Über 100 Jahre alte Rosskastanie musste in Jägersburg gefällt werden

Kastanie war um die 150 Jahre alt : Vom stolzen Baum blieb nur der Stumpf

Über 100 Jahre stand an der Höcherstraße in Jägersburg eine Rosskastanie. Nun musste der Eigentümer sie fällen. Er wirft der Stadt vor, ihm beim Erhalt nicht genug geholfen zu haben. Die Verwaltung sieht sich aber nicht in der Pflicht.

Homburg trägt einen Baum im Wappen und versteht sich selbst auch als Stadt der Bäume. Und das kommt nicht von ungefähr, rund 43 Prozent der Gesamtfläche der Stadt ist von Wald bedeckt. Also alles im grünen Bereich? Nicht für Heiner Herz, einen gebürtigen Jägersburger, heute in der Pfalz zu Hause. In der Höcherstraße in Jägersburg nennt er noch heute ein Haus sein Eigen. Und dort davor stand einmal eine rund 150 Jahre alte Rosskastanie. Die Betonung liegt dabei auf „stand“, denn: Herz war gezwungen, diesen Baum zu fällen. Das tat er, wie im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich wurde, mit schwerstem Herzen, der Zustand des Baumes und die damit verbundenen Auswirkungen auf das direkte Umfeld ließen ihm aber wohl keine Wahl.

Nun ist es nicht so, als hätte Heiner Herz in den zurückliegenden fünf Jahren – da begann die Geschichte nämlich – nicht vieles versucht, um den Baum, der sich in seinem Eigentum befand, zu retten. Genau aus diesem Grund hatte er sich an die Stadt Homburg gewandt – im vermeintlich sicheren Wissen, dass man dort in der Vergangenheit Besitzern außergewöhnlicher Bäume schon mal beim Erhalt und der Pflege zur Seite gestanden habe – auch bei seiner Rosskastanie. „Ich rief bei der Stadt Homburg an, die bisher den Baum regelmäßig in größeren Abständen pflegte, also Ausputzen der Äste, Verbindung der tragenden Äste mittels schwerer Stahlseile, um ein Herabstürzen auf die dicht befahrene Höcherstraße zu verhindern sowie schließlich Anbringen einer Schildtafel, auf der zu lesen war: Naturdenkmal, etwa 150 Jahre alt.“

Seitens der Stadt erhielt Herz die Auskunft, dass es in der Stadt Homburg und Umgebung schon seit mehr als 15 Jahren keine Naturdenkmale mehr gebe, der letzte Baumschnitt durch die Stadt Homburg also mehr als 15 Jahre zurückliegen müsse. Und, so Herz in seiner schriftlichen Schilderungen: Der Stadt Homburg stünden für solche Maßnahmen keine Geldmittel mehr zur Verfügung. „Meine Verwunderung über diesen Paradigmenwechsel wurde von der städtischen Behörde nicht weiter kommentiert. Kurzum: Die alte Rosskastanie, ein lebendiges Zeitzeugnis aus vergangener Zeit, ein Kulturgut des Stadtteils Jägersburg, fiel durch das Raster der finanziellen Prioritätensetzung.“ So zumindest sieht es Heiner Herz.

In der Folge ließ Herz einen Ast kappen, der zu nahe am Schornstein des Hauses war, und auch den gesamtem Baum ausputzen. Das habe aber ein aggressives Wurzelwachstum zu Folge gehabt. Dies wiederum habe das Mauerwerk des Hauses im Kellerbereich eingedrückt und auch zwei Leitungen der Stadtwerke im Mitleidenschaft gezogen. Was Herz nun besonders umtreibt: „Ich bedauere vor allem, dass ich keine helfende Beratung oder einen Verweis auf kompetente Beurteilung sowie gegebenenfalls Unterstützung bekam. So bin ich schließlich in dieser Angelegenheit an die Stadtverwaltung herangetreten, habe mir die schriftliche Erlaubnis zur Fällung des Baumes eingeholt und die Maßnahme am 8. März durchführen lassen.“ Damit, so Herz‘ Vorwurf, sei durch „fehlende Kooperationsbereitschaft, mangelndes Fingerspitzengefühl und schließlich durch Akzentverschiebung hinsichtlich der politischen und kulturellen Wertigkeiten ein charakteristisches Ensemble eines gewachsenen Miteinanders von Bauernhaus mit Solitärbaum, als sozialer Treff- und Verweilpunkt, für immer aus dem Ortsbild von Jägersburg verschwunden“.

Mit schwerem Gerät ging es dem bislang zum Ortsbild gehörenden Baum an den Stamm. Foto: Heiner Herz

Bei der Stadt Homburg kennt man den Fall von Heiner Herz. Und auf Nachfrage bestätigte Pressesprecher Jürgen Kruthoff, dass es tatsächlich einmal vor vielen Jahren eine Liste mit den „100 schönsten und ältesten Bäumen“ in der Stadt gegeben habe. Kruthoff räumte auch ein, dass es in einer fernen Vergangenheit tatsächlich „laut Hören-Sagen“ Unterstützung für private Besitzer solcher Bäume gegeben habe. Die Rechtslage mache es aber schlicht unmöglich, hier helfend einzugreifen, die Stadt dürfe weder auf privatem Besitz noch an privaten Bäumen aktiv werden. Man habe für solche Vorgänge noch nicht mal eine Kostenstelle, auf der man solche Dienstleistungen abrechnen könne.

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