Homburger Woche : Noch rechtzeitig abgestiegen

Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.“ Dieses alte Sprichwort der Dakota-Indianer eignet sich bestens, um für die Diskussion um die touristische Entwicklung des Homburger Schlossberges herangezogen zu werden.

Und die große Mehrheit des Stadtrates macht es den Indianern nach und steigt ab, besser gesagt steigt nicht in den Aufzug ein. Realität ist endlich eingekehrt in das Stadtparlament. Die Utopie Aufzug bleibt Utopie.

Erschreckend ist – wie bei anderen Homburger Großprojekten – wieder einmal die Blauäugigkeit, mit der die (ehemalige) Stadtspitze vor nunmehr drei Jahren in dieses Millionenprojekt hineingestolpert ist. Niemand konnte doch im Ernst glauben, dass diese Mammutlösung bis Ende 2023 vollendet sein kann, um rechtzeitig EU-Gelder abschöpfen zu können. Es wäre eventuell im finanziellen Fiasko geendet, wenn jetzt nicht der Stecker gezogen worden wäre. Eine Machbarkeitsstudie heranzuziehen, die – wenn überhaupt – marginale Erfolgsaussichten bescheinigt, ist ebenfalls abenteuerlich. Die Folgekosten hätten die Mini-Gewinne beim Ticketverkauf in den Höhlen dreimal aufgefressen. Deshalb ist die neue Einsicht der Ratsmehrheit zu begrüßen, die spät, aber nicht zu spät kommt. Das ist keine Mutlosigkeit, wie die SPD den anderen Fraktionen vorwirft, sondern eher das Gegenteil. Oder um eine weitere Indianer-Weisheit zu bemühen: „Wenn jemand ein Problem erkannt hat und nichts zur Lösung des Problems beiträgt, ist er selbst ein Teil des Problems.“

Entscheidend ist, jetzt die wirklich notwendigen Schwerpunkte am Schlossberg zu setzen. Der Eingangsbereich muss besucherfreundlicher, der „Große Bruch“ vor dem Einsturz gesichert werden. Dafür lohnt es sich, um Fördergelder zu  kämpfen.