Jägersburger Strandfest: Wenn die Atmosphäre den Regen schlägt

Jägersburger Strandfest : Wenn die Atmosphäre den Regen schlägt

Statt sommerlicher Romantik gab es beim Jägersburger Strandfest vor allem nasse Füße. Die Gäste ließ das aber kalt.

Der Wetterbericht ließ schon vorher nichts Gutes ahnen: Das 79. Jägersburger Strandfest hatte zumindest am Freitag und am Samstag herbstliches Wetter zu beklagen. Der romantische Weg am Schlossweiher entlang, links und rechts mit diversen Ständen versehen, wies am Samstagabend leider einige Pfützen auf, denen die Besucher ausweichen mussten. Einer der Organisatoren, Achim Müller vom Homburger Kulturamt, sagte, dass das Fest am Freitag trotz wenig idealen Wetters doch recht gut besucht gewesen sei; am Samstag aber habe es den ganzen Tag lang geregnet. „Wenn es zwischen sechs und acht regnet, gehen die Leute erst gar nicht weg“, betonte Müller, der darauf hinwies, welches Glück das Kulturamt mit dem sonnigen Maifest gehabt habe - jetzt sei es eben umgekehrt. Aber am Sonntag zeigte sich Petrus ja schon besserer Laune.

Auch wenn die Musik laut Müller beim Strandfest mehr im Hintergrund stehe, hatte man mit Black Stuff aus der Rhein-Neckar-Region eine tolle Hauptband verpflichtet, die von James Brown bis Stevie Wonder das Beste aus Soul, Funk und R ’n’ B im Repertoire hatte. Auch nicht schlecht: Das saarländische Akustik-Trio MEP-Live, bei dem Sänger und Gitarrist Mario Scheufler mit Songs von Sting oder Frank Sinatra scheinbar spielend leicht zurechtkam.
Vanessa Drexler und Tamara Weingart aus Contwig ließen sich vom Regen nicht beeindrucken: „Das Strandfest ist doch nur einmal im Jahr! Es ist hier anders als auf einer Kerb, viel entspannter“, meinte Vanessa, und Tamara stimmte ihr zu: „Hier liegt alles nicht so eng aufeinander. Außerdem trifft man immer jemanden, den man kennt. Und man hockt hier so nett am Wasser.“ Holger Klemenz aus Waldmohr sagte, er sei „definitiv aus Tradition“ hergekommen. „Das Strandfest ohne mich geht gar nicht! Da kann es regnen, wie es will.“ Natürlich fand er es traurig, dass so wenig los war am Samstagabend. „Es sind drumherum zu viele Feste - das Wetter kommt dann noch dazu“, meinte Klemenz, der schon seit 47 Jahren zum Strandfest geht. Seine Frau schätzte besonders die Atmosphäre des Festes. Außerdem kenne man es schon seit Kindheitstagen.
Für die Anbieter von Ständen war das Fest natürlich am Samstagabend ein Reinfall. Dennoch lobten viele den Freitagabend. Etwa Jeannette Wilhelm, die mit „Baumstriezel“ und „Lángos“ zwei ungarische Backspezialitäten anbot. „Gestern Abend war es trocken, da war es gut“, sagte sie, ehe sie von ihrem Kollegen unterbrochen wurde, der spaßeshalber meinte, er müsse demnächst Hartz Vier anmelden, wenn es hier so weiterginge mit dem Wetter. Ebenfalls eine seltene Teigspezialität bot Markus Lasarsch aus Landstuhl an, den „Funnel Cake“. Das sei der Name eines Pfälzer Gebäcks namens Kringelfritz oder auch Strauben genannt. „Mein Schwager hat das in Amerika entdeckt und dann hier wieder ins Leben gerufen“, erzählte Lasarsch. Den Funnel Cake mache er schon seit 1992 aus einem Brandteig, der aus Mehl, Trockenei und Milch bestehe. Außergewöhnlich war auch die Idee des „Dosenschnaps“, angeboten am Stand von Ingo Kuhn. Wie eine Fischkonserve aussehend, beinhalteten die vier Zentiliter großen Blechgefäße Hochprozentiges und eine passende Frucht. Kuhn hatte das schon beim Maifest verkauft: „Da war es fast schon zu heiß, hier ist es jetzt das Gegenteil.“