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Traurig ist der Heiligabend nieLeckeres Essen und kleine Geschenke

Traurig ist der Heiligabend nieLeckeres Essen und kleine Geschenke

Ein Heiligabend mit einsamen Frauen. Ist das nicht eine traurige Angelegenheit?Sabine Ullrich: Nein, ganz im Gegenteil: Mit den Frauen Heiligabend zu verbringen, kann fröhlich und besinnlich und/oder beschaulich sein, aber nie traurig. Dazu sind wir zu unterschiedlich, kennen uns nicht und haben die unterschiedlichsten Gründe, warum wir an Heiligabend alleine sind

Ein Heiligabend mit einsamen Frauen. Ist das nicht eine traurige Angelegenheit?Sabine Ullrich: Nein, ganz im Gegenteil: Mit den Frauen Heiligabend zu verbringen, kann fröhlich und besinnlich und/oder beschaulich sein, aber nie traurig. Dazu sind wir zu unterschiedlich, kennen uns nicht und haben die unterschiedlichsten Gründe, warum wir an Heiligabend alleine sind.Sie machen diese Feier schon seit vielen Jahren. Wie kamen Sie auf die Idee und wie lange möchten Sie das noch machen?Sabine Ullrich: Vor sieben Jahren entstand aus einer Zukunftswerkstatt gemeinsam mit der Frauenbeauftragten Birgit Rudolf die Idee zu einem Treffpunkt für Frauen. Daraus entwickelte sich dann das Projekt Frauencafé, und vor fünf Jahren im September wurde das Café Frauenzimmer eröffnet mit der Intension, Frauen aller "Art und Weise" aus Homburg und Umgebung, eine Möglichkeit zum Austausch, zur Information, zum Wissen und zum gemütlichen Beisammensein zu bieten. Dass wir dann auf die Bedürfnisse und Wünsche der Besucherinnen eingingen, versteht sich von selbst. So fand dann schon am 24. Dezember 2003 mein erster Heiligabend statt. Und es war von Anfang an klasse und wird mir bestimmt noch lange so viel Spaß machen, es sei denn, es gibt irgendwann keine Frauen mehr, die nicht alleine feiern wollen.Wer kommt eigentlich zu Ihrem speziellen Weihnachts-Angebot?Sabine Ullrich: Ganz unterschiedliche Frauen mit verschiedenen Hintergründen und Geschichten. In den seltensten Fällen sind die Frauen einsam. Es sind Frauen ohne Familie mit Freundeskreis, die beruflich stark eingebunden sind und am Heiligabend nichts organisieren wollen oder nicht alleine sein wollen. Dann gibt es Frauen, deren Partner gestorben ist oder die sich frisch getrennt haben, und die jetzt vor der Situation stehen, das erste Mal alleine zu feiern. Dann gibt es die ältere Frau, deren Tochter mit der Familie in Frankfurt wohnt und die nicht nach Frankfurt fahren will, weil sie gehbehindert ist. Dann gibt es die junge psychisch kranke Frau, die es zu Hause bei ihren Eltern und Geschwistern gerade an Heiligabend nicht aushält und froh ist, einen Zufluchtsort gefunden zu haben, denn bei uns gibt es keinen Streit, wenn sie nicht essen will. Sie kommt jetzt schon seit drei Jahren, ist 24 Jahre alt, die jüngste. Ob sie dieses Jahr kommt, weiß ich nicht.Und Ihre eigene Familie: Geht die nicht auf die Barrikaden, wenn Sie Heiligabend woanders verbringen?Sabine Ullrich: Nein, es ist ja dieses Jahr auch schon das sechste Mal, und es gehört für mich einfach dazu. Da ich selbst keine Kinder habe, geschieden bin und mein Partner wiederum Kinder hat, ist das immer schön aufgeteilt. Am ersten und zweiten Weihnachtstag ist dann für mich Familie angesagt. Da treffe ich mich mit meinen Geschwistern, deren Kindern und mit meiner Mutter. Schon einmal vorausgeschaut: Auf was freuen Sie sich diesmal ganz besonders?Sabine Ullrich: Ich freue mich und bin ganz gespannt auf die neuen Frauen, die ich kennen lernen darf und hoffe, dass noch Anmeldungen kommen.Homburg. Frauen, die Heiligabend im Homburger Café Frauenzimmer verbringen möchten, treffen sich regelmäßig zu einer Vorbesprechung. Dabei werde, so Sabine Ullrich, die seit Jahren Weihnachten mit einsamen Frauen feiert, der grobe Rahmen festgelegt: "Also, was wird gegessen, wer möchte einen Salat oder ein Dessert machen und mitbringen." Sie selbst richte den Raum her, decke den Tisch. Das Essen, Fondue oder heißer Stein, sei für Frauen, die Fleisch essen, und für Vegetarierinnen gleichermaßen geeignet. Jeder könne zur Feier seine Lieblings-CD mitbringen. Auch eine kleine Bescherung gebe es. Wer zu Hause kleine Dinge stehen hat, die er nicht mehr brauche, solle sie einpacken und mitbringen. Das komme dann alles an Heiligabend in einen Sack, "und es wird gewichtelt", berichtet Ullrich. Zudem wird eine Geschichte gelesen. Dann sieht das Fest unterschiedlich aus, je nachdem, wer den Weg hierher findet. Im vergangenen Jahr habe eine Frau Geige gespielt, es wurden Lieder gesungen - "alles, worauf wir Lust haben". Um 21 Uhr endet der Heiligabend im Café Frauenzimmer. Einige gingen dann noch in die Kirche, andere direkt nach Hause, berichtet Sabine Ullrich. Sie selbst werde von ihrem Partner abgeholt oder fahre zu ihm. ust

 Sabine Ullrich
Sabine Ullrich

Auf einen BlickWer Heiligabend im Café Frauenzimmer, Karlstraße (Paul-Weber-Schule), in Homburg verbringen möchte, der bekommt nähere Informationen unter Telefon (06841) 104329 oder bei Sabine Ullrich unter Telefon (06841) 170069. An Heiligabend, der in der Einrichtung um 17 Uhr beginnt, zahlen Teilnehmerinnen einen Beitrag von fünf Euro, der Rest wird über Spenden finanziert. Die Feier geht bis etwa 21 Uhr. Sie ist für alle Frauen, die an Heiligabend nicht alleine sein wollen offen. Zum Adventsnachmittag lädt das Team des Café Frauenzimmer am Mittwoch, 17. Dezember, ab 17 Uhr ein. Bei einer Tasse Tee oder Kaffee und einem Stück Kuchen wird Sabine Ullrich dieses Jahr die Geschichte "Hilfe, die Herdmanns kommen" vorlesen. Der Eintritt ist frei. Info: Tel. (06841) 120321Geöffnet ist das Café Frauenzimmer, das unter anderem Vorträge und Abende zu bestimmten Ländern und Themen veranstaltet, ansonsten mittwochs jeweils von 16 bis 19 Uhr. ust