Trainerfortbildung: Viele Facetten der richtigen Reitausbildung

Trainerfortbildung : Viele Facetten der richtigen Reitausbildung

Ausbilder Rolf Petruschke gab Trainern beim Reitverein Einöd viele wichtige Tipps für Theorie und Praxis.

„Wir haben hier sehr gut geschulte Reiter auf sehr gut geeigneten Schulpferden gesehen“, lobte Rolf Petruschke. Der Ausbilder der deutschen reiterlichen Vereinigung FN und langjährige Ausbilder im hessischen Landgestüt Dillenburg leitete kürzlich auf Einladung des Pferdesportverbands Saar eine Trainerfortbildung beim Reitverein Einöd. Statt der erwarteten 50 Teilnehmer, trafen rund 20 Interessierte vorwiegend aus der Saar- und Südwestpfalz zunächst im Gemeindehaus Einöd zur
Theorie und dann in der Reithalle für den Praxisteil zusammen. Hier diskutierten sie eine Reitstunde für Jugendliche in Schritt und Trab als auch eine Longenstunde für einen über 50-Jährigen.

„Welche Sportarten betreiben Sie?“ und „Sind Sie in ärztlicher Behandlung?“, klärte der Ausbilder entscheidende Parameter für die Reitausbildung bereits im Vorfeld. Radfahren spreche für ein ausgeprägtes Gleichgewicht und Schwimmen für gute Koordination. Auf Handicaps wie ehemalige Bandscheibenvorfälle müsse Rücksicht genommen werden. Ideal sei ein entsprechender Fragebogen, den Reitschüler vor der ersten Stunde ausfüllen. Im Mittelpunkt stand die Reitausbildung für Reiteinsteiger vom Kind bis zum Erwachsenen, für Spät- oder Wiedereinsteiger. „Auch, wenn wir nicht aus jedem Schüler einen Olympiasieger machen können, ist diese Arbeit extrem wichtig und wertvoll“, betonte der renommierte Ausbilder. Mit zahlreichen Anekdoten und Geschichten aus seinem Ausbildungsalltag würzte er seinen spannenden Vortrag.

„Besonders beeindruckend fand ich, welche Heilwirkung die Arbeit mit Pferden hat, etwa bei Kindern, deren Eltern in Scheidung leben und einem behinderten Jungen, dem eine Lebenserwartung von zwei Jahren prognostiziert wurde und der heute ein fröhlicher 17-jähriger ist und eine Voltigiermannschaft zusammengeschweißt hat“, wundert sich die Lehrerin Birgit Hohlweg, Sportwartin beim RV Einöd. Fachkompetenz sei in der Reitausbildung eben so wichtig wie soziale Kompetenz, denn nicht selten übernehme das Pferd auch therapeutischen Charakter. Immer wieder betonte Rolf Petruschke den Sicherheitsaspekt. Es sei wichtig, brave Schulpferde zu haben. Er
empfahl, diesen Koppelferien zu gönnen, um sie bei Laune zu halten und zwischendurch von einem erfahrenen Reiter korrigieren zu lassen. Allerdings sei wichtig, hier eher entspannt als stark einzugreifen und dies unter vier Augen und nicht vor den Reitschülern. „Die bekommen sonst nur Angst. Und Angst ist der schlechteste Lehrmeister“, weiß der erfahrene Ausbilder.

„Hat ein Schüler Angst, ist das eine der größten Herausforderungen für den Ausbilder“, warnte Rolf Petruschke. Das Thema Sicherheit beginne heute bereits im kompetenten Umgang mit dem Pferd. Es sei zunehmend wichtiger, die Reitschüler behutsam an das Pferd heranzuführen, da heutzutage meistens weder die Reitschüler noch deren Eltern oder Großeltern  Erfahrung mit Tieren, geschweige denn mit Pferden, haben. Deshalb sei es vor allem aus Sicherheitsgründen ratsam, zunächst Theorie und praktische Erfahrungen beim Umgang mit dem Pferd zu sammeln. Für Rolf Petruschke steht die vielseitige Grundausbildung im Vordergrund. Ein Aspekt, den der RV Einöd mit Drei- und Vierkampf inklusive Laufen und Schwimmen sowie Geländereiten/Vielseitigkeit, Dressur und Springreiten berücksichtigt. Rolf Petruschke befürwortet eine Spezialisierung frühestens ab Klasse L. Abwechslungsreich gestaltete Stunden förderten die Motivation und trügen zum Sammeln von vielseitigen Bewegungserfahrungen bei.

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