Kolumne apropos Der alte Meister auf dem Speicher

Ich habe eine Schwäche für Wohnzeitschriften. Nicht aus praktischen Erwägungen, denn ich habe darin noch nie etwas Brauchbares gefunden, was daran liegt, dass ich weder ein niederländisches Kolonialhaus in Südafrika noch eine Jugendstil-Villa in Barcelona restauriert habe.

 Kommentarkopf, Foto: Robby Lorenz

Kommentarkopf, Foto: Robby Lorenz

Foto: Robby Lorenz

Nein, ich fühle mich beim Lesen immer in eine tolle Welt katapultiert, die nur in der Fantasie des Magazins besteht. Der Trick besteht darin, dass einfach so getan wird, als sei alles selbstverständlich, was unbezahlbar und noch dazu erfunden ist. Kürzlich riet Deutschlands beliebtestes Wohnmagazin: „Es ist Zeit, die Ölschinken unserer Großeltern vom Dachboden zu holen und neu in Szene zu setzen. Denn die Stimmungen alter Gemälde wirken auch heute noch entrückend.“

Also, ich weiß ja nicht, wie viele vergessene Rembrandts und Watteaus bei der Autorin im Speicher verstauben, aber ich wette, dass sich in den allermeisten deutschen Haushalten dort oben eher ein röhrender Hirsch oder eine halbnackte Zigeunerin finden lassen, sofern diese „Ölschinken“ nicht schon vor Jahren beim Grillfeuer verheizt worden sind, was kein Verlust wäre.

 Aber egal, man tut einfach mal so, als wäre Deutschland ein Hort vergessener alter Meister, die auf alten Dachböden herumliegen, weil die Bevölkerung früher extrem wohlhabend war und kein Haus je im Krieg  zerstört wurde. Also, ich würde zu den nicht vorhandenen Rembrandts ein nicht vorhandenes Schloss vorschlagen, in dem man sich mit Einrichtungsexperten darüber austauscht, was man mit all dem Geld anfangen könnte, das man nicht hat.

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