Umfrage: Studenten wären in Kirkel willkommen

Kirkel · 75 Prozent der Teilnehmer an einer SZ-Umfrage würden es begrüßen, wenn die Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) ihre neue Bleibe vorübergehend in Kirkel finden würden. Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, gibt aber einen deutlichen Hinweis an die Politik.

 Die ehemalige Praktiker-Zentrale in Kirkel ist in Landesbesitz. Ob hier aber tatsächlich bald Studenten unterrichtet werden, steht derzeit in den Sternen. Foto: Thorsten Wolf/SZ

Die ehemalige Praktiker-Zentrale in Kirkel ist in Landesbesitz. Ob hier aber tatsächlich bald Studenten unterrichtet werden, steht derzeit in den Sternen. Foto: Thorsten Wolf/SZ

Foto: Thorsten Wolf/SZ

Seit Wochen streiten die Parteien in der Burggemeinde Kirkel über das Thema Nachnutzung des leer stehenden Praktiker-Gebäudes in Kirkel-Neuhäusel. Fordert die CDU vehement, die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW ) hier anzusiedeln, wiegeln die Sozialdemokraten mit Bürgermeister Frank John an der Spitze eher ab. Sie hätten gern eine "langfristige Lösung", wenngleich sie einen alternativen Vorschlag zur HTW bislang schuldig geblieben sind. Auch in der Landeshauptstadt wird die Thematik diskutiert - mit einer deutlichen Tendenz, die Studenten in Saarbrücken halten zu wollen. Sowohl in der Regierungskoalition als auch in den Uni- und HTW-Gremien gibt es wohl keine Mehrheiten für Kirkel . Dennoch ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Falls es doch zum einem Umzug nach Kirkel käme, gehen die Verantwortlichen von einem Verbleib in der Burggemeinde von mindestens zehn Jahren aus.

Die Saarbrücker Zeitung wollte jetzt in einer Umfrage wissen, wie die Leute vor Ort das Thema einschätzen. Und da eine Hochschule eine große Strahlkraft hat, haben wir Leser aus dem gesamten Saarpfalz-Kreis befragt. Das Ergebnis war mehr als eindeutig: Geht es nach den Saarpfälzern, dann brauchen sich die Saarbrücker Verantwortlichen in Politik und Wissenschaft keine weiteren Gedanken mehr zu machen. Denn 75 Prozent der Befragten antworteten auf unsere Frage, ob die HTW-Studenten ins ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma Praktiker in Kirkel ziehen sollten, mit "Ja!" - ob kurz- oder langfristig. Lediglich zehn Prozent sind der Ansicht, dass "wir in Kirkel die Studenten nicht brauchen", antworteten also mit "Nein!". 15 Prozent antworteten mit "Weiß nicht". Ebenso deutlich fiel das Ergebnis unserer zweiten Frage aus. Wir wollten wissen: "Ist Kirkel geeignet für Studenten ?". Auch hier antworteten 75 Prozent mit "Ja, Kirkel bietet gute Anbindungen und ein ansprechendes Umfeld". 25 Prozent sind eher der Ansicht: "Nein, Kirkel liegt für Studenten zu abseits und ist nicht gut erreichbar".

Die SZ-Umfrage ist nicht repräsentativ, sie gibt aber durchaus einen deutlichen Fingerzeig, wie die Saarpfälzer die Wichtigkeit des Themas einschätzen. 144 Leser aus dem Kreis wurden von uns befragt, darunter auch etliche Kirkeler, die ja direkt von einem Umzug betroffen wären. Einen bunten Strauß an Antworten lieferten die Leser auf unsere Frage "Was versprechen Sie sich von einem Zuzug der Studenten ?" Was dabei häufig durchschimmerte, war die Hoffnung, dass die Gemeinde Kirkel der große Gewinner eines solchen Umzugs wäre. Gehen die einen von einer deutlichen Belebung der ländlichen Gegend aus, erwarten andere eine Verbesserung der Infrastruktur Kirkels, eine Belebung und Verjüngung der Bevölkerung mit einem einhergehenden positiven Einfluss auf Wohnungsbau, Handel, Kultur und Gastronomie. "Mehr Kaufkraft bleibt in Kirkel " war eine häufig geäußerte Meinung, "Kirkel wird eine gesellschaftliche Aufwertung erfahren" eine andere. Positiv gesehen wird unter anderem, dass mit dem möglichen Einzug der Studenten ein leer stehendes Gebäude zumindest vorübergehend sinnvoll genutzt würde und nicht verfallen muss. "Die Studenten lernen in ruhiger, überschaubarer Atmosphäre besser als im Trubel einer großen Hochschule", hieß es weiter. Außerdem eigneten sich die Räumlichkeiten des Praktiker-Gebäudes sehr gut für die Unterbringung der HTW . Saarbrücken und Homburg seien per Bahn im halbstündigen Takt angebunden.

Kritiker des Vorschlages sehen hingegen die "fehlende Infrastruktur" als Schwachpunkt Kirkels, gerade vor dem Hintergrund, was Studentenstädte ansonsten zu bieten hätten. Andere befürchten, dass es mit der HTW künftig lauter im Ort werde. Ein Leser meinte: "Es wäre kein Gewinn, schon St. Ingbert hatte Akzeptanzprobleme seitens der Studierenden".

Unsere letzte Frage lautete: "Wie könnte man das leer stehende Praktiker-Gebäude , das dem Land gehört, anderweitig nutzen?" Auch hier war ein Großteil der Auffassung, dass es ideal für die Unterbringung einer Hochschule sei. Einige Befragte schlugen darüber hinaus Firmenansiedlungen vor, andere Arztpraxen und Büroräume, wieder andere Verwaltungen von Kreis- oder Landesbehörden. Auch Seniorenunterkünfte oder ein Mehrfamilienhaus könne man sich vorstellen, hieß es, ebenso könne das Gebäude als Wohnraum für Asylbewerber oder Bürgerkriegsflüchtlinge genutzt werden. Ein Leser meinte lapidar: "Verkaufen oder sprengen!"

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