Weitere Firmen engagieren sich in Katastrophenschutz.

Saarpfalz-Kreis : Schnelle Lösungen im Krisenfall

Sechs weitere Unternehmen haben dem Saarpfalz-Kreis ihre Unterstützung bei Großschadenslagen zugesagt.

Der Brand einer großen Halle in der Mainzer Straße in Homburg, das implodierte Silo der Karlsberg-Brauerei, ein explodiertes Wohnhaus in Ormesheim: Für die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, DRK und Fernmeldezug des Saarpfalz-Kreises waren die zurückliegenden Wochen gespickt mit dramatischen Momenten und großen Herausforderungen. Im Verwaltungsdeutsch werden solche Situationen teilweise als „Großschadens-Ereignisse“ bezeichnet, quasi eine Stufe unter einem amtlichen Katastrophenfall.

Groß ist dabei aber nicht nur eben der Schaden, groß sind auch die logistischen Anforderungen an die Rettungsdienste. Nicht selten werden Spezialgeräte benötigt, die Feuerwehren, THW und der Saarpfalz-Kreis als Träger des Katastrophenschutzes nicht vorhalten können. So bei der Hausexplosion in Ormesheim, als ein Kran nötig wurde. Manchmal sind es aber auch ganz banale Dinge, die ein Einsatz erfordert und die nicht in den Materiallisten der Dienste stehen. So musste beim Brand in der Mainzer Straße angesichts der Einsatzdauer und der Vielzahl der eingesetzten Kräfte dringend eine Antwort auf die Frage nach sanitären Einrichtungen vor Ort gefunden werden – und Dixi-Toiletten gehören nicht zum Ausstattungsumfang von Feuerwehr oder THW. In beiden Fällen wurden aber schnelle Lösungen gefunden – mit Hilfe ziviler Unternehmen, die sich vertraglich dem Kreis gegenüber verpflichtet haben, in ihrem jeweiligen Geschäftsfeld Unterstützung zu leisten.

Am Mittwoch unterzeichnete Landrat Theophil Gallo eben solche Verträge mit sechs Unternehmen – nachdem schon 2018 in einem ersten Schwung solche Vereinbarungen mit Betrieben geschlossen wurden (wir berichteten). Mit an Bord  sind  ab sofort die Firmen Bormann (Unterstützung mit Saug- und Blasfahrzeugen), Becker (Bereitstellung von Notstromaggregaten), Omlor (Bereitstellung von Treibstoff), Saar-Mobil (Bereitstellung von Bussen), Welter (Bereitstellung von Treibstoff) und Nico Wagner (Bereitstellung eines Busses).

 Gallo würdigte das Engagement dieser Unternehmen – im Kontext einer wichtigen Vorsorgemaßnahme zur Bewältigung von Großeinätzen der Rettungsdienste. „Ich habe lieber etwas, was ich im Moment nicht brauche, als ich brauche etwas, was ich dann nicht habe“, formulierte er den Grundgedanken des Konzepts, Ressourcen extern und für den Bedarfsfall ohne logistischen Aufwand für den Saarpfalz-Kreis vorzuhalten. Gallo machte auch klar, dass, als Impuls für den Schulterschluss zwischen Katastrophenschutz-Behörde und zivilen Unternehmen, mit den Jahren viele Infrastrukturen im Bereich des Zivil- und Katastrophenschutzes abgeschafft worden seien, unter anderem auch das Bundesamt für Zivilschutz. Zum Hintergrund: Diese Bundeseinrichtung wurde 1999 aufgelöst. Zudem könne der Kreis, auch wenn er die zuständige Behörde sei, gar nicht alles vorhalten, was im Krisen- und Katastrophenfall an Logistik, Material und Infrastruktur nötig sei. „Wir haben weder die finanziellen Mittel, um eine Bevorratung in einem größeren Rahmen zu betreiben, noch haben wir die Logistik. Deshalb versuchen wir mittels Vereinbarungen mit privaten Unternehmen dafür zu sorgen, hier im Einzelfall Unterstützung zu erhalten.“

Uwe Wagner, ehrenamtlicher Kreisbrandinspekteur und hauptamtlich beim Kreis mitverantwortlich für den Bereich des Zivil- und Katastrophenschutzes, verdeutlichte, dass die Unterstützung seitens der zivilen Unternehmen in erster Linie für das Tagesgeschäft der Dienste wichtig sei. „Im Katastrophenfall haben wir ja andere Zugriffsmöglichkeiten. Es dreht sich um die Großschadens-Ereignisse, die unterhalb eines Katastrophenfalls liegen. Darum geht’s.“ Habe man da keine vertraglich verpflichteten Unternehmen und deren speziellen Fähigkeiten zur Hand, müsse man sich im Bedarfsfall auf die Suche machen, müsse improvisieren. Gerade in den Abendstunden oder am Wochenende sei dies aber schlichtweg unmöglich. „Und bei den Vertragspartnern haben wir die Kontaktdaten, können dort anläuten und haben die dortigen Ressourcen zur Verfügung.“

Als eine Kennzahl dieser Vereinbarungen nannte Wagner beispielhaft die Menge von Kraftstoff, auf die der Kreis nun im Bedarfsfall zurückgreifen könne. „Wir haben hier eine mittlere fünfstellige Literzahl zur Verfügung. Diese Menge reicht aus, um alle Notstromaggregate, die bei einem Ausfall der Trinkwasserversorgung nötig sind, um die Versorgung trotzdem sicherzustellen, für zehn Tage zu betreiben. Und das bezieht sich auf einen Gesamtausfall.“

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