Wirbel um Aufkleber im Juz

St. Ingbert. Neben der schwelenden Auseinandersetzung mit der St. Ingberter Stadtverwaltung um den Umzug aus dem Gebäude in der Pfarrgasse auf die Alte Schmelz droht dem selbstverwalteten St. Ingberter Jugendzentrum weiteres Ungemach

St. Ingbert. Neben der schwelenden Auseinandersetzung mit der St. Ingberter Stadtverwaltung um den Umzug aus dem Gebäude in der Pfarrgasse auf die Alte Schmelz droht dem selbstverwalteten St. Ingberter Jugendzentrum weiteres Ungemach. CDU-Kreistagsmitglied Daniel Kempf aus Mandelbachtal hat im Kreis-Jugendhilfe-Ausschuss am Mittwochabend durchgesetzt, dass von den 7000 Euro, die im kommenden Jahr als Zuschuss für das St. Ingberter Juz geplant waren, 2000 Euro "eingefroren" werden. Die Entscheidung war mit 8:6 Stimmen denkbar knapp ausgefallen. Kempf hatte im Ausschuss das wiederholt, was er bereits am Dienstagnachmittag in Form einer umfangreichen Pressemitteilung an die Medien geschickt hatte. "In den großen städtischen Jugendzentren in St. Ingbert und Homburg werben extremistische und gewaltbereite Organisationen um neue Mitglieder," schrieb Kempf vorab auch an das Jugendamt des Saarpfalz-Kreises. Als Belege für seine Thesen dienen Kempf vor allem Aufkleber und Plakate, die er bei Besuchen in den beiden Jugendzentren gesehen hatte. Sie sollen belegen, dass im Juz Homburg zum Beispiel die "Antifa" (Sammelbegriff für linke, antifaschistische Organisationen), in St. Ingbert die "Rote Hilfe e.V." (eine linke, autonome Organisation) für ihre Anliegen werben. Kempf fordert mehr Aufklärung in den mit öffentlichen Mitteln geförderten Einrichtungen und ein klares Bekenntnis der Juz-Führungen gegen Gewalt und Extremismus gleich welcher Ausrichtung. In Sachen Aufklärung macht der Kreis-Jugendhilfe-Ausschuss zumindest in St. Ingbert jetzt Druck. Die "eingefrorenen" 2000 Euro Zuschuss werden, so der Leiter des Kreis-Jugendamtes Hans-Guido Ruffing, erst fließen, wenn das Juz entsprechende Angebote in sein Veranstaltungsprogramm aufnimmt.Der St. Ingberter Juz-Sprecher Timo Abel kann sich solche Veranstaltungen durchaus vorstellen, sofern die Vollversammlung dem zustimmt. Grundsätzlich kann er die CDU-Vorwürfe aber nicht nachvollziehen: "Wir sind eine offene Einrichtung. Fast täglich landen nun einmal irgendwelche Aufkleber oder Graffiti-Tags von Besuchern an den Wänden. Die können wir nicht alle sofort wieder beseitigen." Meinung

Brutstätten der Weltrevolution?

Wirbel um Aufkleber im Juz

Von SZ-RedakteurCarlo Schmude Die saarpfälzische CDU sorgt sich um linksextremistische Gefahren in den großen Jugendzentren des Kreises. Das Mandelbachtaler Kreistagsmitglied Daniel Kempf macht im Jugendhilfe-Ausschuss mächtig Druck. Am Tag einer fast seitenfüllenden Story in einem Boulevardblatt zieht der Blieskasteler Landtagsabgeordnete Günter Becker ebenfalls per Pressemitteilung nach und will die Sache im Januar gar im Innenausschuss des Landtages zum Thema machen. Angesichts der fast zahllosen Aufkleber, Graffiti-Tags und sonstiger "Kunstwerke" unterschiedlichster Zielrichtung zum Beispiel in und am Juz in St. Ingbert werden die Abgeordneten einiges zu recherchieren haben. Und die Zeit ist knapp: Schon am 7. Juni nächsten Jahres wird gewählt. Das Ergebnis könnte für den Steuerzahler teuer werden: Irgendjemand müsste nach jeder Veranstaltung das Juz nach winzigen Brutstätten der linken Weltrevolution durchsuchen. So weit wird es hoffentlich nicht kommen.