Kostenpflichtiger Inhalt: Träume vom Urlaub : Im Januar schon vom Sommer träumen

Derzeit werden die Weichen für den Jahresurlaub gestellt. Wir fragten nach den neuesten Trends. Spanien ist teuer geworden, Albanien kommt.

Eigentlich ist der Januar ein fader Monat, die Feste sind vorbei, man stellt fest, dass man viel zu viel gegessen hat – und kalt und trüb ist es draußen auch noch. Aber man wird ja noch träumen dürfen.

Zum Beispiel von Strand und Meer, von einem Cocktail auf einer Hotelterrasse oder gar auf dem Deck eines Kreuzfahrtschiffes mit Blick ins schäumende Kielwasser. Ach, da kommt Sehnsucht auf! Und der graue Januar wird mit einem Schlag gleich viel schöner.

Wie die Reiseveranstalter bestätigen, ist der Januar der Monat, in dem sich die Wahl des Urlaubsziels verfestigt, denn die Urlaubspläne in Firmen und Betrieben sind gemacht und damit darf ein wunderbarer Teil des Urlaubs beginnen, nämlich die Sichtung der Kataloge oder der Internet-Angebote und damit natürlich auch die Vorfreude.

Wo geht’s nun 2020 hin? Der Trend geht zum Heimaturlaub, 2020 wird wohl wieder ein Rekordjahr in Folge sein, betont der Deutsche Tourismusverband. Was daran liegt, dass die Sommer in den vergangenen Jahren in Deutschland wärmer und länger wurden, was die Nord- und Ostseeküste attraktiver macht. An einer Aufstockung der Bettenzahl und der Neueröffnung mehrerer Hotels kann man dies leicht ablesen. Besonders im Luxussektor haben Sylt und die Ostseebäder noch einmal zugelegt. Deutschland sei für Deutsche nun mal das Urlaubsland Nummer eins, gefolgt von Spanien, Griechenland und Österreich, so der Deutsche Tourismusverband weiter.

 „Wir hatten einen tollen Jahresanfang“, freut sich Manuela Welker vom Homburger Reisebüro Sonnenklar, „die Kunden nehmen unsere Frühbucherrabatte gerne an, vor allem Familien, die Buchungssicherheit brauchen“. Die Frühbucherrabatte gehen noch bis Ende Januar, „ich bin mir sicher, dass viele Leute deshalb noch in den nächsten Tagen buchen wollen“.

Das sei auch notwendig, nicht nur wegen der Rabatte, sondern weil begehrte Urlaubsdestinationen schon jetzt kaum noch freie Plätze zur Verfügung hätten. „Auf Mallorca, auf den Aida-Schiffen und in manchen begehrten Ferienclubs wie Aldiana ist für diesen Sommer kaum noch etwas zu bekommen. Was zu einigermaßen günstigen Preisen auf dem Markt war, ist schon weg.“

Griechenland sei in diesem Jahr wieder sehr gefragt, „mehr noch als die Türkei“, ebenso Kroatien und Ägypten. Das sei, so vermutet Welker, vor allem eine Preisfrage, „denn in diesen Ländern bekommt man natürlich viel mehr fürs Geld als beispielsweise in Spanien“.

Gerade Spanien sei in diesem Jahr spürbar teurer geworden, „Spanien ist kein Billigziel mehr, man merkt schon, dass man in einem Euro-Land ist mit hohem Standard.“ Am unteren Ende der Preisskala, aber „sehr im Kommen“, sei derzeit Albanien, „nicht so sehr für Familien, eher für Paare. Aber Albanien wird sich etablieren“, vermutet die Reiseexpertin.

Riesiger Beliebtheit erfreuten sich nach wie vor die Kreuzfahrten. „Kreuzfahrten werden extrem früh gebucht und ganz bewusst geplant, auch finanziell. Oft wird ein Jahr darauf hin gespart.“ Bei näherer Betrachtung und beim Preisvergleich würden viele Kunden feststellen, dass sie bei einer Kreuzfahrt oftmals das bessere Preis-Leitungsverhältnis bekämen als in einem Hotel. Und wer einmal eine Kreuzfahrt gemacht habe, der komme immer wieder, „das sind Wiederholungstäter“.

Und was geht sonst noch? Fernreisen haben immer ihre Stammkundschaft, in diesem Jahr sei vor allem Afrika das Traumziel, sagt Manuela Welker, „vor allem Namibia, Gambia und Kenia“. Der Boom mit den Reisen nach Südostasien sei etwas eingebrochen, Australien sei wegen der Feuerkatastrophe völlig aus dem Reisemarkt gefallen, „und das bis zum Jahresende und darüber hinaus“.

Die Emirate seien ebenfalls beliebt, Dubai als Städtereise, Abu Dhabi oder der Oman durchaus als Urlaubsziele. Aber man möge sich keine Illusionen über die Preise machen: „Die Emirate sind sehr hochpreisig, da gibt es keine Billigangebote.“ Deshalb rät Welker dazu, dort Hotels mit Halbpension zu buchen, weil jeder Restaurantbesuch außerhalb heftig zu Buche schlage.

Auch bei Südamerika gebe es Trends, noch bis vor einigen Jahren sei Mexiko total gefragt gewesen, „aber das ist rückläufig. Statt dessen wollen die Kunden verstärkt nach Costa Rica oder nach Peru“. Costa Rica sei bekannt für seine Strände, Vulkane und biologische Artenvielfalt. „Da sind viele Dokus über die geschützten Dschungelgebiete im Fernsehen gelaufen, über zahlreiche Tiere wie Klammeraffen und Quetzale. Das wollen die Leute gerne mit eigenen Augen sehen.“

Was hat sich geändert gegenüber 2019? Man spüre schon den Wegfall des großen Anbieters Thomas Cook, der bekanntlich in die Insolvenz ging, so Welker. Das habe eine deutliche Verknappung des Angebots zur Folge, denn viele ehemalige Cook-Vertragshotels würden jetzt ohne Großveranstalter im Rücken ihre Angebote auf Buchungsplattformen selbst vermarkten und seien damit aus dem Pool der großen Reiseveranstalter herausgefallen.

Die einen fahren in die Berge, für die anderen gehören versteckte Buchten und klares Meerwasser, wie hier an der Cote d’Azur, zum Urlaubsfeeling. Foto: Christine maack

Und was ist mit Klimaschutz, „Flugscham“ und diversen grünen Appellen ans schlechte Gewissen? Das, so sagt die Reiseexpertin, sei kein Thema bei den Kunden. Allerdings könne sie da nur für sich sprechen: „Die Kunden, die in ein Reisebüro kommen, kommen ja, weil sie gerne verreisen wollen, und nicht, weil sie eine Reise als unmoralisch empfinden.“ Hinzu komme, dass keine Fluggesellschaft, kein Kreuzfahrtveranstalter und keine Hotelbranche derzeit einen Einbruch im Reisegeschäft zu beklagen habe.