Von Platz acht in den Landtag

Homburg. So lange ist die Landtagswahl noch nicht vorbei, doch eigentlich schien festgezurrt, wer denn nun als Abgeordneter im frisch gewählten Parlament sitzen wird. Überraschungen gibt es aber immer wieder, und diesmal betraf die unerwartete Meldung den CDU-Mann Christian Gläser: Er wird nachrücken und sich erstmals mit dem Titel Abgeordneter schmücken dürfen

Homburg. So lange ist die Landtagswahl noch nicht vorbei, doch eigentlich schien festgezurrt, wer denn nun als Abgeordneter im frisch gewählten Parlament sitzen wird. Überraschungen gibt es aber immer wieder, und diesmal betraf die unerwartete Meldung den CDU-Mann Christian Gläser: Er wird nachrücken und sich erstmals mit dem Titel Abgeordneter schmücken dürfen. "Ich hatte das eigentlich abgeschrieben", sagte Gläser am Samstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe bereits damit begonnen, sich auf eine neue Chefin einzustellen. Gläser arbeitete im Innenministerium und das übernimmt in der neuen Landesregierung nach Stephan Toscani bekanntlich Monika Bachmann.Am Wahlabend hatte Gläser zunächst den Sprung in den Landtag knapp verpasst. Mit einem achten Platz auf der Wahlkreisliste Ost hatte er allerdings damals auch nicht damit gerechnet - und sich eher Chancen als erster Nachrücker ausgerechnet. "Das Mögliche hat funktioniert", kommentierte er jetzt. "Dass Platz acht nicht direkt reichen würde, war ja klar." Damit kommen nun drei der Abgeordneten aus Homburg, denn Elke Eder-Hippler (SPD) und Barbara Spaniol (Linke) hatten ihre Sitze bereits am 25. März sicher. Für die CDU saß übrigens aus Homburger Sicht letztmals der jetzige Bürgermeister Klaus Roth in Saarbrücken - im September 2004 wurde er in den 13. Landtag gewählt.

Die Rückkopplung mit und die direkte Anbindung an die Landesregierung hält Gläser dabei für "sehr hilfreich und wichtig" für eine Stadt wie Homburg mit ihrer Industrie, dem Uniklinikum und einem "so aktiven Oberbürgermeister. Das macht die politische Arbeit im Alltag leichter", unterstrich er. Er selbst sieht im Moment keine Notwendigkeit, sich aus der Stadtratsarbeit zurückzuziehen. "Ich lasse die Dinge auf mich zukommen", so Gläser. Er sei früher fünf Jahre in der Landtagsfraktion beschäftigt gewesen. "Ich kann schon abschätzen, was für eine Arbeit nun auf mich zukommt." Diese sei in jedem Fall eine Herausforderung, verbunden mit einer hohen Verantwortung, andererseits wolle er seiner Familie gerecht werden. "So lange das passt, habe ich vor, im Stadtrat zu bleiben." Sein Beamtenverhältnis in Saarbrücken werde während der Dauer seiner Zugehörigkeit zum Parlament aber erst einmal ruhen.

"Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe, sonst hätte ich nicht kandidiert", unterstrich er. Zunächst will sich Gläser einarbeiten, macht aber bereits einen Schwerpunkt aus: die Innenpolitik, insbesondere kommunale Angelegenheiten. Er habe Interesse für den Innenausschuss angemeldet. Durch seine Tätigkeit als Fraktionsvorsitzender in Homburg wisse er, wie sich Dinge, die landesweit beschlossen werden, auf Kommunen auswirken. Es gehe ihm darum, die Bedingungen für diese zu verbessern - auch, aber nicht nur die finanziellen Rahmenbedingungen. So sei im Koalitionsvertrag vereinbart worden, eine zentrale Stelle zu schaffen, die Kommunen berät, was die Fördermöglichkeiten angeht - als einheitliche Anlaufstelle im Land, nannte er ein Beispiel. Gleich auf mehreren Seiten sei übrigens auch Homburg im Koalitionsvertrag erwähnt. So sei bei den Verkehrsprojekten eine zeitnahe Realisierung der B423-Umgehung festgeschrieben, genauso wie eine Verbesserung der A6-Auffahrt. Im Vertrag werde zudem das Uniklinikum samt der Medizinerausbildung als wichtiger Standortfaktor gewertet. Das könne quasi als Bestandsgarantie angesehen werden für die Gültigkeit dieser Landesregierung. Und auch in Sachen Zunderbaum soll es vorangehen. Der Vertrag zwischen CDU und SPD betone die Wichtigkeit der Umsetzung von großflächigen Industriegebieten im Saarland, namentlich genannt sei der Zunderbaum.

Ein wichtiger Termin steht Gläser in zwei Tagen bevor: Er und die beiden anderen CDU-Nachrücker werden bei der nächsten Plenarsitzung am Mittwoch von Landtagspräsident Hans Ley (CDU) verpflichtet.

Hintergrund

Der 45-jährige Christian Gläser (CDU) gehört seit 2004 ständig dem Homburger Stadtrat an. Davor war er bereits 1994/1995 Mitglied des Kommunalparlaments. Seit November 2008 ist er Fraktionsvorsitzender der Homburger CDU. Gläser ist studierter Jurist, arbeitete bislang als Beamter im Innenministerium. Er ist in Homburg aufgewachsen, hat hier auch seinen ersten Wohnsitz. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin zusammen mit drei Kindern.

Christian Gläser - hier mit Michael Forster, Vorsitzender der CDU Erbach-Reiskirchen, - freute sich schon am 25. März über den Wahlerfolg der CDU. Nun zieht er als Nachrücker in den saarländischen Landtag ein. Foto: Thorsten Wolf.

Nachrücker wurden Gläser und zwei weitere CDU-Politiker, Dagmar Heib und Thomas Schmitt, weil die neue Innen- und Sportministerin Monika Bachmann freiwillig auf ihr Mandat verzichtete. Zudem mussten die Abgeordneten Georg Jungmann und Gaby Schäfer ihren Sitz abgeben, weil sie erneut zu Staatssekretären berufen worden sind. ust