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Zehntes Klassik-Open-Air mit dem Homburger Sinfonieochester auf dem Marktplatz

Klassik-Open-Air in Homburg : Klassikreise unter freiem Himmel

Auf eine anspruchsvolle fantastische Reise nahm das Homburger Sinfonieorchester sein Publikum beim Klassik-Open-Air auf dem Marktplatz mit.

Wenn es ein Prädikat war, das am Freitagabend beim nunmehr zehnten Klassik-Open-Air in vieler Munde war, dann war es „anspruchsvoll“. So bewerteten nicht wenige das, was das Homburger Sinfonieorchester unter der Leitung von Jonathan Kaell präsentieren wollte und sollte. Das große Leitthema: „Fantastische Reisen“. Reiseleiter Kaell hatte hier unter anderem mit der Ouvertüre aus dem Aschenbrödel-Fragment von Johann Strauß (Sohn), dem Harfenkonzert aus der Feder von Reinhold Glière, dem Monolog aus der Oper „Boris Godunow“ von Mussorgski und auch Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“ keine Pauschaltouristen-Tour zusammengestellt, sondern in Teilen eher etwas für den wirklich interessierten und eben auch anspruchsvollen Reisenden.

Den Auftakt der „Fantastischen Reisen“ machte Strauß’ Ouvertüre aus dessen letzter Komposition „Aschenbrödel“. Hier hinterließ der Komponist lediglich ein Fragment, wie Professor Holger Hettinger – er führte erneut routiniert durch den Abend – den Gästen auf dem komplett und darüber hinaus gefüllten Marktplatz nahe brachte. Diese Unvollendung habe auch dazu geführt, dass das Werk weitgehend unbekannt sei. „Übrig geblieben ist nur der erste Satz und ein bisschen was vom dritten. Wenn man sich diesen ersten Satz aber anhört, Sie hören gleich die Ouvetüre, dann denkt man sich: Schade.“ Immerhin, die Besucher des Konzertabends in der Homburger Altstadt konnten sich ein hörbares Bild davon machen, wie schade es wirklich war, dass es Strauß nicht vergönnt war, dieses Werk zu vollenden. Vollendet hingegen war das Harfenkonzert von Glière in jeder Hinsicht, als Solistin eben an der Harfe getragen von Verena Jochum. Glière, so Hettinger in seinen einleitenden Worte, habe sich in seinem Wirken ein bisschen der Moderne verschlossen, „es gibt Menschen, die darüber den Stab brechen“. Glières Weg habe aber seine Berechtigung, wenn man sich eher dem Romantischen und Schwärmerischen nahe sehe. Und ebenso schwärmerisch und poetisch zelebrierten Jochum und das Orchester das Harfenkonzert. Und eben Jochum sei für dieses Solobesetzung die allereste Wahl, war sich Hettinger sicher.

Einen Zeitsprung machten die „Fantastischen Reisen“ dann vor der Pause. Da standen bekannte Motive aus der filmischen Umsetzung der Harry-Potter-Romanreihe auf dem Programm, komponiert von John Williams. Hettinger selbst gestand ein, dass er Harry Potter nie gelesen habe. „Ich bin deswegen maximal inkompetent, Ihnen das nächste Stück anzusagen“, so der Musikchef von Deutschlandradio Kultur mit einem Augenzwinkern – über den Komponisten selbst könne er aber einiges erzählen, was er dann auch tat. So sei Williams ein hinreißender, witziger Mensch und „der wichtigste Filmkomponist überhaupt“. Mit dem auch für viele Nicht-Harry-Potter-Fans bekannten Thema aus Williams‘ Feder ging es dann in die Pause. Nach der konnten sich die Gäste des Abends dann noch auf Mussorgskis „Boris Godunov“ (hier der Monolog), Alexander Borodins Oper „Fürst Igor“ (hier die bekannten Polowetzer Tänze), Puccinis „Tosca“ (Das Te deum) und Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“ freuen. Solist im zweiten Teil des Abends war der niederländische Bassbariton Nico Wouterse.

Jonathan Kaell selbst beschrieb im Gespräch mit unserer Zeitung das Programm des Abends mit dem viel zitierten „anspruchsvoll. Wir haben uns natürlich für heute Abend einiges vorgenommen. Der ,Amerikaner in Paris‘ ist sehr schwer, ,Harry Potter‘ ist sehr schwer. Das Harfenkonzert ist sehr delikat und auch für die Technik eine große Herausforderung – eine Harfe entsprechend zu verstärken und das so hinzukriegen, damit das gut klingt. Und auch das Stück selbst ist heikel, ebenso wie die Ouvertüre von Strauß. Es gibt also nur wenige Momente, in denen man sich entspannt zurücklehnen kann.“ Und warum macht man es sich nicht einfacher? Kaell: „Man wählt ein Programm ja nicht aus Komfortgründen, man wählt ein Programm, weil es eine dramaturgische Stringenz haben muss, weil es wirken soll, weil es zusammen passen soll.“ Und was soll man sagen: Die Jubiläumsausgabe des Homburger Klassik-Open-Airs passte.