Uniklinikum in Homburg plant eine Frauenmilchbank zu installieren

Kostenpflichtiger Inhalt: Geplante Frauenmilchbank am Uniklinikum : Muttermilch tut allen Babys gut

Am Uniklinikum Homburg ist geplant, eine Frauenmilchbank zu installieren. Wie früher von der Amme, bekommen Babys Milch.

Die Steinzeitmutter hatte keine Wahl. An ihrem Wochenbett erschien keine freundliche Hebamme mit der Frage, ob sie stillen wolle oder nicht. Sie stillte – und das, so lange es ging. Denn die Nahrung, die der Steinzeitmann heranschleppte, war nicht unbedingt auf Kleinkinder abgestimmt. Und hygienischer als das Lagerfeuer war das Stillen allemal. Kurzum, die Menschheit ist auch deshalb noch da, weil Kleinkinder gestillt wurden. Nun muss nicht alles gut sein, was vor 20 000 Jahren mal üblich war. Aber elementare Dinge wie das Stillen haben noch heute ihren Bestand.

Am Mittwoch fand am Uniklinikum in Homburg ein Still-Symposium statt. Der Themenkomplex „Stillen“ bringt viele Fachrichtungen zusammen: von Hebammen und Kinderkrankenpflege über Kinder- und Frauenärzte bis hin zur sozialmedizinischen Nachsorge. Die Organisatoren des Symposiums haben für diese breite Zielgruppe ein umfangreiches Programm mit Experten unterschiedlichster Disziplinen zusammengestellt. Die Grußworte zu Beginn sprach die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann.

Grund genug, einmal nachzufragen, wie es mit der Einstellung zum Stillen derzeit aussieht. Susanne Mack, Leiterin der Hebammen-Schule am Uniklinikum in Homburg, kann die offiziellen Zahlen bestätigen: „Also, die Stillrate liegt nach der Geburt zwischen 80 und 100 Prozent. Am Uniklinikum haben wir die Erfahrung gemacht, dass vier von fünf Frauen stillen wollen.“ Allerdings sei neben der Stillrate ein zweiter Punkt wichtig: Wie nachhaltig ist der Vorsatz? „Erfahrungsgemäß hört über ein Drittel der Frauen nach drei Monaten auf, das Kind zu stillen. Oft bleiben von den vier stillenden Müttern nur noch zwei übrig, die über drei Monate hinausgehen.“

Die Gründe dafür seien vielfältig, oft fühlten sich junge Mütter, die vorher berufstätig waren, zu Hause gleichzeitig über- und unterfordert, „sie haben das Gefühl, dass ihre Welt sich nur noch um Babywindeln und um Stillzeiten dreht, deshalb wollen sie oft das Stillen absetzen“. Ein weiterer Grund sei, dass viele Mütter verunsichert seien über die Mengen, die das Kind trinke, „manche Mütter fühlen sich sicherer, wenn sie die Mengen abmessen können und somit genau wissen, wieviel Gramm das Kind zu sich genommen hat“. Dies sei allerdings unnötig, „denn schon nach kurzer Zeit stellen sich Mutter und Kind genau aufeinander ein, die Mutter produziert so viel Milch, wie das Kind braucht.“

Susanne Mack rät, dass Mütter mindestens vier Monate stillen sollten, am besten etwas länger: „Nach sechs Monaten kann man dann ein bisschen Gemüse zufüttern oder etwas anderes zu trinken geben. Aber das heißt aber nicht, dass das sein muss. Die Nährstoffe in der Muttermilch reichen bis dahin noch vollkommen aus.“

Einerseits empfehlen Hebammen allein vom Fachwissen her den Müttern das Stillen, andererseits bringe es aber nichts, Mütter dazu zu zwingen. „Frauen, die von Anfang an sagen, sie wollen nicht stillen, die wollen wir auch nicht dazu überreden.“ Meist sei diese Entscheidung schon lange vor der Geburt gefällt worden und müsse respektiert werden: „Außerdem bringt es ja nichts, die Mütter zum Stillen zu zwingen, wenn sie das Stillen zu Hause dann sofort absetzen. Damit wird alles nur noch komplizierter,“ findet Susanne Mack. Und dann gibt es natürlich noch Mütter, die gerne stillen würden, aber nur sehr wenig Milch produzieren.

Hier, so Susanne Mack, könne man Abhilfe schaffen, denn der Leiter der Klinik für Pädiatrie und Neonatologie, Professor Michael Zemlin, plane eine so genannte Frauenmilchbank. Im Grunde ist es die Wiederbelebung der guten alten Amme, die früher in Haushalten dafür eingestellt wurde, die Kinder der Herrschaft möglichst lange zu stillen. „Manche Frauen haben sehr viel Milch und wären froh, sie abgeben zu können, andere haben kaum welche, da bietet es sich an, hier eine Art Austausch zu schaffen.“ Zum Thema Muttermilch ist vom Uniklinikum also noch einiges zu erwarten.

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