Insgesamt schon über 50 Fachkräfte aus Mittelamerika Uniklinikum in Homburg begrüßt 16 neue Pflegekräfte aus Mexiko

Homburg · 16 weitere Pflegekräfte aus Mexiko haben sich für eine Zukunft im Saarland entschieden und unterstützen jetzt die Arbeit am Uniklinikum in Homburg. Was sie dazu gebracht hat, sich für ein neues Leben in Deutschland zu entscheiden.

Für 16 Pflegefachkräfte aus Mexiko begann am Montagabend am Universitätsklinikum Homburg ein neuer Lebensabschnitt. Sie sollen helfen, dem Fachkräftemangel in der Pflege Herr zu werden. Foto: Thorsten Wolf

Für 16 Pflegefachkräfte aus Mexiko begann am Montagabend am Universitätsklinikum Homburg ein neuer Lebensabschnitt. Sie sollen helfen, dem Fachkräftemangel in der Pflege Herr zu werden. Foto: Thorsten Wolf

Foto: Thorsten Wolf

Es vergeht kaum eine Woche, in denen die Personalnot in der Pflege Thema in den Medien ist. Und in jüngster Zeit wird auch immer wieder öffentlich diskutiert, wie ausländische Fachkräfte, nicht nur in Bereich eben der Pflege, in Deutschland heimisch werden können. Im Saarland läuft hier schon seit 2020 ein ganz erfolgreiches Projekt. Damals kamen auf Initiative des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg (UKS) und des Klinikums Saarbrücken die ersten Pflegekräfte aus Mexiko ins Saarland und nach Homburg. Eine zweite Gruppe folgte im Frühjahr 2022 (wir berichteten).

Mexikanische Pflegekräfte werden im Saarland intensiv unterstützt

Damit waren es zu diesem Zeitpunkt schon 40 Pflegefachkräfte, die sich für eine berufliche Perspektive im Saarland entschieden hatten. Am Montagabend nun gab es ein großes Willkommen für weitere 16 neue Kolleginnen und Kollegen – nach einem langen und verspätetem Flug und einer Busfahrt vom Flughafen Frankfurt bis ans Studentenwohnheim des UKS am Warburgring. „Wir freuen uns sehr über die neuen Kolleginnen und Kollegen, die sich in Mexiko bereits intensiv auf ihren Einsatz in Deutschland vorbereitet und auch erfolgreich die B1-Sprachprüfung bestanden haben“, hatte Christian Müller, Leiter des Personaldezernats am UKS, schon vorab erklärt. Sein Team werde die Mexikanerinnen und Mexikaner in den nächsten zwei Wochen intensiv begleiten und unterstützen, zum Beispiel bei der Anmeldung im Rathaus, bei der Eröffnung eines Bankkontos und bei diversen anderen Formalitäten. Auf dem Programm stünden außerdem eine kleine Stadtführung und erste Workshops am UKS.

 Nach langem und verspätetem Flug aus Mexiko und einer Busfahrt vom Flughafen Frankfurt stand am Montag erstmal „Ankommen“ auf dem Programm. Foto: Thorsten Wolf

Nach langem und verspätetem Flug aus Mexiko und einer Busfahrt vom Flughafen Frankfurt stand am Montag erstmal „Ankommen“ auf dem Programm. Foto: Thorsten Wolf

Foto: Thorsten Wolf

Doch natürlich soll es in den nächsten Wochen und Monaten vor allem auch um die sprachliche und fachliche Anpassung der neuen Pflegekräfte an die neue Heimat gehen. So startet am 24. Juli ein achtwöchiger Intensivsprachkurs, der nahtlos an das in Mexiko bereits begonnene Sprachtraining anschließen soll. Mitte September folgt dann der Einsatz auf den Stationen des UKS als tarifgebundene „Pflegekraft in Anerkennung“, immer im Wechsel mit dem Sprachkurs. Und im Frühjahr 2024 werden die Ersten dann voraussichtlich, so die Planungen des UKS, die B2-Sprachprüfung und auch die Kenntnisprüfung erfolgreich bestanden haben und als „examinierte Pflegefachkräfte“ zum Einsatz kommen. Soweit das UKS zu dem, was in den kommenden Monaten auf die neuen Fachkräfte an Aus- und Weiterbildung zukommt.

Warum sich Gabriela Vasquez für die Ausreise entschieden hat

Vor Ort herrschte am Montagabend aber erstmal die Freude über ein gelungenes Ankommen in der neuen Heimat. Unter denen, die sich für eine Zukunft im Saarland entschieden haben, war da auch Gabriela Vasquez. Warum hat sie sich für den langen Weg aus Mexiko nach Deutschland entschieden? „Ich interessiere mich für den Bereich Anästhesie“, erklärte Vasquez in gutem Deutsch. „Leider kann ich das in Mexiko nicht machen. Deswegen freue ich mich, hier neue Ziele zu erreichen und in der Anästhesie-Abteilung zu arbeiten.“ Die Antwort der Mexikanerin machte da schon klar, dass das Anwerben von Fachkräften in dem mittelamerikanischen Land durchaus eine Win-win-Situation für beide Seiten ist.

 So interessant und anspruchsvoll die Arbeit in der Pflege oft auch ist, Nachwuchs findet sich Jahr um Jahr zunehmend schwerer. Foto: Thorsten Wolf

So interessant und anspruchsvoll die Arbeit in der Pflege oft auch ist, Nachwuchs findet sich Jahr um Jahr zunehmend schwerer. Foto: Thorsten Wolf

Foto: Thorsten Wolf

Damit schon der erste Kontakt einer ist, an den sich die neuen Mitarbeiter aus Mexiko gerne erinnern, waren natürlich auch Verantwortliche des UKS am Montag in Frankfurt vor Ort, konkret Claudia Knobloch, zuständig für die Personalwerbung und das Talentmanagement, und der stellvertretende Personalleiter Alexander Quartz. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterten beide, wie man erfolgreich ein solches Projekt verwirklichen kann. Und das Stichwort hier: gelingende Integration.

Doch ist das Anwerben von Fachkräften grundsätzlich die richtige Lösung für das Problem Fachkräftemangel? Alexander Quartz: „Ich glaube, es ist im Moment die einzige Lösung, die es gibt. Der Arbeitsmarkt ist innerdeutsch so leer, dass wir darauf angewiesen sind, Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren.“ In Mexiko hätte man in den vergangenen zwei Jahren da sehr gute Erfahrungen gesammelt. „Wir wollen dieses Projekt deswegen auch dauerhaft fortsetzen – um den Arbeitsmarkt mit Pflegekräften aufzubauen.“ Eine große Herausforderung sei es da, Bedingungen zu schaffen, um die neuen Fachkräfte in Deutschland und natürlich in Homburg zu halten. Dazu suche man einen engen Kontakt zu den Pflegekräften aus Mexiko. Quartz nannte am Montag das Ganze so ein echtes Erfolgskonzept. Genau so sah es Claudia Knobloch. Sie machte dabei deutlich, dass dieser Erfolg aber nicht allein von der fachlichen Integration abhänge. „Es geht auch um die soziale Integration. Das bedeutet: Auch nach Feierabend sitzen wir zusammen und treiben diese Integration voran. Und ich glaube, dass es das ist, was es ausmacht. Die Mexikaner können sich bei uns melden, und wir kümmern uns um sie. Sie können sich auf uns verlassen, wir lassen sie nicht allein.“