Wenn Musik ein Lebenswerk ehrt

Die „Johnny Cash Roadshow“ hat Europa im Sturm erobert. Am heutigen Mittwoch kommt die Show nach Homburg um 20 Uhr in den Saalbau. SZ-Redaktionsmitglied Jana Freiberger sprach mit dem englischen Sänger und Songwriter Clive John über seine musikalischen Anfänge, die Legende Johnny Cash und die Faszination der Show.

Auf welcher Gitarre spielen Sie bei Ihren Auftritten?

John: Ich spiele auf einer schwarzen Martin D-35. Das ist genau die gleiche Gitarre , auf der Johnny Cash während seiner letzten 20 Jahre gespielt hat. Auf meiner Gitarre ist eine Signatur von John Carter, Johnny Cashs Sohn.

Wie hat Ihre musikalische Karriere begonnen?

John: Im Alter von zwei Jahren verbrannte ich meine Hände ziemlich schlimm. Ich streckte meine Hände durch das Gitter eines alten Gasofens und griff an die Heizstäbe. Das Fleisch an meinen Fingern brannte bis zu den Gelenken weg. Danach musste ich mich einer Hautoperation unterziehen. Der Chirurg riet meinen Eltern, dass ich anfangen sollte, Klavier zu spielen. So sollten meine Finger beweglich bleiben. Das tat ich dann. Mit sechs Jahren tauschte ich das Piano gegen eine Gitarre ein und der Rest ist jetzt Geschichte. Musik gehört also schon fast mein ganzes Leben lang zu mir. Aber was ich einfach nicht kann, ist tanzen. Ich habe zwei linke Füße.

Wann haben Sie zum ersten Mal ein Lied von Johnny Cash gehört?

John: Meine Mutter ist Irin und sie hat mich mit seinen Liedern großgezogen. Als ich etwa fünf Jahre alt war, habe ich zum ersten Mal den Titel "A Thing Called Love" gehört.

Was fasziniert Sie an ihm?

John: Seine Lieder haben mehr Seele als die vieler anderer Künstler, sind viel echter. Außerdem mag ich das Düstere, seine Songs sind mysteriöser. Ich schätze auch die Vielfalt, es gibt wortwörtlich Tausende Werke. Johnny Cash hat mehr Lieder als jeder andere Sänger aufgenommen. Ich genieße auch die Tatsache, dass es nicht nur Country-Musik ist. Sondern Country, Folk und Rock'n' Roll. Diese Einflüsse sind in all seinen Liedern zu finden.

Das bezieht sich mehr auf seine Musik , was gefällt Ihnen an der Person?

John: Ich liebe die Person, die er war. Seine Lässigkeit und Männlichkeit. Er hat nie Wert auf Sex-Appeal oder Ähnliches gelegt. Auch seine Stimme und seine Einstellung gefallen mir sehr.

Wie kam es dazu, dass Sie anfingen, den sogenannten Man in Black zu imitieren?

John: Ich mag es nicht, zu sagen, dass ich ein "Tribute-Act" bin. Ich versuche nicht, Johnny Cash darzustellen. Ich spreche nicht mit einem amerikanischen Akzent. Meine Musik ist eher ein Fest, das sein Lebenswerk ehren soll. Das finde ich respektvoller. Viele Leute sagen, dass ich wie Johnny Cash aussehe und mich genau wie er anhöre. Aber das ist trotzdem einfach nur die Person, die ich eben bin. Ich bin ein Songwriter und habe schon viele eigene Lieder veröffentlicht. Aber die "Johnny Cash Roadshow" hat mittlerweile mein ganzes Leben eingenommen. Die Show hat mich über den ganzen Kontinent geschickt. Den ersten Auftritt als Johnny Cash hatte ich übrigens im Jahr 2005.

Wie würden Sie die "Johnny Cash Roadshow" beschreiben?

John: Als eine emotionale Achterbahn für alle, die ein Teil davon sind. Wir versuchen, so viele Lieder wie möglich in der Show zu präsentieren. Gewöhnlich sind das etwa 38 Songs. Das ist wirklich viel, aber man muss dazu sagen, dass wir einige davon als Medley spielen.

Was macht Johnny Cash Ihrer Meinung nach zur Legende?

John: Ich denke nicht, dass seine Aura oder seine Musik jemals in Vergessenheit geraten werden. Denn seine Karriere hat sich über fünf Jahrzehnte erstreckt und in dieser Zeit machte er so vieles. Songs, die es an die Spitze der Pop-, Country- und Gospel-Charts geschafft haben sowie verschiedene Filme. Ich kann nicht erkennen, wie fünf Jahrzehnte voller harter Arbeit und voll von Menschen, die ihn verehrt haben, einfach verschwinden könnten. An den meisten Abenden kommt jemand aus unserem Publikum zu uns und erzählt, dass er Johnny Cash wirklich mal gesehen hat. Außerdem hat er sich mit den Gefängnis-Shows unvergesslich gemacht. Ich kann mir keinen anderen Künstler vorstellen, der vor einer Gruppe von Häftlingen singt. Ich glaube nicht, dass Elvis oder die Bee Gees das getan hätten. Und natürlich hatte er drei Jahre lang seine eigene Fernsehsendung. Auch auf diesem Weg hat er zu vielen Menschen gesprochen.

Konnten Sie ihn persönlich kennenlernen?

John: Nein. Aber seine Enkeltochter, als wir einen Auftritt außerhalb von Manchester hatten. Ich machte mich gerade fertig für meinen Auftritt, da kam der Manager des Veranstaltungsortes runter in den Ankleideraum. Er sagte, da sei eine Frau Anfang 30 im Büro mit einem starken südländischen Akzent. Sie behaupte, dass sie Johnny Cashs Enkeltochter sei und sich gerne die Show ansehen würde. Ich dachte, dass mich jemand auf den Arm nehmen möchte. Aber ich stimmte trotzdem zu. Nachdem alles vorbei war, traf ich sie. Und sie sagte: "Oh mein Gott, du bist genau wie mein Großvater!" Das war großartig. Seit diesem Tag schreibt sie mir manchmal. Eines Tages erzählte sie, dass sie ein Bild von mir ihrer Mutter gezeigt hat, Cashs älteste Tochter. Und sie habe gesagt, dass die Ähnlichkeit unverkennbar sei. Aber angeblich hat sie noch hinzugefügt, dass ich so aussehe wie er, kurz bevor er starb.

Sie sind momentan häufig auf Tour,. . .

John: Ja, wir sind gerade zurück aus Schweden. Dort war es verdammt kalt. Davor waren wir in Schottland und hatten drei Auftritte im United Kingdom. Und am Freitag machen wir uns auf den Weg nach Deutschland.

. . . wie kriegen Sie das Reisen mit Ihrer Familie unter einen Hut?

John: Sie akzeptieren das. Außerdem zahle ich für alles, die geben mein ganzes Geld aus. So funktioniert das. Mein ältester Sohn ist elf, der mittlere ist neun und meine kleine Tochter ist erst zwei Jahre alt. Sie sind zu jung, um mit mir zu reisen. Das ist manchmal schwierig. Ich vermisse sie sehr.

Warum sollten die Merziger am Sonntag in die Stadthalle kommen?

John: Weil unsere Show einfach sehr gut ist. Ich würde nicht sagen, dass es die beste Show der Welt ist. Auch wenn ich denke, dass es so ist. Aber unsere Performance strotzt vor Energie. Gegen Ende ist es mehr eine Rock'n'Roll-Show. Wer ein Fan von Johnny Cash ist, dem würde ich einen Besuch sehr ans Herz legen. Das ist einer unserer ersten Auftritte in Deutschland. Wir waren bis jetzt häufig in Belgien und Skandinavien und natürlich überall im United Kingdom, aber bis jetzt noch nie in Deutschland. Die Leute in Merzig werden mit die ersten deutschlandweit sein, die uns zuschauen können.

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Auf einen blick Die "Johnny Cash Roadshow" ist am heutigen Mittwoch, 2. November, 20 Uhr, im Homburger Saalbau zu sehen. Karten gibt's im Vorverkauf ab 34,40 Euro inklusive aller Gebühren (erhöhte Abendkassenpreise) in Homburg im Amt für Kultur und Tourismus (Rathaus), Infopunkt im Globus, Kreis-Anzeiger, in allen Servicecentren von Wochenspiegel/Die Woch und Saarbrücker Zeitung sowie in allen bekannten Vorverkaufsstellen. red kultopolis.com

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