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Warnstreik in der Nacht bei Bosch und Bosch-Rexroth in Homburg

Warnstreiks in Homburg : 250 Beschäftigte streiken in der Nachtschicht bei Bosch (mit Bildergalerie)

250 Beschäftigte bei Bosch und Bosch-Rexroth folgten dem Warnstreikaufruf der IG Metall Homburg-Saarpfalz.

Der Frust ist groß bei den Mitarbeitern und so zeigte man sich gleich zum Auftakt der angekündigten Warnstreikwelle in der Metall- und Elektroindustrie kämpferisch: Etwa 250 Beschäftigte der Nachtschichten bei Bosch und Bosch-Rexroth folgten dem Warnstreikaufruf der IG Metall Homburg-Saarpfalz und legten am Dienstag um 4 Uhr die Arbeit für zwei Stunden nieder. Die IG Metall Vertrauensleute verabschiedeten die Streikenden bei der Ausfahrt vom Parkplatz mit Fackeln, Rauchbomben und Musik.

Aufgrund des Streiks sei es zu einem vollständigen Produktionsstillstand in den betroffenen Werken gekommen, hieß es von der Gewerkschaft.

Ralf Reinstädtler, erster Bevollmächtigter der IG Metall Homburg-Saarpfalz, kritisierte in seiner Ansprache an die Vertrauensleute die Haltung der Arbeitgeber im laufenden Tarifkonflikt deutlich. In den mittlerweile drei Verhandlungsrunden hätten diese „keine konstruktiven Ideen und keinen lösungsorientierten Vorschlag vorgelegt. Im Gegenteil, sie provozieren durch Verweigerung. Sie versuchen die Corona-Pandemie zum eigenen Vorteil zu nutzen und tarifliche Bedingungen beliebiger zu gestalten.“ Alle Forderungen der IG Metall seien zurückgewiesen worden.

Im Bereich der Geschäftsstelle Homburg-Saarpfalz waren die Warnstreiks bei Bosch und Bosch-Rexroth der Auftakt in die nächste Phase der Tarifauseinandersetzung. Weitere Warnstreiks in den Betrieben der Branche seien für die kommenden Tage geplant, kündigte Reinstädtler an.

Sollten diese Maßnahmen keine Wirkung zeigen, sollen die Proteste ausgeweitet und die Streikaktivitäten gesteigert werden. „Wir werden den Druck auf die Arbeitgeber in den laufenden Tarifverhandlungen erhöhen“, machte er deutlich.

 Auch Oliver Simon, Betriebsratsvorsitzender von Bosch, wurde deutlich: „Die Hoffnung ist, dass wir am 12. März bei der nächsten Verhandlungsrunde ein Angebot bekommen. Es ist aber nicht nur so, dass wir kein Angebot bekommen haben – es wurden Gegenforderungen gestellt.“

Auch er glaubt, dass die Corona-Situation den Arbeitgebern als Vorwand dient und gab sich kämpferisch: „Man glaubt vielleicht, dass die Beschäftigten nicht bereit sind, für ihre Forderungen einzutreten. Heute Nacht und in den nächsten Aktionen werden wir zeigen, dass wir mobilisierungsfähig sind.“

Und ab wann können aus Sicht der Gewerkschaft überhaupt Verhandlungen geführt werden? „Wenn ein vernünftiges Angebot auf den Tisch kommt und wenn die die vernünftige Gestaltung einer Transformation tariflich festgeschrieben wird. Erst dann sind wir bereit, über ein konkretes Angebot nachzudenken“, so Simon. Der Standort von Bosch in Homburg sei im Moment „ausgelastet bis unter die Zähne. Wir haben sehr viel Arbeit im Lkw-Geschäft. Das Pkw-Geschäft ist auch sehr gut ausgelastet. Wir sind vor einem Jahr mit einer ganz harten Bremse in die Corona-Krise mit massiver Kurzarbeit reingegangen. Dann wieder aus der Kurzarbeit raus in massive Mehrarbeit. Die Beschäftigten haben jeden Morgen, jeden Mittag, jede Nacht ihre Arbeit unter Corona-Bedingungen vollbracht. Jetzt ist es Zeit, nach Verzicht, dass wir wieder dran sind mit mehr Geld.“

Stephan Huber, Betriebsratsvorsitzender von Bosch-Rexroth, zeigte sich in der Nacht zufrieden mit dem Verlauf des Warnstreiks; „Momentan geht’s mir richtig gut, weil: Die Produktion steht, die Leute machen alle mit. Selbst die befristet Beschäftigten beteiligen sich am Warnstreik.“ Auch er betont „Wir haben ein Produktionssteigerung von über 20 Prozent bei uns im Werk. Die Leute machen Tag für Tag ihre Arbeit. Wir haben 90 Befristete eingestellt. Und jetzt wollen wir auch mal ein Stück vom Kuchen haben. Im vergangenen Jahr war ja schon nix. Und jetzt sind wir nochmal dran.“

Eine Ausweitung der Streiks schließt auch er nicht aus: Das kann bis zu 24-Stunden-Warnstreiks gehen.“