Tourist-Info in Homburg will Siegel "Hören mit Herz"

Kostenpflichtiger Inhalt: Komfort für Hörgeschädigte : Homburg will Siegel „Hören mit Herz“

Die Tourist-Info beantragt die Auszeichnung beim „Netzwerk Hören“, in dem auch die HNO-Abteilung des Uniklinikums mitmacht. Außerdem setzt die Stadt eine Spezialanlage ein, die Hörgeschädigten das Lauschen im Saalbau und bei Stadtführungen erleichtert.

Die Kreisstadt Homburg schickt sich an, besonders hörfreundlich zu werden. Angestrebt ist hier etwa, dass die Tourist-Info das Siegel „Hören mit Herz“ erhält, das von der Tourismuszentrale des Saarlandes im Rahmen des „Netzwerks Hören“ (siehe Stichwort) verliehen wird. „Wir wollen so schnell wie möglich einen Antrag stellen“, erläutert Susanne Niklas, Kulturabteilungschefin der Stadt. Sprich: noch 2019. Dieses Siegel wird seit drei Jahren vergeben, bereits ausgezeichnete Einrichtungen sind etwa die Tourist Info Saarbrücker Schloss, die Moderne Galerie, die Römische Villa Borg oder die Völklinger Hütte.

Die Stadt Homburg habe diese mögliche Auszeichnung schon bei der Gestaltung der neuen Tourist-Info am Kreisel in der Talstraße im Sinn gehabt und daher eine spezielle Induktionsschleife vor dem Tresen verlegen lassen. Dieses dünne Metallgewinde überträgt die Funkwellen zu Hörgeräten und Implantaten. Das funktioniert natürlich nur, wenn die betreffenden Personen auf der Schleife stehen und die Mitarbeiter der Tourist-Info in ein Mikrofon sprechen. Die Stelle durch eine Kennzeichnung sichtbar zu machen, das ist eine der Nachbesserungen, die laut Niklas vor der Antragstellung noch vorgenommen werden müssen.

Doch nicht nur die Tourist-Info bietet Extra-Komfort für Personen, die höreingeschränkt sind. Schon länger im Einsatz ist die sogenannte FM-Anlage, eine drahtlose Signalübertragungsanlage, der Stadt im Homburger Saalbau. Dort wurden zwei Mikrofone an beiden Seiten der Bühne fest installiert, die den Ton direkt auf Implantate oder Hörgeräte schicken. Das sorgt dafür, dass hörgeschädigte Besucher bei Theaterstücken, Konzerten, Vorträgen oder Seniorenfeiern voll auf ihre Kosten kommen. Etwa 4000 Euro habe die Anlage dort gekostet, so Niklas.

Und dann benutzt man die FM-Anlage des Saarpfalz-Kreises auch im Rahmen der sogenannten „Hörkomfort-Touren“, speziellen Stadtführungen also. Das Signal wird auch hier auf Kopfhörer oder die Ringschleifen der Hörgeräte oder Cochlea Implantate übertragen. Das Erlebnis ähnelt dem eines Audioguides bei Gruppenführungen durchs Museum: Der Führer spricht ins Mikro und alle hören deutlich, was er sagt  - egal wie weit sie von der Gruppe abgefallen sind oder wie stark der Nebengeräuschpegel ist. „Gerade auch bei Leuten, die nicht so gut zu Fuß sind, ist das von Vorteil“, betont Kulturamtschefin Susanne Niklas.

Über diese Touren sei die ganze Idee für die geplante Zertifizierung ins Rollen gekommen, schildert Niklas. Archäologin Sabine Emser habe im Römermuseum schon solche Führungen angeboten, ehe sie selbst 2017 bei der Stadt ihren Dienst angetreten habe. Etwa beim Welttag des Hörens immer am 3. März. „Über Frau Emser wurden wir da quasi geimpft, haben uns dann in das Thema reingehängt“, schildert Niklas. Auch dass das Uniklinikum die Cochlea-Implantate verpflanzt, die ja bei all dem eine wichtige Rolle spielen, sei ein Beweggrund gewesen. Denn Dr. Gentiana Wenzel von der UkS-Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde sei auch im „Netzwerk hören“ sehr aktiv.

Es gibt  laut Niklas inzwischen auch im Homburger Hotelgewerbe Ansätze, sich besser auf Hörgeschädigte einzustellen. Die Zimmer könnten etwa mit Lichtrauchmeldern ausgestattet werden, mit Lichtweckern oder Vibrationsklingeln für Notfälle. „Verschiedene Hotels im Saarland haben so etwas schon. Wir hoffen, dass es auch in Homburg kommt und haben mit mehreren Hotel bereits gesprochen. Ob diese es umsetzen, liegt aber in ihrer Hand“, sagt Susanne Niklas.

hoeren.saarland

Mehr von Saarbrücker Zeitung