Von „mehr Kontrolle“ bis „hohe Geldstrafen“

Von „mehr Kontrolle“ bis „hohe Geldstrafen“

Bei der Frühjahrs-Aufräumaktion „Picobello“ befreiten Freiwillige die Landschaft von wildem Müll. Einen Monat ist das her und mittlerweile liegt an vielen Plätzen erneut Unrat. SZ-Leser haben vielseitige Vorschläge, wie dem Problem ein Ende gesetzt werden kann.

Der Frühling lockt die Menschen mit seinen milden Temperaturen in die Natur, doch diese ist nicht immer so idyllisch wie erhofft: Wilder Müll stört oft die Freude an der Landschaft, egal ob im Wald, in der Fußgängerzone oder auf anderen öffentlichen Plätzen. Dass dieser Umstand für viele Menschen ein Ärgernis ist, bestätigt die SZ-Online-Umfrage sehr eindrücklich: Von den 380 Teilnehmern geben 379 an, dass sie sich an wildem Müll stören. Nur ein Befragter verneint dies. Auch bei der Verfolgung und Bestrafung von unsachgemäßer Müll-Entsorgung sind sich die Umfrageteilnehmer einig: 96 Prozent (363) sprechen sich für diese Maßnahme aus. "In den USA gibt es überall Schilder, die darauf hinweisen, dass Müll wegwerfen 1000 Dollar kostet. Sollte man hier auch machen", schreibt Ingrid Benn-Marx aus Kirkel in Bezug auf illegal entsorgten Müll. Auch Manfred Schultz, ebenfalls aus Kirkel, fordert eine Bestrafung der Müllsünder, allerdings anderer Natur: "Jeder Ertappte sollte einen Monat lang jeden Samstag wild entsorgten Müll beseitigen", schlägt er vor. Nur zwei Prozent (9) der Befragten lehnen eine Bestrafung der Müllsünder ab.

Und was kann man sonst noch machen, um das achtlose Wegwerfen von Müll zu verhindern? 76 Prozent (287) der Befragten sehen die Städte und Gemeinden in der Pflicht. Sie sind der Meinung, dass deren Anstrengungen, die Umwelt sauber zu halten, nicht ausreichend sind. "Homburg leert die Müllkübel Freitag früh, anschließend quellen die Kübel am Samstag und Sonntag über. Saustall für Besucher", beklagt Herbert Marx aus Homburg. Auch eine stärkere Kontrolle und Säuberung von Plätzen, die von illegalen Müllentsorgungen betroffen sind, wünschen sich viele Bürgern von ihrer Kommune. Gerhard Matischka aus Homburg hat den passenden Tipp parat, wie die Kontrolle umgesetzt werden könnte: "Einsatz von Hartz-IV-Empfängern und Minijobbern", fordert er.

Peter Gaspers aus Homburg setzt bei der Kontrolle dagegen auf ein anderes Mittel: Es gibt immer wieder Plätze, an denen irgendwelche Gruppen feiern und ihren Müll einfach in die Umwelt entsorgen. Diese müssten stärker überwacht und die Verursacher verfolgt werden. Notfalls mit Überwachungskamera, ich hätte damit keine Probleme", schreibt er. Den vielen kritischen Stimmen stehen elf Prozent (43) der Umfrageteilnehmer gegenüber, die die Anstrengungen der Kommunen als ausreichend bewerten.

Nur anprangern, aber nichts machen, scheint für den Großteil der Umfrageteilnehmer keine Option zu sein: Ganze 81 Prozent (306) geben an, selbst schon einmal Müll, den andere weggeworfen haben, aufgehoben zu haben. Demgegenüber stehen 18 Prozent (69), die es ablehnen, den unsachgemäß entsorgten Müll anderer Menschen aufzuheben.

Die Entsorgung von wildem Müll steht auch bei der alljährlichen Aufräumaktion "Picobello" im Mittelpunkt, an der sich Vereine, Verbände, Unternehmen, Kindergärten, Initiativen, Familien und Einzelpersonen beteiligen. Schulen machen bei Picobello ebenfalls mit, doch 65 Prozent (247) der Umfrageteilnehmer vertritt die Ansicht, dass sich die Aktion noch stärker an Letztere richten sollte, um die Jugend für das Thema Umweltverschmutzung zu sensibilisieren. 25 Prozent (96) halten das dagegen für unnötig. Astrid Lindinger gehört nicht dazu: "Kinder sind noch leicht zu motivieren, doch es wäre wichtig, auch Jugendlichen klar zu machen, wie umweltschädlich zum Beispiel Kunststoffe sind und wie lang diese in der Umwelt verbleiben und nicht abgebaut werden", schreibt die Homburgerin. Doch nicht nur Kinder sollten stärker auf die Konsequenzen von unsachgemäßer Müllentsorgung hingewiesen werden, findet Thomas Dision aus Homburg. "Viel mehr öffentlich machen und sensibilisieren", fordert er.

Als überfällig bezeichnen viele Umfrageteilnehmer, die Müllgebühren an die Situation anzupassen. So geht es auch Sonja Grevemeyer aus Homburg: Die reguläre Müllbeseitigung dürfe nicht immer teurer und komplizierter gemacht werden, denn genau das forciere das wilde Entsorgen von Müll. "Sperrmüll sollte für jeden Haushalt kostenlos sein. Die Abzocke bei den Müllkosten insgesamt ist letztendlich an der Misere Schuld", stimmt ihr Karlheinz Simon aus Bexbach zu.

In der Pflicht sehen einige Befragte auch die großen Müll-Verursacher wie Fastfood-Restaurants: Lothar Schmackmar aus Homburg schlägt vor, Pfand auf Fastfood-Verpackungen zu erheben, um zu verhindern, dass diese in der Landschaft landen.

Bußgelder, Senkung der Müllgebühren, mehr Kontrolle durch Videoüberwachung oder zusätzlich Beschäftigte - an Ideen zur Beseitigung des Müll-Problems mangelt es den SZ-Lesern nicht. Doch manche Befragte blicken der Thematik auch mit Idealismus entgegen und appellieren an den gesunden Menschenverstand. "Jeder einzelne sollte auf Sauberkeit und Ordnung achten. In der Wohnung kann man auch nicht alles fallen lassen. Ich habe jeden Tag Zigarettenstummel und Papier vor meinem Haus. Da es mein eigenes Haus ist, gehe ich runter und hebe den Dreck von den anderen auf. Wenn jeder auf die Sauberkeit achten würde, wäre das Problem mit dem Müll einsammeln gelöst", fasst Anna Paul aus Homburg diese Auffassung zusammen.

Zum Thema:

Auf einen BlickSZ-Umfrage-Center: Damit die Meinung der Leser noch größere Beachtung findet, hat die Saarbrücker Zeitung ihr Umfrage-Center neu gestaltet. Wer dabei mitmachen will, muss sich einmalig registrieren. Und wer schon an Befragungen unter sz-umfrage.de teilgenommen hat, kann seine Login-Daten weiter nutzen. Umfrage-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer werden übrigens mit Punkten belohnt, die in Einkaufsgutscheine umgewandelt werden können. red