Vorwürfe der sexuellen Belästigung in HNO-Klinik in Homburg nicht bestätigt

Kostenpflichtiger Inhalt: Nach Bericht der Frankfurter Rundschau : Vorwürfe der sexuellen Belästigung in HNO-Klinik in Homburg nicht bestätigt

Aufsichtsratschef der Uniklinik setzte nach Schreiben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eine Arbeitsgruppe zur Aufklärung ein.

Nach einem so genannten Brandbrief der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu angeblichen sexuellen Belästigungen von Mitarbeiterinnen in der HNO-Klinik des Universitätsklinikums (UKS) hat der frühere Chef der Staatskanzlei Jürgen Lennartz (CDU) als UKS-Aufsichtsratschef, Anfang Januar 2018 eine Arbeitsgruppe zur Aufklärung der Vorwürfe eingesetzt. Das konkrete Vorgehen war dabei mit der Antidiskriminierungsstelle, die keine Angabe zu möglichen Betroffenen und Beschwerdeführerinnen machte, abgestimmt. Dies teilte Regierungssprecher Alexander Zeyer jetzt auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Die Vorwürfe richteten sich, so berichtete die Frankfurter Rundschau (FR) insbesondere gegen den „damaligen Direktor der HNO-Klinik und gleichzeitigen Direktor des Gesamtklinikums Homburg“. In dem Beitrag ist zu lesen: „Mehrere Ärztinnen bezeugen gegenüber den Autoren, dass er ihnen im Operationssaal von hinten an die Brüste oder auch in den Schritt gefasst habe…“.

Nach Darstellung der Staatskanzlei, der das zuständige Wissenschaftsministerium angegliedert ist, wurde die Arbeitsgruppe mit der Gleichstellungsbeauftragten der Saar-Universität, der UKS-Frauenbeauftragten, der Personalratsvorsitzenden sowie zwei Mitarbeitern der Geschäftsstelle des Aufsichtsrates besetzt. Klinikdirektor Professor Dr. Bernhard Schick wurde über die erhobenen Vorwürfe in einem Personalgespräch „unter Wahrung des Anspruchs auf rechtliches Gehör“ unterrichtet.

Ende Januar führte schließlich nach Angaben der Staatskanzlei eine Befragung von vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik „zu keiner Bestätigung der erhobenen Vorwürfe“. Die Antidiskriminierungsstelle beim Bund wurde darüber telefonisch informiert und regte weitere Befragungen an. Daraufhin wurden vier weitere Personen aus verschiedenen Bereichen der Klinik befragt. In einer Stellungnahme der Staatskanzlei heißt es dazu: „Diese Personen konnten über keine eigenen Wahrnehmungen über sexuelle Belästigungen berichten.“ Zwei Befragte erklärten, sie seien von Mitarbeiterinnen auf „Fälle sexueller Belästigung angesprochen worden“, konnten diese Vorfälle aber nicht konkretisieren. Sie wurden als „Zeugen vom Hörensagen“ eingestuft und wollten wegen zugesagter Vertraulichkeit ihre Gesprächspartner nicht nennen.

Die Arbeitsgruppe teilte daraufhin der Antidiskriminierungsstelle im Juni 2018 mit, ohne „verwertbare Aussagen der Beschwerdeführerinnen“ zu konkreten Vorfällen sei keine Aufklärungsarbeit zu leisten. Ausdrücklich sei über die Bundesstelle den Betroffenen Vertraulichkeit angeboten worden. Ergebnis war letztlich, so heißt es in der Stellungnahme: „Die Antidiskriminierungsstelle hat daraufhin in einem Telefonat mitgeteilt, dass angesichts des für die Beschwerdeführerinnen unbefriedigenden Ergebnisses der bisherigen Nachforschungen die Angelegenheit erledigt sei.“

Der betroffene Klinikchef war bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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