1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Verschäfte Bedingungen in Gymnasien in Homburg nach der Wiederöffnung

Kostenpflichtiger Inhalt: Gymnasien in Homburg vor dem Neustart : Ein Schulbeginn mit Unsicherheit

Am 4. Mai soll der Schulbetrieb für die Zwölferklassen langsam wieder anlaufen. Noch fehlen wichtige Hygiene-Artikel in den Schulen.

Der Zollstock ist derzeit das wichtigste Instrument von Schulleiter Wolfram Peters. Denn bevor er sich konkret zum geplanten, vorsichtigen Schulbeginn am 4. Mai äußern möchte, braucht er Gewissheit, ob an seiner Schule, dem Mannlich-Gymnasium, auch alles so passt, wie es vorgeschrieben ist.

„Da sind zunächst die zwei Meter Abstand zwischen allen Schülerinnen und Schülern, die wir auf alle Fälle garantieren müssen“, sagt Peters. Da er nicht nur Schulleiter, sondern auch Mathematiklehrer ist, hat er schon im Kopf, wie die beste Verteilung aussehen wird: „Wenn wir die Bänke in der Anordnung von gleichseitigen Dreiecken aufstellen, haben wir die optimale Raumnutzung bei größtmöglichem Abstand.“

Auf die Frage, ob die Schule für den 4. Mai optimal gerüstet sei, kann Peters vorerst nur mit den Schultern zucken: „Wir haben derzeit weder Masken noch Desinfektionsmittel bekommen.“ Er hofft, dass diese wichtigen Dinge noch rechtzeitig eintreffen, denn bestellt habe er sie schon seit Wochen. Ansonsten sei die Ausstattung der Schule gut: es gebe überall Waschbecken, auch in den Klassenräumen, „und mit ausreichend Seife können wir natürlich auch dienen.“

Der Unterricht, der vorerst nur für die Zwölferklassen anläuft, wird noch einmal den Abitur-Stoff behandeln. Die Lehrer werden einen eigenen Schutzbereich bekommen, wobei dann, pädagogisch wertvoll oder nicht, der gute alte Frontalunterricht nicht zu umgehen sein wird. Aber von allen Zumutungen, die die Schüler derzeit beklagen, dürfte dies wohl die geringste sein.

Lehrer, die einer Risiko-Gruppe angehören, brauchen nicht zu kommen, „wir denken über eine Art Schichtdienst nach“, sagt Peters, „damit unsere Räume nicht zu voll werden und die zur Verfügung stehenden Lehrkräfte zeitlich genügend Spielraum haben.“ Das macht die Erstellung eines Notfall-Stundenplans nicht gerade einfach, „wir müssen auch eine Bedarfsermittlung durchführen. Das heißt, wir wollen natürlich vermeiden, dass am Ende nur ein Schüler einem Lehrer gegenübersitzt“.

Die Rückkehr der Zwölferklassen in den Schulbetrieb ist für das gesamte Saarland auch ein Probelauf, um zu testen, wie es wird, wenn das normale Leben mitsamt des Schulbesuchs ganz langsam wieder hochgefahren wird. Obwohl sich viele Abiturienten über die derzeitige Situation beklagen – von heute auf morgen abgebrochener Schulbesuch, keine Arbeitsgruppen zur Abi-Vorbereitung möglich, kein passendes Lernumfeld zu Hause – findet Wolfram Peters, dass sie bezüglich des Lernstoffes noch verhältnismäßig gut wegekommen seien: „Es fielen unterm Strich nur knapp zwei Wochen Unterricht aus, mehr haben sie nicht versäumt. Und sie hatten jetzt fünf Wochen Vorbereitungszeit. Ich finde, die Elfer-Klassen hat es da massiver getroffen.“

Denn denen fehle wirklich relevanter Unterrichtsstoff, „bei den Abiturienten hätte man in den wenigen noch verbleibenden Tagen bis zum Abitur ohnehin nur noch einige Dinge wiederholt, aber die Elfer-Klassen haben da jetzt ein Loch von ganzen fünf Wochen, das man sich nicht ohne weiteres zu Hause erarbeiten kann.“ Denn die Abiturnote setze sich zu zwei Dritteln aus den während der Schulzeit erbrachten Noten zusammen, „es sind vier Halbjahre, die zählen“, so Peters, „das heißt, jedes Halbjahr ist ein halbes Abitur“. Und damit seien die Elfer-Klassen nun ins Hintertreffen geraten.

Ein Abitur müsse sich auch immer an den Anforderungen messen lassen, die die Jahrgänge zuvor zu bestehen hatten, beziehungsweise an den Aufgaben, die nachfolgende Klassen zu bewältigen haben. Da sieht Wolfram Peters „keine eklatante Ungerechtigkeit gegenüber den gegenwärtigen Abiturienten.“

Lediglich beim Sport-Abitur werde es eng, so Peters weiter. Die Ballsportprüfung könne nicht abgenommen werden, „da wir keine Gruppen erlauben dürfen“ und beim Geräteturnen habe er große Bedenken: „Dafür braucht man Übung und muss immer im Training bleiben. Das konnte in der gegenwärtigen Situation nicht gewährleistet werden. Ich möchte nicht dabei sein, wenn sich der erste Kandidat die Schulter auskugelt.“

Nun hoffen Wolfram Peters und auch seine Kollegen Jürgen Mathieu vom Saarpfalz-Gymnasium und Oliver Schales vom Gymnasium Johanneum, dass sie die kommenden Wochen ohne Corona-Ansteckungen an ihren Schulen überstehen werden. Denn die ganze Sache steht doch noch auf wackeligen Füßen.