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Vom Teufelsabbiss und dem Schwipp-Schwapp-Moor

Vom Teufelsabbiss und dem Schwipp-Schwapp-Moor

Homburg/Bruchhof. "Einmalig in Europa", charakterisierte Eva Schillo die Westricher Moorniederung, die gemeinhin unter dem Namen "Landstuhler Bruch" bekannt ist. Die Geologin und Geographin aus dem westpfälzischen Hütschenhausen hat das Areal genauestens unter die wissenschaftliche Lupe genommen

Homburg/Bruchhof. "Einmalig in Europa", charakterisierte Eva Schillo die Westricher Moorniederung, die gemeinhin unter dem Namen "Landstuhler Bruch" bekannt ist. Die Geologin und Geographin aus dem westpfälzischen Hütschenhausen hat das Areal genauestens unter die wissenschaftliche Lupe genommen. Sie wird demnächst ihre fast 700-seitige Doktorarbeit an der Universität in Saarbrücken beenden. Museum für GebrüchZudem ist sie dabei, ein Museum für das länderübergreifende "Gebrüch" zwischen dem Tal der Blies bei Homburg und Kaiserslautern Wirklichkeit werden zu lassen. Ein Teil davon, das Königsbruch beim Homburger Stadtteil Bruchhof, war nun Schauplatz einer Exkursion, in deren Verlauf die speziellen Eigenheiten der Landschaft vorgestellt wurden. Entstanden ist das "Bruch", wie das 40 Kilometer lange und zwischen drei bis sieben Kilometer breite Moor landläufig genannt wird, als sich im Norden und Süden Höhenzüge hoben und die Niederung zwischen sich einschlossen. Der Fachbegriff für diese Art Moor laute "Schichtstufenmoor". Und dieses, so Schillo, sei in ganz Europa tatsächlich einzigartig. "Für ungeübte Augen sieht das Gebiet zumeist gar nicht nach einem typischen Moor mit Wasser- und Torfflächen aus", skizzierte die Geographin. Wirklich auch "viel trockener" als in ihrer Kindheit sei das Moor, berichtete eine Teilnehmerin aus Sanddorf, die bald ihren 80. Geburtstag feiert und immer am Rande des Bruchs zuhause war. "Tatsächlich haben Wasserentnahme und landwirtschaftliche Nutzung das Bruch verändert", bestätigte Eva Schillo. Auch die in den 1960er- und 1970er-Jahren übliche exzessive Düngung habe sich sehr negativ ausgewirkt. Die Nutzung des Bruchs sei jedoch keine brandneue Entwicklung. "Die Urbarmachung begann im 18. Jahrhundert", berichtete die Exkursionsleiterin. Noch um das Jahr 1800 war das Gebiet wegen seiner ausgedehnten Sümpfe beinahe unzugänglich und ließ sich nur via spezieller Knüppeldämme überqueren. Mit Booten übers WasserWährend des Hochwassers im Frühjahr entstanden oft sogar weite Wasserflächen, die die Verwendung von Booten erforderlich machten. Um trotz der vielen Veränderungen einen Einblick in Geologie, Biologie und Geschichte des Moors geben zu können, hatte die Wissenschaftlerin ein ganzes Bündel bunter Schautafeln im Gepäck. Während zahlreicher Stopps an prägnanten Schauplätzen entlang der Route illustrierten diese Grafiken und Fotos ihre Ausführungen über Pflanzen wie Moorbirke, Kiefer und Korbweide, Teufelsabbiss und Wiesenknopf, über den mehligen Silbersand, der zur Glasherstellung und als Scheuerpulver verwendet wurde, über Korbflechten und Torfstiche. Auch über Moorleichen und Irrgelichter und über Teiche, Weiher und Seen sowie manch historisches "Schmankerl" wusste die Geologin zu berichten. Und über das Schwipp-Schwapp-Schaukelmoor, einen Schwingrasen auf feuchtem, instabilem Grund, den die Kinder in den Dörfern entlang des Bruchs früher als "Hoppelwiese" und damit als eine Art Trampolinersatz nutzten. bam