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Essbares Klinikum am UKS: Weniger Gemüse, dafür mehr Blumen

Essbares Klinikum am UKS : Weniger Gemüse, dafür mehr Blumen

Auf dem Gelände des Uniklinikums findet man zwar immer noch Essbares, aber Gemüsepflanzen machen sich rar.

Erst zögern die Besucher, obwohl die Erdbeeren so köstlich rot leuchten. Darf man die überhaupt pflücken - oder nicht? Auf dem  Gelände um die Kinderklinik fragen die Kleinen nicht lange, sie stopfen sich die reifen roten Früchte in den Mund und sind begeistert. So soll es auch sein, wenn es nach Oliver Werner geht. Er ist der Leiter der Grünflächenabteilung für das Gelände am Uniklinikum und hat vor drei   Jahren das Konzept „Essbares Klinikum“ eingeführt.

Das Uniklinikum in Homburg war 2014 die erste Klinik Deutschlands, die diese schöne Idee in die Tat umgesetzt hat.  Entstanden sei die Aktion in einem eigenen Bauerngarten an der Gärtnerei, erklärte Oliver Werner: „Wir haben schon 2008 in unserer Gärtnerei Gemüse angebaut, das die Mitarbeiter der Grünflächenabteilung für sich ernten konnten. So sind wir auf die Idee gekommen, diese Aktion aufs ganze Klinikgelände auszuweiten.“

Die Resonanz auf die Bepflanzung mit jährlich über 1000 Gemüsepflanzen auf dem Gelände war in den vergangenen drei Jahren  hervorragend, auch ist immer alles, was reif war, abgeerntet worden, vor allem die Erdbeeren.

Einer der Gründe für die Beliebtheit der essbaren Pflanzen sei, dass keinerlei chemischer Pflanzenschutz oder synthetische Düngemittel verwendet würden, sagt Werner. So konnten auch die Kinder die Beeren bedenkenlos in den Mund stecken. „Am begehrtesten waren immer die kleinen Kirschtomaten an der Mensa, die von den Mensa-Besuchern gleich vor Ort verputzt wurden – und natürlich die Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren an der Kinderklinik, die von den Kindern schnell entdeckt werden,“ erläutert Werner.

Doch so schön auch ein „Essbares Klinikum“ sein mag, der Aufwand dafür lasse sich kaum aufrecht erhalten, deshalb sei in diesem Jahr die Pflanzung von Gemüse deutlich zurück gegangen: „Wir können uns dieses Projekt nur noch an Schwerpunkten leisten, aber nicht mehr überall auf dem Gelände“, erklärt der Leiter der Grünflächenabteilung, „der Aufwand fürs Gießen war kaum noch zu leisten.“

Der Grund ist nicht zuletzt der sandige Waldboden, für den Homburg und seine Umgegend ohnehin bekannt ist (Sandsteinhöhlen, Ortsnamen wie Sanddorf) und der es nötig machte, die Gemüsepflanzen ständig zu pflegen und mehrmals täglich mit Wasser zu versorgen. „Deshalb sind wir umgeschwenkt auf mehr Staudengärten und Blühpflanzen, die unseren Hummeln und Bienen als Nahrung dienen können“, erklärt  Werner.

Allerdings wollte man den Kindern die Früchte nicht wegnehmen und hat um die Frauen- und Kinderklinik weiterhin Erdbeeren angepflanzt. Die Himbeeren, Johannis- und Brombeeren, die auch dort wachsen,  brauchten keine allzu große Pflege mehr, „die kommen  von alleine.“ Die Gemüsepflanzen seien nicht völliig vom Gelände  verschwunden, „aber sie sind nur noch in einigen Bereichen anzutreffen.“ Zum Beispiel am Eingang, da könne man sich noch Salat, Mangold und Kohlköpfe abschneiden.

Ein weiterer Punkt, der zu beachten sei: „Wir bekommen immer mehr neue Einrichtungen, die entsprechend gepflegt werden müssen.“ Dazu gehöre beispielsweise die neue Palliativstation im Gebäude 69, für dessen „Gärtchen“ sich die Grünflächenabteilung besonders viel Mühe gegeben hat: „Wir haben als Leitpflanze den Mohn, der den Schlaf symbolisiert, flankiert von   Kräutern, Stauden und Kletterrosen.“

Weitere  Schwerpunkte sind  die Bepflanzung an der  Klinikumskapelle und um den Eingangsbereich des Personalcasinos. „Das erfreut die Besucher und sieht schön aus“. Dass es die vielen Gemüsepflanzen nicht mehr gibt, habe bei einigen Mitarbeitern und bei Studenten für Enttäuschung gesorgt: „ Wir haben jedes Jahr bis zu 1000 Gemüsepflanzen gesetzt. Aber das ist einfach nicht mehr zu leisten.“ Was ein wenig für den Verlust entschädigt, ist der Bauerngarten auf dem Gärtnerei-Gelände, der noch üppig bestückt ist, und die Obstbäume, die auf dem Gelände verteilt sind und deren Früchte geerntet werden können. Was schlägt Oliver Werner vor, wenn man sich auf dem weitläufigen Gelände des Uniklinikums über Pflanzen und Gartenkultur informieren möchte?  „Besonders schön und idyllisch ist die Gestaltung um den Jugendstil-Brunnen hinter Gebäude 11, also hinter dem Verwaltungsgebäude am Eingang zum Campus.“ Der Brunnen stammt aus der Zeit um 1909/1910 und ist ein Relikt aus der Entstehungszeit des Klinikums als „Pfälzische Heil- und Pflegeanstalt“. Er führte lange ein Schattendasein im „Hinterhof“, ist  aber nach der Restaurierung und Bepflanzung ein besonders schönes künstlerisches Beispiel aus der Zeit des Übergangs vom verspielten Jugendstil zum strengeren Art Déco.

Essbares Klinikum in Homburg: Schon am Eingang zum Gelände wächst Gemüse, das man auch ernten darf. Aber die Gemüsepflanzen wurden reduziert, der Aufwand war zu groß geworden.  Foto: Christine Maack

Idyllisch sei es um die Klinikkirche herum, wo besonders viele schöne Rosen wachsen. Eine gute Tradition, die zum einen auf die Lutherrose zurückführe, „aber natürlich auch das Herz der Katholiken erfreut“.