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Uniklinik Homburg: Patientin stinksauer nach Behandlung – Klinikum äußert sich

Beschwerde bei Ministerin Bachmann : Patientin sauer nach Behandlung – Uniklinik Homburg äußert sich

Streit um die Corona-Regeln am Uniklinikum: Eine ältere Dame mit Behinderung wurde aus dem Foyer hinauskomplimentiert – sie musste in der Winter-Kälte aufs Taxi warten. Sie hat sich nun beschwert, auch bei Ministerin Bachmann. Was sagt das Uniklinikum Homburg?

Keine Frage, die Corona-Verordnungen treiben oftmals kuriose Blüten, etwa im Restaurant: Restaurantbesucher müssen 2-G-plus-Status haben, aber diejenigen, die  sich nur ihr Essen abholen, müssen zwar geimpft oder genesen, aber nicht getestet sein. Wenn man die Abhol-Regeln genau nimmt, müssten die Abholer deshalb auch draußen warten und dort ihr Essen entgegennehmen.

Ganz genau nimmt es das Uniklinikum mit den Regeln, das kürzlich einer älteren Dame mit körperlichen Einschränkungen den Aufenthalt im Foyer von Klinikgebäude 41 (Innere Medizin) verweigerte, weil es die Corona-Regeln so vorschreiben. Das führte zu einem ziemlichen Aufruhr, zumal die 68-jährige Karin Wagner aus Schiffweiler sich diese Behandlung nicht gefallen lassen wollte.

Was war vorgefallen? Karin Wagner ist schwerbehindert und hat vor zwei Jahren eine neue Niere bekommen. Sie muss regelmäßig zur Kontrolle ins Uniklinikum:  „Das ist eine ambulante Routine-Behandlung, danach rufe ich immer mein Taxi an und fahre nach Hause. Im Schnitt dauert das Warten eine halbe Stunde, mal weniger, manchmal auch länger.“

Bisher war es so, dass Karin Wagner immer problemlos im geheizten Foyer  von Gebäude 41 auf ihr Taxi warten konnte. Doch diesmal war alles anders. „Ich bin ins Foyer gegangen und wollte mich mit entsprechendem Abstand dort niederlassen und wie immer auf das Taxi warten.“

Als sie gerade aus dem Fenster nach dem Auto Ausschau  hielt, kam ein Mann vom Sicherheitsdienst auf sie zu und forderte sie auf, die Räumlichkeit sofort zu verlassen und sich nach draußen zu begeben. Karin Wagner traute ihren Ohren nicht: „Es herrschten gerade mal zwei Grad und Nebel draußen, ich bin anfällig gegen Erkältungen  und passe dementsprechend auf. Und nun sollte ich eine halbe Stunde vor die Tür gehen und in der Kälte herumstehen?“

Karin Wagner sah nicht ein, der in ihren Augen völlig unsinnigen Aufforderung Folge zu leiten: „Ich bin dreifach geimpft, getestet und bin wohl die Letzte, die im Foyer Corona verbreitet“, schildert sie die Situation gegenüber unserer Zeitung, „aber meine Argumente fruchteten nicht. Der Sicherheitsmann  sagte, er müsse die Regeln befolgen und drohte mir sogar mit der Polizei, wenn ich nicht augenblicklich das Foyer verließe“.

Am liebsten, so die empörte Frau aus Schiffweiler, hätte sie es darauf ankommen lassen: „Dann soll doch die Polizei eine 68-jährige Patientin abführen, die sich aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht auch noch eine Lungenentzündung holen möchte.“ Dazu kam es dann nicht mehr, denn das Taxi erschien auf der Bildfläche, und Karin Wagner verließ nun freiwillig das Foyer. Aber geärgert hat sie sich mächtig. Vor allem auch angesichts der übrigen Patienten, denen es kaum besser ergehen dürfte: „Wenn jemand frisch operiert ist und soll mit seinem Köfferchen wieder nach Hause fahren, schickt das Uniklinikum   diese Leute dann auch in die Kälte oder in den strömenden Regen?  Damit sie in ein paar Tagen noch kranker wiederkommen?“

Karin Wagner hat sich umgehend beim Uniklinikum beschwert. Auch an Gesundheitsministerin Monika Bachmann hat sie einen Brief geschrieben: „Ich finde, so geht das nicht. So kann man nicht mit Patienten umgehen. Und die  Hinweise, man solle sich doch dicker anziehen, halte ich für eine Frechheit. Man schickt nicht alte, behinderte oder gebrechliche Leute in die Kälte, weil man Angst vor einer Corona-Ausbreitung im Foyer hat – noch dazu von Leuten, die nachweislich alle mehrfach geimpft und getestet sind.“  Frau Wagner bekam vom Klinikum die Antwort, man habe sich gemäß der neuen Bestimmungen korrekt verhalten: Patienten dürften in dieser großen Halle nicht mehr warten. Und auch auf Nachfrage unserer Zeitung ergab sich kein anderes Bild. „Unsere Pforten und auch der Sicherheitsdienst haben die Anweisung, auf die Einhaltung der Abstände zu achten und Gruppenbildungen zu vermeiden und alle Personen darauf hinzuweisen, dass sie nicht in der Vorhalle der Inneren Medizin verweilen dürfen“, heißt es in einer Mitteilung des Uniklinikums.

„Gerade als Krankenhaus unterliegen wir einem besonderen Hygienekonzept. Dies vor dem Hintergrund, dass wir in der aktuell sehr angespannten Situation – wir befinden uns mitten in der vierten Corona-Welle – alle unsere Patientinnen und Patienten bestmöglich vor Ansteckungen mit dem Coronavirus schützen müssen. Dies können wir nur erreichen, indem wir Menschenansammlungen in der Vorhalle der Inneren Medizin vermeiden“, heißt es weiter.

Und die Klinikleitung bittet um Verständnis, „dass dies zu Ihrer eigenen und unser aller Sicherheit geschieht. Daher bitten wir auch darum, möglichst pünktlich zum vereinbarten Termin zu erscheinen und die Klinikgebäude nach der Sprechstunde oder Behandlung sofort wieder zu verlassen.“ Ein von Karin Wagner formulierter Brief liegt nun beim  Beschwerdemanagement des Uniklinikums. Von dort hieß es: „Wir sind uns der Problematik bewusst, dass jetzt in der Winterzeit verstärkt mit schlechtem und kaltem Wetter gerechnet werden muss. Wir sind dabei, hier Lösungen zu schaffen und die Situation zu entzerren.“ Nun darf man gespannt sein, wie diese Lösungen aussehen werden.

 Aufgrund verschärfter Corona-Regeln ist es verboten, sich im Foyer der Inneren Medizin am Uniklinikum aufzuhalten.  Doch wo sollen die Patienten hin, wenn sie warten müssen? Vielleicht kommt ja noch eine Lösung.
Aufgrund verschärfter Corona-Regeln ist es verboten, sich im Foyer der Inneren Medizin am Uniklinikum aufzuhalten.  Doch wo sollen die Patienten hin, wenn sie warten müssen? Vielleicht kommt ja noch eine Lösung. Foto: Eric Kolling

Karin Wagner findet das Verhalten in hohem Maße unsozial und auch unmenschlich: „Die Leute stehen nach einer Behandlung draußen in der Kälte und im Regen und zittern. Die Uni-Klinik produziert sich damit ihre eigenen Patienten. Dass so etwas noch im  Jahr 2021 möglich ist, übersteigt meine Vorstellung. Ich kenne solche Zustände nur noch von  alten Erzählungen vom Krieg.“