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Woche für das Leben - Gespräch mit Hospizmitarbeiterin in Homburg

Woche für das Leben : Begegnung mit Menschen macht Freude

Vom 17. bis zum 24. April findet die Aktion „Woche für das Leben“ statt - unter Corona-Bedingungen.

Vom 17. bis zum 24. April findet die bundesweite Aktion „Woche für das Leben“ diesmal unter dem Motto „Leben im Sterben“ statt. Es geht hier um die Sorge um Schwerkranke und sterbende Menschen durch palliative und seelsorgliche Begleitung.

 Den zentralen Auftakt dieser ökumenischen Woche bildet die bundesweite Eröffnung am Samstag, 17. April, in Augsburg durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Die Woche für das Leben findet zum 26. Mal statt. Seit 1994 ist sie die ökumenische Initiative der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland zur Anerkennung der Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit des menschlichen Lebens in allen Phasen. Die Aktion, die immer zwei Wochen nach Karsamstag beginnt und eine Woche dauert, will jedes Jahr Menschen in Kirche und Gesellschaft für die Würde des menschlichen Lebens sensibilisieren. Wir haben uns im Saarpfalz-Kreis umgehört. Meta Lermann, die schon lange ehrenamtlich in der Hospizarbeit im Saarpfalz-Kreis tätig ist, hat dazu ein paar Fragen von Gabriele John-Neumann beantwortet.

Frau Lermann, was gefällt Ihnen an Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?

Meta Lermann: Sie hält mein Interesse wach, gib mir Leichtigkeit, lehrt mich genau hinzusehen und hinzuhören. Sterbende zu begleiten weckt die Ehrfurcht vorm Leben.

Außerdem tut es gut, wenn man spürt, dass das, was man macht, eine Wirkung hat. Wir haben keinen Zeitdruck. Es geht eben nicht darum immer schneller, immer mehr, immer perfekter, sondern es geht um Tiefe und um Begegnung.

Was gibt Ihnen die ehrenamtliche Tätigkeit?

Lermann: Spaß… ja, Sie haben richtig gehört. Die Begegnung mit Menschen macht mir Freude, man bekommt so viel zurück. Ich habe zum Beispiel mal ein Ehepaar begleitet. Sie waren wirklich arm und gebrechlich und allein auf der Welt. Durch Information und Beistand konnten wir einiges regeln und auch nicht nur finanzielle Hilfen installieren. Die Frau hatte so wunderschöne Zimmerlinden, die ich immer sehr bewunderte.

Eines Tages wollte sie mir unbedingt etwas zurückgeben, mich bezahlen. Aber das geht natürlich nicht. Wir können und wollen nichts annehmen im Ehrenamt. Das macht es den betreuten Menschen manchmal schwer ihre Dankbarkeit zu zeigen. Aber dann hatte die Frau eine Idee. „Ich schenke Ihnen einen Setzling meiner Zimmerlinden, ein kleines Dankeschön, können Sie mir nicht verwehren“.

Ja und ich habe diesen Setzling gut gehütet, er ist groß geworden und heute denke ich immer an sie, wenn ich mit meiner Zimmerlinde rede und manchmal gebe ich selbst einen Setzling weiter…

Haben Sie keine Angst vor Corona?

Lermann: Nein. Wir haben ein gutes Hygienekonzept, das den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Ergänzend würde ich durchaus auch ein paar Hausmittel empfehlen, Vitamin C, gurgeln, Nasenöl und ähnliches…

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Lermann: Nein, ich habe aber noch keine Lust zu sterben…

Einmal habe ich eine Frau begleitet, sie war sehr schwer krank. Wir feierten ihren 90 Geburtstag und dann stellte sich heraus, dass sie noch gar nicht so alt war – erst 88. Den Neunzigsten hat sie nicht mehr geschafft, aber gefeiert hatte sie ihn!

Sie hatte auch noch keine Lust zu sterben, als wir uns das erste Mal begegnet waren. Und dann ging es sogar wieder eine geraume Zeit lang bergauf und sie befürchtete, dass ich nicht mehr kommen könnte, weil sie ja nicht mehr sterbend war. Aber so ist das natürlich nicht. Wir sind froh, wenn wir ein bisschen länger Zeit haben, zum Kennenlernen, zum Geschichten austauschen und zum Gernhaben.

Haben Sie eine Empfehlung für Menschen, die ins Ehrenamt wollen?

Lermann: Ja: Trau dich! Lass dich ein, man erlebt Dankbarkeit, Sinn und Entschleunigung. Es lohnt sich, man lernt fürs eigene Leben und auch die Familie profitiert davon. Man wird sensibler für die leisen Töne und genießt mehr den Augenblick. Der so kostbar wird im Bewusstsein, dass wir endlich sind.

Und wenn Sie alles auf einen Nenner bringen müssten- gäbe es da eine Wort?

 In Corona-Zeiten ist es besonders schwierig, den Kontakt zu den alten Menschen aufrecht zu erhalten. 
In Corona-Zeiten ist es besonders schwierig, den Kontakt zu den alten Menschen aufrecht zu erhalten.  Foto: dpa/Radoslaw Czajkowski

Lermann: Ja…Zwischenmenschlichkeit!