Wenn der Saarländer hollt

Vergangene Woche hatten wir an dieser Stelle die auswärtigen Medizin-Studenten mit Tipps zum richtigen Verhalten im Saarland begrüßt. Nun haben wir uns entschlossen, einen zweiten Teil folgen zu lassen. Also, liebe Erstis aus dem Reich, versucht in den ersten Wochen in Homburg noch nicht, euch mit einem Saarländer fürs Wochenende zu verabreden. Ihre werdet sonst enttäuscht sein, denn da fährt der Saarländer "hemm" : Nach Wallerfangen-Kerlingen, Hixberg-Pflugscheid oder Bliesmengen-Bolchen. Dort versinkt er von Freitag bis Montag in einem Sumpf saarländischer Vereinsmeiereien, aus denen Ihr niemals schlau werdet. Nehmt es nicht persönlich, Ihr könnt trotzdem gute Freunde werden. Verabredet euch in der Zeit also besser mit ebenfalls nach Homburg zwangsverschickten Erstis und wartet, bis der Ursaarländer von selbst wieder auftaucht. Lästert nie über das Saarland. Die Saarländer sind stolz darauf. Warum, weiß kein Mensch, aber wenn Ihr in Homburg überleben wollt, müsst Ihr das akzeptieren. Lästert nie vor einem Saarländer über andere Saarländer. Die kennen sich alle! Beim ersten Kontakt mit Patienten lasst euch nicht von dem Wort "holle" (holen) irritieren. Der Saarländer nimmt nicht, er holt. Er holt Tabletten ein, er kriegt Blut geholt und wenn er depressiv ist, holt er sich das Leben. Aber das ist nur symbolisch gemeint. "Olegg, ich hädd mir beinägscht es Läwe geholl" heißt etwa: "Meine Güte, war das eine SauArbeit." Nur eines ist es nicht: Ein Fall für die Intensiv-Station.

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