Saarpfalz-Kalender: Vertrautes mit neuen Augen sehen

Saarpfalz-Kalender : Vertrautes mit neuen Augen sehen

Zum Jubiläum „200 Jahre Saarpfalz-Kreis“ ist ein Kalender mit historischen Bildern zur Bayern-Zeit erschienen.

„Herzlich willkommen zu einer Zeitreise in die bayrische Vergangenheit der Saarpfalz“, so begrüßt der neue Kalender der Saarpfalz-Touristik und der Kreissparkasse Saarpfalz die Leserin beziehungsweise den Leser. Das Thema des alljährlich erscheinenden Produkts lautet für 2018 nämlich „200 Jahre Saarpfalz-Kreis“.

Das geht auf folgende Historie zurück: Im Jahr 1816 eignete sich Bayern durch das so genannte Besitzergreifungspatent auch linksrheinische Gebiete an, zu denen eben auch der heutige Saarpfalz-Kreis gehörte; 1818 trat die neue Verwaltungseinteilung in Kraft. Von der bayrischen Zeit zeugen heute noch viele Baudenkmäler, die heute für Verwaltungen, Bibliotheken oder Geschäfte genutzt werden – oder einfach leer stehen. Auch einige Kirchengebäude stammen aus dieser geschichtsträchtigen Zeit.

Diese Denkmäler bebildern den Kalender, fotografisch hervorragend eingefangen von Historiker Martin Baus. Dabei erstaunt der Umstand, wie neu und noch nie so erkannt manch Alltägliches wirkt. „Wenn Leute sich die Bilder anschauen, höre ich immer den schönen Satz: ‚Das han ich jo noch nie gesieh‘ – das ist für uns die Bestätigung, dass es uns gelungen ist, etwas so darzustellen, dass man es nicht sofort erkennt, obwohl man täglich dran vorbeigeht“, sagte Baus, der hauptberuflich bei der Siebenpfeiffer-Stiftung beschäftigt ist.

Tatsächlich schärfen die Fotos den Blick des Betrachters, der dann etwa die neoklassizistische Fassade des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums erstmals bewusst wahrnimmt. Oder man schaut genauer hin und entdeckt die Ornamente und Blumengirlanden der Eisenpfeiler am St. Ingberter Bahnhof.

Die Texte zu den Bildern wurden von Kunsthistorikerin Jutta Schwan verfasst. Darin erfährt man beispielsweise, dass der Bexbacher Bahnhof das älteste erhaltene Empfangsgebäude im Saarland ist und ursprünglich Endstation der Ludwigsbahn war.

Oder dass die Bavaria-Figur am ehemaligen gleichnamigen Gasthaus in Bexbach im Gegensatz zu ihrem berühmten Müncnher Vorbild kein Schwert und kein Bärenfell trägt. Aber auch die Maximiliansäule in Blieskastel, die Homburger Kirche St. Michael, der Altstadter Glockenturm oder die protestantische Kirche in Bexbach sind Zeugnisse der bayrischen Zeit, die 1919 zu Ende ging.

Zur Präsentation des Kalenders in der Hauptgeschäftsstelle der Kreissparkasse Saarpfalz in der Homburger Talstraße waren gestern Morgen Vertreter der Kommunen im Landkreis erschienen. Landrat Theophil Gallo freute sich über die gute Resonanz auf den Kalender. Dieser lasse sich zeigen und diene „zur Schärfung des Bewusstseins für unser kulturelles Erbe“.

Gallo wies auch auf die Ausstellung hin, die derzeit um Rathaus Mandelbachtal in Ormesheim zu sehen ist, die ebenfalls Martin Baus’ Fotografien der Gebäude aus bayrischer Zeit zeigt. „Das sieht im Original noch besser aus als im Kalender“, meinte dazu der Bürgermeister des Mandelbachtals, Gerd Tussing. Zum fünften Mal wurde nun schon ein Kalender dieser Art herausgebracht, wie Sparkassendirektor Armin Reinke erzählte. „Das ist fast schon ein Traditionstermin“, sagte er. „200 Jahre Saarpfalz-Kreis sind es auch wert, dass man einen Kalender dazu herausbringt.“

Der Kalender werde von der Kreissparkasse Saarpfalz an ihre Kunden als auch von den Städten und Gemeinden an alle Bürger verteilt, sagte Katrin Thieser von der Saarpfalz-Touristik, bei der der Kalender ebenfalls erhältlich ist. Mit einer Auflage von 11 500 Stück wird er wohl eine weite Verbreitung finden – ob auch bis zu Horst Seehofer nach Bayern, wusste Gallo auf eine nicht ganz ernst gemeinte Nachfrage allerdings nicht zu sagen.