1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Homburg

Universitätsklinikum Homburg: 840 Millionen Euro sollen verbaut werden

Zukunft des Universitätsklinikums : Zukunftsprojekt Uniklinikum: Für was in Homburg 840 Millionen Euro verbaut werden sollen

Seit 2009 läuft ein Zukunftsprojekt fürs Saar-Universitätsklinikum in Homburg. 140 Millionen Euro flossen schon in Neu- und Umbauten. Doch es ist lange noch nicht Schluss.

Aktuell steht das saarländische Universitätsklinikum in Homburg (UKS) natürlich unter dem Druck der wieder anschwellenden Corona-Pandemie vor allem als Haus der Supra-Maximalversorgung im Fokus der Öffentlichkeit. Diese Einordnung beschreibt das Leistungsspektrum des Klinikums.

Aber UKS und Campus haben noch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: Es gibt wohl kaum einen Ort im Saarland, an dem Baugeschichte aus mehr als einem Jahrhundert so verdichtet zu finden ist wie auf dem Gelände an der Kirrberger Straße. Und es gibt wohl kaum einen Ort, an dem in jüngerer Vergangenheit so viel in Baumaßnahmen investiert wurde und in Zukunft werden wird. Deutlich mehr als 800 Millionen Euro sollen in den kommenden zehn bis 15 Jahren an der Kirrberger Straße umgesetzt werden. 140 Millionen Euro davon wurden schon investiert.

Als Keimzelle „Landeskrankenhaus“ in Pavillon-Struktur errichtet, findet dabei zunehmend eine Zentralisierung von Funktionen statt. Aktuellstes Beispiel hier: Der Neubau eines hochmodernen Hörsaal-, Seminar- und Bibliotheksgebäudes an zentraler Stelle auf dem Areal (wir berichteten). Die Kosten hierfür beliefen sich auf etwas über 18 Millionen Euro. Nur einen Steinwurf von dieser neuesten Errungenschaft findet sich als historisches Gegenstück das alte Bibliotheksgebäude. Im Giebel-Mauerwerk ist dort die Jahreszahl 1909 zu lesen. Das steht für das Gründungsdatum der „Dritten Pfälzischen Heil- und Pflegeanstalt“ als Wurzel des heutigen Universitäts-Klinikums. Sowohl Bibliothek als auch die Klinik-Kirche, beide stehen heute unter Denkmalschutz, künden vom Jugendstil.

1922 wurde die Anstalt in das Landeskrankenhaus für das neu gebildete Saargebiet umgewandelt. Nach dem Krieg war das heutige Universitätsklinikum 1947 Ort der Gründung der Universität des Saarlandes als Partneruniversität von Nancy. Seitdem sind viele Jahre vergangen. Alle Studienbereiche außer der Medizin und Zahnmedizin siedelten nach Saarbrücken um. Was blieb, entwickelte sich in der Folge zum größten Krankenhaus in der Region und Sitz der medizinischen Fakultät der Saar-Uni. Und diese Zweiteilung gilt es durchaus zu beachten, wenn man sich die in den zurückliegenden Jahren entstandenen Neubauten anschaut. Nicht alles firmiert unter „Universitätsklinikum“, nicht alles unter „Medizinischer Fakultät“. So gehört der Neubau der Inneren Medizin (Imed) zum Universitätsklinikum, das neue Hörsaalgebäude zur Medizinischen Fakultät.

Nun waren es einige solcher Neubauten, die in den zurückliegenden Jahren das Antlitz des gemeinsamen Standortes von UKS und Campus verändert haben. So bilden Imed, Hörsaalgebäude, aber auch Forschungseinrichtungen wie das „Center for Integrative Physiology and Molecular Medicine“, kurz kryptisch CIPMM, die Gegenwart ab. Das alte Bibliotheksgebäude steht für die Anfänge. Zwischendrin finden sich nahezu alle Bau-Epochen seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Funktionale bis eindeutig hässliche Gebäude der 1970er ebenso wie schmucke Architekturleistungen der Jahre davor und danach. Von oben betrachtet ist dabei die ursprüngliche Pavillon-Struktur der früheren Pfälzischen Heil- und Pflegeanstalt noch immer zu erkennen.

Nun stehen noch viele weitere Bau- und Sanierungsmaßnahmen in den kommenden Jahren an. Und deren Investitionsvolumen macht deutlich, dass es die Landesregierung mit dem 2009 begonnenen „UKS-Projekt Zukunft“ wohl durchaus ernst meint. Einer, der dies immer wieder betont und in wuchtigen Zahlen beschreibt, ist Saar-Bauminister Klaus Bouillon. Zuletzt bei der Einweihung des Hörsaal-, Seminar- und Bibliotheksgebäudes listete der Minister auf, was an Bauprojekten und Millionensummen in der Zukunft so im Raum steht. „Es wird deutlich, dass wir seit einigen Jahren die Baumaßnahmen vorantreiben.“ Bei den Neu- und Umbauten der Bibliothek, der Anatomie, der Rechtsmedizin, der Physiologie, der Strahlentherapie, der Kinder- und Jugendpsychiatrie habe man in den vergangenen Jahren rund 140 Millionen Euro investiert. „Das zeigt, dass die Investitionsinitiative greift“, so Bouillon.

Nun gehe die Arbeit weiter. Und als Ausblick auf die anstehenden Maßnahmen für die kommenden zehn bis 15 Jahre nannte der Bauminister die Zahl von weiteren rund 700 Millionen Euro als Investitionssumme. „Zur Zeit läuft der Forschungsbau des Präklinischen Zentrums für Molekulare Signalverarbeitung.

Weitere Großprojekte stehen vor der Tür: Ersatzneubau Prosektur und Präparation mit über 30 Millionen Euro. Sanierung des Mensagebäudes mit über 30 Millionen Euro. Drei Millionen Euro für die Sanierung des Gebäudes 65, Neubau der Kieferorthopädie mit zwölf Millionen Euro. Und nicht zu vergessen das neue Neurozentrum. Hier werden rund 400 Millionen Euro zu investieren sein.“ Mit diesen Investitionen, da zeigte sich Klaus Bouillon sicher, werde der internationale Ruf des Universität-Standortes Homburg weiter gestärkt.

Eben dieser Standort wird also in den nächsten eineinhalb Jahrzehnten sein Gesicht weiter verändern. Den weitläufigen Charakter wird das Areal dabei aber wohl nicht verlieren. Und auch das Naturverbundene wird wohl erhalten bleiben – auch das ein Relikt aus den Anfangszeiten als Pfälzische Heil- und Pflegeanstalt. Und heute nicht nur nebenbei erwähnenswert: Überall blüht und grünt es zwischen den Kliniken und Instituten. Spielplätze, kleine Gärten und noch viel mehr Gestalterisches in den Außenbereichen geben dem Gelände – trotz der zahlreichen Baumaßnahmen und Veränderungen der zurückliegenden Jahre – immer noch mitunter fast den Charakter eines Parks.

 Die alte Bibliothek erinnert an die Anfänge des heutigen UKS als „Dritte Pfälzische Heil- und Pflegeanstalt“ im Jahr 1909.
Die alte Bibliothek erinnert an die Anfänge des heutigen UKS als „Dritte Pfälzische Heil- und Pflegeanstalt“ im Jahr 1909. Foto: Thorsten Wolf

Dem sind sich nicht wenige bewusst. Wer an einem Sonntagmorgen auf dem Gelände unterwegs ist, der trifft so manchen, der das UKS auch als Ort der Entspannung wahrnimmt. Dass zudem nicht wenige offizielle Wanderwege hier entlangführen, tut sein Übriges.