Wirbel um verbauten Radweg am Enklerplatz in Homburg

Kostenpflichtiger Inhalt: Fahrradthemen beschäftigen Homburg : Verbauter Radweg sorgt für Wirbel

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club übt wegen der Maßnahme am Enklerplatz heftige Kritik an der Stadt und fordert eine sofortige Kehrtwende. Die Stadt prüft das. Derweil beantragen die Grünen im Stadtrat unter anderem Vorrang für Radfahrer auf speziellen Innenstadtstraßen.

Auch wenn das Wetter immer mehr gegen Outdoor-Aktivitäten spricht, steht das Thema Radwege gerade ganz oben auf der Homburger Agenda. Da hat gerade erst der Ständige Vergabeausschuss einstimmig entschieden, dass ein externer Verkehrsplaner für 35 000 bis 45 000 Euro ein Radwegekonzept für Homburg erstellen soll.  Wie die Stadt auf Nachfrage weiter berichtet, sei mit einem Zuschuss von Seiten des Landes zu rechnen, der bis zu 80 Prozent der Kosten betragen könne. Dieser werde nach Vorliegen aller Angebote gestellt. Über die Beauftragung werde der Vergabeausschuss voraussichtlich in seiner nächsten Sitzung entscheiden.

Dann wird das Thema auch im Stadtrat am kommenden Donnerstag, 24. Oktober, 17.30 Uhr, eine Rolle spielen. Nicht zuletzt gibt es ganz aktuell Zoff um den Radstreifen in der Talstraße entlang des Enklerplatzes, der vor kurzem provisorischen Parkplätzen weichen musste. Der Hintergrund: Die Stadt will damit vorbeugend einen Puffer für den Fall schaffen, dass der Enklerplatz irgendwann kostenpflichtig wird (wir berichteten).

Dafür wurde der parallel verlaufende Gehweg für den Radverkehr freigegeben. Was die Autofahrer und -parker freut, fuchst die Radfahrer – und zwar richtig. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) fordert die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung auf, den viel genutzten Radweg „sofort wieder in den alten Zustand zurückzuversetzen“.

Für Ute Kirchhoff vom ADFC Homburg und Fahrradbeauftragte des Homburger Stadtrates sei die Aktion der Verwaltung wie aus heiterem Himmel gekommen: „Da sitzen wir regelmäßig mit den Radlerfreunden, dem Radelkollektiv und der Stadt zusammen und überlegen gemeinsam, wie wir die Situation für den Radverkehr voranbringen können und dann erfolgt unabgesprochen das genaue Gegenteil – einer der wichtigsten Radwege Homburgs wird dem Autoverkehr geopfert“, echauffiert sie sich in der Mitteilung.

Auch ADFC-Landessprecher Thomas Fläschner zeigt sich darin entsetzt: „Überall im Saarland geht es voran, wenn auch oft langsam, aber das hier ist ein richtig harter Rückschlag. Man fragt sich, ob an den Verantwortlichen alle verkehrspolitischen Diskussionen der letzten Zeit komplett vorbeigegangen sind. Die Radfahrer zusammen mit den Fußgängern auf einem Weg von zwei Meter Breite für beide Richtungen zusammenzudrängen, widerspreche allen verkehrsplanerischen Regelwerken und sei deshalb ein „absolutes Unding“.

„Der Weg ist nicht nur für alle Radpendler, Schüler wie Erwachsene, aus Bruchhof und Sanddorf eine wichtige Strecke in die Innenstadt, dieser Radweg wird auch als Teil des überregionalen Saarland-Radweges und des Glan-Blies-Weges von Touristen genutzt“, ergänzt Andreas Ragoschke-Schumm (ADFC und Bündnis pro Fahrrad). „Tausendmal sinnvoller wäre es, den betroffenen Radweg zur Fahrbahn hin abzupollern. Homburg besäße dann den ersten geschützten Radfahrstreifen des Saarlandes“, so Fläschner. Mit solch einer Umgestaltung könne die Verwaltung Innovationskraft zeigen und nicht, wie leider jetzt, „totale Rückschrittlichkeit“.

Die Stadt weist angesichts dieser Kritik darauf hin, dass man ebenso wie der Rat seit längerem überlege, zusätzliche innenstadtnahe Parkflächen anzulegen – auch weggefallene Parkmöglichkeiten zu ersetzen und Flächen zu schaffen, die etwa bei Ausbesserungsarbeiten an bestehenden Parkplätzen genutzt werden können. „Frau Kirchhoff bekleidet die Funktion der Fahrradbeauftragten erst seit kurzer Zeit, daher fand in der zurückliegenden Planungsphase keine Abstimmung mit ihr statt“, schreibt Sprecher Jan Emser. Besagter Parkstreifen sei zunächst mit „durchaus einfachen Mitteln“ angelegt worden. „Dieses Vorgehen soll Gelegenheit bieten, die Auslastung und die Praktikabilität der Parkfläche an der Stelle festzustellen“, so Emser weiter. Und: Man habe hier einen „Nachbesserungsbedarf gesehen, sodass nun geprüft wird, inwiefern der Parkstreifen bestehen bleiben kann beziehungsweise Änderungen vorgenommen werden müssen“. Es könne noch nicht gesagt werden, ob der vorherige Zustand wieder hergestellt werde. Man nehme auch den Vorschlag des ADFC auf, den Radweg mit Pollern auszustatten. Denn die Stadt wolle ja die Radinfrastruktur weiter ausbauen und das Radfahren generell so komfortabel wie möglich zu gestalten“.

Das wollen auch die Grünen mit ihren Anträgen zur Stadtratssitzung. Mit ihnen wolle mit „nicht dem geplanten Radwegekonzept der Stadt Homburg vorgreifen, sondern kurzfristig kostengünstige Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit für Alltagsradler, Schüler und Studierende anstoßen“, schreibt Marc Piazolo.

 Konkret schlagen die Grünen als schnell umsetzbare Schritte unabhängig vom wohl jahrelang abzuarbeitenden Radverkehrskonzept vor, die Untere Allee, Obere Allee sowie die Kirrberger Straße jeweils in eine Fahrradstraße mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h umzuwidmen, sie für Autos und Lieferverkehr freizuhalten. Dann hätten Räder dort Vorfahrt. Diese Straßen seien gerade für Schüler und Studenten der Wohnheime wichtige Straßen. Zum anderen wollen die Grünen die Freigabe von Einbahnstraßen für Fahrräder gegen Fahrtrichtung überall dort, wo dies nach geltendem Recht möglich ist.

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