1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Projekte für Kinder und Jugendliche: Wie man Demokratie lernen kann

Projekte für Kinder und Jugendliche : Wie man Demokratie lernen kann

In unterschiedlichen Projekten sollen sich Menschen aller Altersstufen mit Demokratie beschäftigen. Geld dafür stellt die Bundesregierung bereit.

Politikverdrossenheit, Nichtwähler, allgemeines Desinteresse: Es sind Schlagworte, die gerade kurz vor Wahlen immer gerne aufflackern. Und dann steht schnell der Satz im Raum, dass speziell auch die Jugend der Demokratie verloren zu gehen scheint. Interesse an politischem Handeln zu wecken hat aber auch etwas mit Arbeit, mit Lernen zu tun - und zwar bereits in jungen Jahren. „Demokratie ist die einzige Herrschaftsform, die gelernt werden muss.“ Das sagen der Kreis-Jugendpfleger Ralf Dittgen und Fabian Müller vom Adolf-Bender-Zentrum im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Hintergrund: Kreis und Zentrum bieten im September eine Demokratie-Konferenz an (siehe Infokasten) - in Kooperation mit Juz United, dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien sowie dem Jugendserver-Saar an. Dahinter steckt das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, an dem auch der Saarpfalz-Kreis teilnimmt.

Wie das funktioniert? Der Bund gibt Geld in die Region, damit sollen möglichst vielfältige kleine Projekte, die wiederum unterschiedliche Zielgruppen erreichen, umgesetzt werden - und zwar im Rahmen dieser „Partnerschaft für Demokratie“, erläutern Dittgen und Müller. Wer eine Idee hat, kann Förderung beantragen. Wer diese erhält, darüber entscheidet dann ein Begleitausschuss, in dem ebenfalls wiederum Menschen sitzen, die aus unterschiedlichen Bereichen kommen von der Kreisverwaltung über Vertreter von Juz United bis zum BDKJ. Je nach Alter und Gruppe sehen die Projekte natürlich vollkommen anders aus.

„Lernen, wie Demokratie funktioniert, beginnt bei den ganz Kleinen“, machen die beiden klar. Da gehe es dann um Fragen, wie: Wie geht man grundlegend miteinander um, wie findet man einen Konsens? Werden die Kinder etwas älter, dann ändern sich natürlich auch die Angebote. Jugendliche etwa können Demokratie lernen, wenn sie beispielsweise ein selbstverwaltetes Jugendzentrum (Juz) eigenverantwortlich führen. Eine weitere Einrichtung für diese Altersgruppe: das Jugendforum, in dem Jugendliche ein eigenes Budget verwalten, mit dem sie wiederum Dinge umsetzen können, mit denen sie Jugendliche ihrer Zielgruppe erreichen. „Wir reden immer über junge Leute, man sollte aber mit den Jugendlichen arbeiten.“ Sie sind Experten für ihre  Zielgruppe. In Rheinland-Pfalz gebe es zum Beispiel Jugendgemeinderäte. „Wenn wir wollen, dass junge Leute später gute Demokraten sind, dann müssen sie auch die Erfahrung machen, dass ihre Stimme gehört wird.“

Umgesetzt wurde schon einiges in der Partnerschaft für Demokratie, immer getreu dem Motto „so breit gefächert wie möglich“: Ob es nun Angebote sind für Frauen mit Migrationshintergrund, für Jugendliche oder Grundschulkinder. Für Letztere gab es etwa ein Theaterprojekt. Bei „creative change“ spielen Schauspieler in der Schule typische Situationen nach, die den Kinder geläufig sind, mitten im Konflikt wird das Stück abgebrochen und gefragt: Wie könnte es weitergehen? Die Kinder werden mit ins Stück hineingenommen. Das sei sehr gut angekommen. Der Effekt sei extrem gut, man habe sehen können,was die Kinder an basisdemokratischem Verständnis verinnerlicht haben. Es gehe eben nicht nur um die Demokratie als Herrschaftsform, sondern auch als Lebensform. Gedacht sei das Projekt dabei durchaus auch für weiterführende Schulen.

 Kreis-Jugendpfleger Ralf Dittgen (links) und Fabian Müller vom Adolf-Bender-Zentrum setzen sich für das Projekt „Demokratie leben“ ein.
Kreis-Jugendpfleger Ralf Dittgen (links) und Fabian Müller vom Adolf-Bender-Zentrum setzen sich für das Projekt „Demokratie leben“ ein. Foto: Anika Bäcker

Bestandteil des Demokratieprogramms ist auch eine Demokratiekonferenz. Und genau die findet am 12. September statt. Sie richtet sich an Akteure aus den Bereichen Bildung, Jugend- und Sozialarbeit, Verwaltung sowie weitere Aktive und Interessierte im Rahmen der Partnerschaft. Zum einen sollen sich die Menschen dabei vernetzen, erläutern die beiden, zum anderen geht es darum, Anstöße dafür zu bekommen, was umsetzbar ist und wie man das konkret macht. Eingeladen dazu sind verschiedene Referenten, die dann zum Beispiel über Kinder und Politik sprechen werden, über die Grenzen, über selbstverwaltete Jugendtreffs. „Demokratie“, unterstreichen Dittgen und Müller, „geht uns alle an.“