Viel Lob für Jamaika und ökotaugliche Spar-Ideen

Homburg. Ziemlich selbstbewusst präsentierten sich Homburgs Grüne am Montagabend beim Neujahrsempfang im Stadtcafé am historischen Marktplatz. Doch bevor sich alle dem lockeren Gespräch zuwenden konnten, ließen der Vorsitzende Jörg Herrlinger und Fraktionschef Winfried Anslinger es sich nicht nehmen, einen stolzen Blick zurückzuwerfen auf das vergangene, mit Wahlen gespickte Jahr

Homburg. Ziemlich selbstbewusst präsentierten sich Homburgs Grüne am Montagabend beim Neujahrsempfang im Stadtcafé am historischen Marktplatz. Doch bevor sich alle dem lockeren Gespräch zuwenden konnten, ließen der Vorsitzende Jörg Herrlinger und Fraktionschef Winfried Anslinger es sich nicht nehmen, einen stolzen Blick zurückzuwerfen auf das vergangene, mit Wahlen gespickte Jahr. Das Jamaika-Bündnis war dabei Grund für viele positive Bemerkungen, zumal die Homburger Grünen mit ihrem frühen Aufruf für eine schwarz-gelb-grüne Koalition ganz vorne mit dabei waren. "Was mir an Homburg so gut gefällt: Ihr wart mit die erste Jamaikaner", rief der Landtagsabgeordnete Markus Schmitt aus St. Ingbert den Homburgern zu. Und Herrlinger betonte, es sei eine Koalition mit Seltenheitswert. Anslinger, der derzeit noch kein Urteil fällen wollte über die Landeskoalition, sah darin ein "höchst spannendes Experiment". Es habe aber keinen Grund gegeben, sich bei gleichem inhaltlichen Angebot mit zwei Parteien einzulassen, deren erklärtes Ziel es war, die Grünen politisch zu vernichten, ohne eine Energiewende, eine Verkehrswende, eine kulturelle Wende tatsächlich zu vollziehen. Wenig positiv beurteilte Anslinger die Konstellation im Homburger Stadtrat. Es gebe hier eine große Koalition ohne expliziten Vertrag. Die SPD spiele die Rolle des Juniorpartners. Beide großen Parteien hätten sich gegenseitig reichlich mit Pöstchen bedient. Um das Thema, wo es noch etwas einzusparen gibt, angesichts des desolaten städtischen Haushaltes mit 23 Millionen Euro Defizit, kam auch am Montagabend niemand vorbei. "Es zeigte sich, dass man auch nicht im Entferntesten so viel einsparen kann, wie die Schwankungen der Gewerbesteuer vorgeben." Trotzdem servierte Anslinger einige kreative Möglichkeiten zu sparen oder mehr Geld einzunehmen. Dazu gehörten unter anderem der Vorschlag, Parkgebühren zu erheben. Deutliche Worte fielen zum maroden Hallenbad. "Das muss früher oder später geschlossen werden. Wir wollen eine Lösung mit der Klinik und dem Christlichen Jugenddorf." Das Bad werde ohnehin nur für den notwendigen Bedarf genutzt. Auch einige Wünsche hatte Anslinger für das Jahr 2010. So solle zum Beispiel der Wertstoffhof endlich gebaut werden. Krippenplätze müssten weiter vermehrt und die Bahnschnellverbindung zwischen Homburg und Zweibrücken wiedereröffnet werden. Zudem schlug er Lärmschutzprogramme für die Durchgangsstraßen, etwa in Bruchhof-Sanddorf und Schwarzenbach, Schwarzenacker vor. Auch eine echte Ökostrommarke, zwei Windkraftanlagen in Einöd und Am Zunderbaum, eine Geothermie-Initiative und die Aufnahme von ganz Homburg in die Biosphärenregion standen unter anderem auf dem Wunschzettel. Der passte übrigens diesmal besonders gut, denn die Ökopartei feierte nicht nur Wahlerfolge, sondern 2010 auch ihren 30. Geburtstag. Bei der Gründung 1980, betonte Jörg Herrlinger, sei man meist als "Fantasten, Spinner und Müsli-Esser" bezeichnet worden inzwischen "haben wir viel bewegt und werden viel bewegen". Darüber und über anderes konnte dann ausgiebig geplaudert werden, auch mit Grünen-Landeschef Hubert Ulrich, der etwas später noch eingetroffen war. Meinung

Auch ohne Hallenbad leben

Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm Wer nichts hat, der kann nichts verteilen. Das ist zwar bitter, aber nicht nur für Homburg derzeit Realität. Die Fähigkeit zu sparen, ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Umso besser, dass sich Homburgs Grüne beim Neujahrsempfang nicht darauf beschränkt haben, auf ihre Erfolge zurückzublicken. Sie haben auch kreative Ideen serviert, wo vielleicht mit weniger Geld etwas zu bewirken ist. Dabei haben sie sich an das leidige Thema Schließung des Hallenbads gewagt, bei dem die Stadt Jahr für Jahr erheblich draufzahlt. Vielleicht bahnt sich ja doch noch die Erkenntnis an, dass Homburg auf ein eigenes großes Bad womöglich verzichten muss. Das ist nicht schön, aber angesichts der finanziellen Lage nicht unwahrscheinlich. Dass es sich dann dennoch leben lässt, haben andere Städte bereits vorgemacht.