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Wie Instrumentalunterricht in Coronazeiten auch online weitergehen kann

Zu Hause lernen in der Corona-Krise : Geigenstunde per Skype: durchaus möglich

Instrumentalunterricht kann auch mal online laufen, man braucht aber die passende Ausrüstung - ein Erfahrungsbericht

Schule zu, Sport weg, Freunde treffen nicht erlaubt, plötzlich Einzelkämpfer. Die Klassenkameraden, die Jungs vom Fußball, die Kumpels vom Leichtathletik und aus dem Orchester, die Freundinnen aus dem Ballett oder vom Turnen kann man derzeit nur noch online sehen, wenn überhaupt und wenn die technische Ausstattung passt. Aber am Handy virtuell zu chatten, gehört ja sowieso zur Lebenswelt der etwas älteren Kinder und Jugendlichen. Sie können endlose Stunden in Whats-App-Gruppen verbringen.

Die Woche hat keine Struktur mehr. Keinen Stundenplan. Ist heute Montag? Ne, Mittwoch. Aufgaben aus der Schule in Mathe, Deutsch, Englisch und anderen Fächern trudeln von den Lehrern jetzt zwar in beeindruckender Menge ein. Aber so ein Tag zu Hause ist lang. Und nur arbeiten? Das ist auch nicht die Antwort auf alle Fragen. Alleine üben darf man, aber so auf Dauer fehlen auch hier die Anregung und die Anleitung. Deswegen schicken Trainer nun Pläne, und Musiklehrer wagen den Schritt zum Online-Unterricht.

Vor ein paar Wochen war das für die meisten wohl noch maximale Zukunftsmusik.

Heute basteln wir an der passenden technischen Lösungen für die diversen Instrumentalstunden, Cello, Klavier und Geige in unserem Fall. Wo muss ein Laptop stehen, wie scheppert der Ton am wenigsten? Wie war nochmal mein Skype-Passwort? Wer stimmt die Streichinstrumente? Und geht die W-lan-Verbindung, die durchs Homeoffice sowieso schon stark beansprucht ist, dann nicht endgültig in die Knie? Vor der ersten Stunde muss erstmal ein bisschen mit dem Bildschirm gebastelt werden. Hilft’s die Box anzuschließen, funktioniert es mit dem Mikro, das sonst zur Kamera gehört? Wo muss das Ding stehen? Hocker ist doch zu niedrig für den Cellounterricht, also noch ein paar Bücher draufpacken. Klavier passt als Laptopplatz für die Geigenstunden. Schnell noch Krimskrams wegräumen, den nun wirklich keiner sehen muss – wenn alle zu Hause sind, tut das der Ordnung in der Wohnung nicht unbedingt gut. Und dann ist der Lehrer tatsächlich im Wohnzimmer. Der Sohn kann schon selbstständig stimmen, für die Feinarbeit hilft die Stimm-App auf dem Handy. Dann kann es losgehen. Klar, allein im Zimmer. Sonst steht man ja auch nicht daneben. Klappt eigentlich ganz gut. Noten kommen per Mail vorab oder danach, bei der Kleineren schickt die Lehrerin auch die Übaufgaben per Mail hinterher.

Und die Kinder? Nehmen’s gelassen, können sich sowieso besser auf Neues einstellen. Schwierig wird es bei der Klavierstunde. Die Lehrerin will die Finger auf den Tasten sehen. Von der Seite funktioniert das nicht gut, mit Büchertürmen scheitern wir auch. Dann die Lösung: Das Handy wird mit Gummis an einer breiten Nachttischlampe befestigt, die oben auf dem Klavier steht. Auch das klappt also.

Ist das alles eine Lösung für länger? Keine Ahnung. Aber verbindliche und längerfristige Pläne sind derzeit sowieso schwierig angesichts der Dynamik, mit der sich alles verändert. Im Moment ist es jedenfalls eine Möglichkeit – und keine schlechte, wenn nichts anderes geht. Und weil das so gut funktioniert, sind auch Oma und Opa wieder im Spiel, die jetzt ja nicht selbst kommen dürfen: Memory mit der Enkeltochter per Facetime oder Videoanruf zu spielen, klappt nämlich auch ziemlich gut.

Für die Klavierstunde per Handy und Videoanruf musste erst ein bisschen gebastelt werden. Foto: Saraiwanow

Und Freundinnen können so mal wieder ins Kinderzimmer zu Besuch kommen – wenn auch nur auf dem Bildschirm.