eine schmerzvolle Gefangenschaft in Sibirien. Auch beim so genannten D-Day im Juni 1944, als die Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg landeten, stand er an vorderster Front. Jetzt war er im Rathaus Homburg zu Gast.

Über seine Erlebnisse und die Erkenntnisse, die letztlich zum Umdenken, zur Desertation und somit auch zur Verurteilung zum Tode führten und ihn in Kriegsgefangenschaft brachten, hat Keller ein Buch geschrieben („Vom Omaha Beach bis Sibirien: Horror-Odyssee eines Deutschen Soldaten“). In zahlreichen Dokumentationen erzählt er seine Geschichte, und auch in Schulen klärt er die nachfolgenden Generationen auf und schildert, was er Unvorstellbares erlebt hat. So wurde er 1944 „wegen gemeinschaftlicher Fahnenflucht zur Todesstrafe verurteilt“, er verlor „die Wehrwürdigkeit und die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit“, wie in einem Dokument des Bundesarchivs nachzulesen ist. Die Vollstreckung des Urteils wurde „im Gnadenwege“ ausgesetzt, offiziell rehabilitiert wurde der einstige Deserteur der Wehrmacht Hitlers von der Bundesregierung erst im Jahr 1998. Im November 1949, mit nur noch 46 Kilogramm Körpergewicht, kehrte er zur Mutter heim. „Das war alles, wofür ich gekämpft und durchgehalten habe“, berichtete er von diesem emotionalen Moment auch bei seinem Besuch im Homburger Rathaus, wo ihn Bürgermeister Michael Forster sowie Vertreterinnen und Vertreter des Stadtrats empfingen.

„Ich finde es toll, dass Sie sich für den Frieden und die Völkerverständigung einsetzen“, begrüßte Bürgermeister Michael Forster den heute 93-jährigen Keller gemeinsam mit dessen Frau Gertrud und Tochter Andrea Hauck. Er hatte die Familie eingeladen, um dem Zeitzeugen zu danken, dass er „darüber berichtet, was damals war. Das ist wichtig und darf nicht in Vergessenheit geraten“, so Forster.

Als kleine Ehrung überreichte er Keller im Beisein von Vertretern des Stadtrats (CDU, Grünen, AfD und FWG) ein Buch über das Schloss Karlsberg und eine Flasche Bürgermeister-Wein. „Ich bin sehr stolz, heute hier zu sein und Anerkennung zu erfahren“, sagte Keller, der auch in Frankreich und den USA bereits mehrere Anerkennungen entgegennehmen durfte und zu vielen Festivitäten eingeladen wird. „Es bedeutet mir sehr viel, dass ich als Deutscher diese Ehrungen erhalten durfte“, erzählt Keller gerührt. Bei seinem Besuch im Rathaus zeigte er auch Bilder und einen Teil seiner Ehrenmedaillen, auf die er stolz ist.