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Panik bei Vorhofflimmern? Experten in Homburg klären auf

Herzwochen in Homburg : Panik bei Vorhofflimmern: Kardiologen klären über Behandlung und Vorbeugung auf

Das Herz gerät aus dem Takt, es hämmert, Panik stellt sich ein - was tun? Welche Medikamente helfen können und wie das eigene Verhalten bei der Besserung helfen kann, erklären Experten im Homburger Rathaus.

Es hat schon Vorteile, wenn man an einem Ort wohnt, an dem ein Universitätsklinikum gleich um die Ecke liegt. Denn einerseits wird man im Notfall schnell versorgt und spart sich eine lange Anfahrt, andererseits hat man auch noch die Vorteile, Spezialisten vor Ort zu haben, auch wenn man nicht krank ist.

Denn wenn bundesweit Gesundheitsaktionen laufen, ist Homburg immer vorne mit dabei, sei es bei der Woche des Sehens, oder wie jetzt, bei den Herzwochen. Und da die Medizin davon lebt, dass erworbenes Wissen an die nächste Generation weitergegeben wird, ist es für die meisten Homburger Klinikleiter selbstverständlich, bei diesen Gelegenheiten auch für die Bevölkerung da zu sein und ihnen auf allgemein verständliche Art zu berichten, was es Neues gibt und wie man sich im Notfall verhalten soll.

Vorhofflimmern als gefährliches Anzeichen

So auch am 24. November um 17 Uhr im großen Sitzungssaal im Homburger Rathaus. Der Homburger Bürgermeister Michael Forster begrüßte dabei nicht nur den renommierten Herz-Spezialisten und Klinikleiter Professor Michael Böhm, sondern auch Professor Christian Ukena, Leiter der Elektrophysiologie, und die Kardiologen Dr. Patrick Fischer, Dr. Valerie Pavlicek und Dr. Jan Wintrich.

Sie alle hatten sich bereit erklärt, von 17 bis 19.50 das Thema Vorhofflimmern für die Bevölkerung unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten zu behandeln, zum Beispiel beim Sport, bei der Ernährung, beim Reisen, ob man Gerinnungshemmer nehmen soll und wie Vorhofflimmern zu behandeln ist.

Können Smartwatches Leben retten?

Vorhofflimmern: Auch Schlaganfall geht damit einher

Klar ist: Vorhofflimmern macht Angst. Das Herz gerät plötzlich völlig aus dem Takt, es schlägt unregelmäßig und versetzt die Betroffenen in Panik. Was ist zu tun? Wie lange dauert es an? Wie kommt es dazu? Und was kann man dagegen tun? Das Programm für den 24. November hatte Christian Ukena organisiert und sich dabei viel Mühe gegeben. Mit Recht, wie Michael Böhm betont: „Bei dem diesjährigen Thema der Herzwoche ist viel Mühe in jeder Hinsicht angebracht, denn beim Vorhofflimmern handelt es sich um die häufigste anhaltende Rhythmusstörung, sie tritt mit vorliegenden Herzerkrankungen und beim älteren Menschen auf.“

Bei Früherkennung helfen Medikamente sehr gut

Ein tödlicher Schlaganfall, meist bedingt durch Vorhofflimmern, sei Todesursache Nummer zwei und könne bis zu zehn Prozent der Bevölkerung betreffen. Bei Vorhofflimmern lasse sich diese Komplikation durch eine Blutverdünnung sehr einfach beherrschen. Weiterhin könne längerfristiges Vorhofflimmern zu einer Herzmuskelschwäche führen. „Hierbei handelt es sich nicht nur um eine häufige Todesursache, sondern auch um eine für den Patienten extrem belastende Krankheitssituation,“ so Böhm weiter.

Ist das Vorhofflimmern Folge einer Herzmuskelschwäche, könne diese darüber erkannt und mit den heute verfügbaren extrem wirksamen Medikamenten gut behandelt werden. So spare die Früherkennung von Herzinsuffizienz auch Kosten, „denn frühe Erkennung und Therapie vermeiden häufige und teure Krankenhausaufenthalte, was wiederum der Solidargemeinschaft zu Gute kommt.“

Wie wichtig ist die Aufklärung der Bevölkerung beim Auftauchen von Herz-Symptomen? „Kardiale Symptome in Folge von Herzrasen, Luftnot und Leistungseinschränkung müssen in jedem Fall abgeklärt werden“, betont Professor Böhm, „es kann sich dabei um Vorhofflimmern handeln, aber auch um andere Erkrankungen, wie eine beginnende Herzinsuffizienz, eine koronare Herzerkrankung, Stoffwechselentgleisungen oder dekompensierte Hochdruckerkrankungen.“

Auch eigenes Verhalten kann zur Besserung beitragen

Nach der Einführung in das Thema durch Professor Böhm, erläuterte Professor Christian Ukena, welche Methoden es heute gibt, um Vorhofflimmern festzustellen - am besten, bevor es sich überhaupt bemerkbar macht. Da reicht die Bandbreite vom klassischen EKG mit den üblichen kalten Plastikzangen an den Füßen und den Saugnäpfen auf der Brust, bis hin zur modernen Smartwatch, die ja auch der Gesundheitskontrolle dienen und im Notfall selbstständig einen Rettungsdienst alarmieren soll.

Wer an Vorhofflimmern leidet, fühlt sich dadurch eingeschränkt, denn es kann unverhofft auftauchen und Angstzustände auslösen. Dr. Patrick Fischer erläuterte, wie man - neben medikamentöser Behandlung - auch durch eigenes Verhalten beim Sport oder bei der Ernährung unterstützend tätig werden kann. Danach gab es eine kleine Pause mit Imbiss, bevor es weiterging mit den verschiedenen Behandlungsmethoden bei Vorhofflimmern: Kälte, Strom oder Elektroporation? Das erläuterte die Kardiologin Dr. Valerie Pavlicek, bevor Jan Wintrich über die Wirkung von Gerinnungshemmern berichtete. Und ob der Verschluss des Vorhofohrs sinnvoll sein kann.

Am Ende fasste Professor Böhm noch einmal alles zusammen und beantwortete Fragen - die die Zuhörer aber auch nach den einzelnen Vorträgen stellen konnten. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Herzstiftung durchgeführt.

Die Veranstaltung der Herzwoche in diesem Jahr habe ihre besondere Bedeutung darin, dass über Symptome aufgeklärt wird, die zu rechtzeitigen Vorstellungen in Arztpraxen und Kliniken führen und darüber eine schnelle Therapie ermöglichen. Darüber können sich schwere Herzerkrankungen einfach und in günstiger Weise beeinflussen lassen, betonte Professor Michael Böhm gegenüber unserer Zeitung.