Buchvorstellung: Wenn Ilse vom Leben in Limbach erzählt

Buchvorstellung : Wenn Ilse vom Leben in Limbach erzählt

Der neue Band der Reihe „Museum der Erinnerung“ beleuchtet Brauchtum und Feste – am Beispiel von Limbach.

„Komm hinne romm!“ lautet der Titel eines neuen Buches in  der Reihe „Museum der Erinnerung“ der Stiftung für Kultur und Umwelt der Kreissparkasse Saarpfalz in Homburg. Der erste Band handelte von Erinnerungen an die Hohenburgschule, der zweite vom Alltag der Bergleute und der dritte vom Leben und Arbeiten im Bliesgau. Nun also geht es um das Brauchtum in unserer Gegend.

„Komm hinne romm!“, so sagt man in Limbach zu den Leuten, die man kennt, wenn sie einen besuchen wollen. „Vorne an der Haustür klingeln nur fremde Leute“, erklärte die Kunsthistorikerin Jutta Schwan bei der Vorstellung des Buches in den Räumen der Kreissparkasse am Montagabend. Eigentlich hatten sie und Mit-Autorin Carola Stahl vorgehabt, einen Band über das gesamte Brauchtum des Saarpfalz-Kreises zu erstellen. Dann aber habe man schnell festgestellt, dass fast jede Gemeinde ein unterschiedliches Brauchtum pflegt, sodass man übereingekommen war, sich nur ein einzelnes Dorf exemplarisch herauszupicken – nämlich Limbach.

Kontakte zu Seniorinnen wurden geknüpft, ein Erzählkreis alle 14 Tage durchgeführt. Die Schilderungen der vier Limbacher Frauen Luise Grub, Lore Hilpert, Lucie von Lutz und Margot Weis wurden von den Autorinnen zu der fiktiven Lebensgeschichte einer 1932 geborenen Frau namens Ilse verarbeitet. Alte Fotos, Zeitungsartikel, Reklame oder die Liste aller Geschäfte, die es einst im Dorf gab, komplettieren die Erzählung, die natürlich Brauchtum wie die Kerb, den Pfingstquack oder bestimmte Kinderspiele abhandelt. An dieser Stelle darf Manuela Osterburg, die auch Zeichnungen beisteuerte, gelobt werden für die gelungene grafische Gestaltung des Buches. Aber auch religiöse Traditionen wie Konfirmation, Hochzeit und Taufe spielen eine große Rolle im Band, der ab jetzt in allen Filialen der Kreissparkasse für 15 Euro erhältlich ist.

Lob gab es von Landrat Theophil Gallo, insbesondere an die vier Limbacher Seniorinnen: „Da haben Sie, meine Damen, einen wichtigen Beitrag geleistet, mit dem wir, auf gut saarländisch gesagt, ‚gut strunze kenne‘.“ Brauchtum war es auch, das das Erscheinen von Limbachs Bürgermeister Frank John in der Geschäftsstelle verhinderte: Denn ausgerechnet zur Buchvorstellung war in Limbach Kerb, dort konnte John natürlich nicht fehlen. Sparkassendirektor Ralph Marx zeigte in seiner Ansprache dafür vollstes Verständnis. Dass man in Limbach dennoch an die Buchvorstellung dachte, zeigte sich in einem Kerwestrauß, der Marx überreicht wurde. Das Buch selbst fand Eingang in die Kerweredd der Limbacher Straußjugend. Jutta Schwan ging darauf ein in einem gelungenen selbst verfassten Mundart-Gedicht, unter anderem mit diesen Zeilen: „Im gereimde Schema / war aach das Buch do geschda Thema. Iwwers Buch selwa han se rischdisch freundlisch geschwätzt / Nur mi’m Termin, Kerwemonda, do drüwwer han se geätzt.“

Die Inhalte des Buches sollen im nächsten März im Theobald-Hock-Haus in einer Ausstellung zusammengefasst werden, so lange soll auch der Gesprächskreis fortgeführt werden. An historischen Gegenständen wird es dabei nicht fehlen. „Ein richtiges Museum habe ich zuhause“, erzählte eine der vier „Ilsen“, Margot Weis. Für die Ausstellung müsse sie noch mal den  gesamten Speicher inspizieren. Zum Erzählkreis hatte sie schon einiges daraus mitgebracht, etwa ihren eigenen Brautkranz und sogar den ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Kunsthistorikerin Schwan lobte außerdem die „tolle Gesprächsdisziplin“ ihrer Ansprechpartnerinnen: „Wenn man jetzt denkt, wir hätten uns zu einem gemütlichen Kaffeekränzchen getroffen, wäre das weit gefehlt.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung