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Werke von Willi Spiess im Saalbau Homburg

Kunstausstellung : Vom ureigenen Bauhaus-Geist beseelt

Eine Ausstellung mit nie-gezeigten Werken des Homburger Künstlers Willi Spiess läuft derzeit im Saalbau.

Noch bis zum 14. April ist in der städtischen Galerie im Homburger Kulturzentrum Saalbau eine ganz besondere Ausstellung zu sehen: „Willi Spiess, Malerische Abstraktion – von der Figuration hin zum Informell“. Hinter diesem sperrigen Titel verbindet sich ein gut gewählter Einblick in das künstlerische Lebenswerk des 1997 in Altstadt verstorbenen Künstlers Willi Spiess.

Der Maler, geboren 1909 in Homburg, studierte von 1936 bis 1938 Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei den Professoren Georg Sieberts und Siegfried Cernis. Danach setzte er sein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart fort, unter anderem bei Hermann Mayrhofer. Den Weg zum Künstler „im Hauptberuf“ beschritt Spiess dabei erst 1934, zuvor hatte er ganz bodenständig eine Lehre zum Kaufmann absolviert.

Anlässlich der Vernissage in der vergangenen Woche rückte Kuratorin Françoise Mathis-Sandmaier Willi Spiess und sein Wirken inhaltlich in die Nähe des Weimarer Bauhauses. „Und hat die Stadt Homburg mit Willi Spiess auch keinen direkten Bauhaus-Schüler vorzuweisen, so doch einen von ureigenem Bauhaus-Geist Beseelten“. Mathis-Sandmaier begründete ihre Feststellung so: „Das Experimentelle, das Vielgestaltige, transnationale und radikal Zeitgemäße zeichnet auch das Spiess‘sche Schaffen aus.“ Von diesen Charaktereigenschaften im Werk des Künstlers Spiess kann man sich nun angesichts einer ganzen Reihe von Arbeiten selbst als Betrachter überzeugen.

Doch es gibt noch einen zweiten Zugang zum Werk von Spiess – über dessen Tochter Sibylle Spiess-Deckert, die Verwalterin des Nachlasses. „Für mich ist diese Ausstellung sehr bewegend. Zum einen durch die Auseinandersetzung mit der Kunst meines Vaters, zum anderen durch die Erkenntnis, wie weit er damals schon war.“ Der Bexbacher Künstler Peter Köcher fand mit der treffenden Formulierung „Das Alte, was man hier sieht, ist moderner als das Moderne von heute“ den Kern von Spiess‘ Wirken und bestätigte so auch das Ziel, das Sibylle Spiess-Deckert mit der Auswahl der nun im Saalbau zu sehenenden Werke im Sinn hatte. „Ich habe lange überlegt, was ich zeigen soll. In der Ausstellung sind viele Bilder, die bislang noch kein Mensch gesehen hat.“ Sie könne aus einem riesigen Fundus schöpfen. Das, was nun zu sehen sei, sei ein kleiner Ausschnitt. Und der beweist in der Tat, dass Willi Spiess in seinem künstlerischen Duktus seiner Zeit voran ging.

Gefragt, ob sie manchmal davor Angst habe, dass ihr Vater in Vergessenheit geraten könnte, gestand Spiess-Deckert ein: „Jetzt, nachdem die Ausstellung läuft, nach den ganzen Gesprächen, die geführt worden sind, auch mit Kunstkennern, muss ich sagen, dass ich vorher schon hätte mehr machen müssen.“ Hier habe es allerdings zeitliche Probleme gegeben. Nun aber gehe es weiter, versicherte die Künstler-Tochter. „Ich will versuchen, die Arbeiten meines Vaters nun öfter zu zeigen, egal wie, egal wo. Er muss in der heutigen Zeit präsent sein.“

Ganz persönlich wurde das Gespräch von Sibylle Spiess-Deckert mit unserer Zeitung, als es um den Blick der Tochter auf den Künstler und Vater ging. „Das ist ein schwieriges Thema. Ich bin mit dem Ganzen groß geworden, bin da hinein gewachsen, habe die Schritte des Vaters miterlebt. Ich war ihm als Person das Wichtigste. Aber im Vordergrund stand immer die Kunst.“ Dass sie damit oft an zweiter Stelle gestanden habe, dies könne sie aber nachvollziehen. So bedauere sie, dass Willi Spiess nicht länger in Paris geblieben sei (dort verbrachte er ein Jahr seines künstlerischen Wirkens), dass er sich da nicht habe etablieren können. „Er war auf einem sehr guten Weg. Hier im Saarland und in Homburg wurde er nicht so anerkannt, wie damals in Paris. Die informelle Malerei war hier im Saarland nicht Usus, weil es fremd war. Er war seiner Zeit voraus. Wenn er in Paris geblieben wäre und sich dort weiterentwickelt hätte, würde er vielleicht heute woanders stehen.“ Und was würde Willi Spiess zum Engagement seiner Tochter, gerade rund um die aktuelle Ausstellung, sagen? Hier zitierte Sibylle Spiess-Deckert ihre Mutter, auch sie Gast der Vernissage:„Wenn er Dich jetzt so sehen würde mit den Arbeiten, dann würde er Dir auf die Schulter klopfen und sagen ‚Schätzje, gut gemacht!‘.“