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Thomas Blug „Rock Anarchy“ spielte Samstag im Musikpark in Homburg

Konzert im Musikpark : Hommage an die großen Rock-Klassiker

Handgemacht, technisch auf höchstem Niveau, mit Spaß und Lust: Thomas Blugs „Rock Anarchy“ ließ das Publikum im Musikpark Homburg so richtig ausflippen.

Der derzeit optimale Song für‘s Mainstream-Radio? Am besten nicht über 3.30 Minuten lang, ohne wesentliche Instrumental-Passagen, vorzugsweise aus den Genres R’n’B, Hip Hop, DJ-Music und Deutsch-Pop. Ausgeprägte Gitarren-Sounds? Überlängen? Eher nicht, in der Fachsprache der Radio-Leute sind das so genannte „Abschalt-Impulse“. Die Zeiten haben sich nunmal geändert, früher war deswegen nicht unbedingt alles besser, nur eben anders.

Wie anders die Musikszene sich noch in den Siebzigern und Achtzigern angehört hat, das erlebt man heute im Radio deswegen eher selten, stattdessen hat sich gerade der Rock, ganz gleich ob Old-School oder modern, auf die Bühnen „zurückgezogen“. Dort lebt er allerdings ein umso frivoleres Leben, die weltweit steigende Zahl von hochklassigen Rock-Festivals spricht da eine deutliche Sprache. Einen kleinen Teil dieses Kuchens sichert sich auch immer wieder der Musikpark Homburg, der sich nicht zuletzt mit dem Auftritt der Ausnahme-Gitarristin Ana Popovic im vergangenen Jahr und mit dem Gastspiel von Thomas Blugs „Rock Anarchy“ am vergangenen Samstag zur Heimstatt für richtig, richtig guten Gitarren-Sound entwickelt.

Rund 200 Gäste wollten erleben, warum Thomas Blug zusammen mit Drummer Manfred „Charly T“ Terstappen (Schlagzeuger unter anderem von Marius Müller Westernhagen), Gitarrist Albrecht „Ali“ Neander (Gründungsmitglied der Rodgau Monotones) und Bassist und Sänger Rudi „Gulli“ Spiller seine Hommage an die ganz großen Rock-Klassiker der Siebziger und Achtziger unter dem Label „Rock Anarchy“ unters Volk bringt. Nun, den Grund dafür lieferten die vier ab dem ersten Ton, denn: Da war schlicht nicht das Covern bekannter Tracks angesagt, sondern die Blug‘sche Evolution von Klassikern als anarchischer Gegenentwurf zum Mainstream-Einerlei. Gefasst in erfreulich endlos wirkende Gitarrensoli, wurde ganz abseits des gegenwärtigen Sample-Wahns echte Rockmusik von Hand gemacht, ausladend, technisch auf höchstem Niveau, mit Spaß und Lust an dem, was dieses Genre einfach ausmacht: Leute so richtig ausflippen zu lassen.

Mitten drin unter der Gästen: Achim Müller von der Homburger Kulturgesellschaft als „Mastermind“ des Musikparks. Er hatte am Samstag allen Grund zur Freude. Zum einen konnte man mit den besagten 200 Gästen ein gutes Ergebnis einfahren – angesichts durchaus nahmhafter Konkurrenz-Veranstaltungen. Zum anderen bot Blug‘s Rock Anarchy ein wirklich außergewöhnliches Klangerlebnis für Fans der etwas härteren Gangart.

Müller: „Ich bin eigentlich schon sehr stolz, Thomas Blug hierher bekommen zu haben. Er zählt zu den besten Gitarristen der Welt, muss man schon sagen.“ Grundsätzlich sei der Musikpark mit seinem Angebot, in das sich für Achim Müller auch Thomas Blug in Sachen Niveau gut einreihte, auf einem sehr guten Weg, „wir schreiben schwarze Zahlen. Und ich denke, dass die, die dieses Angebot neutral betrachten, sehen, dass sich wirklich etwas entwickelt – im Gegensatz zum Saalbau, der leider immer noch rote Zahlen schreibt.“ Dies sei, dessen war sich Müller sicher, ein Indiz dafür, dass die Menschen den Musikpark als Veranstaltungsort annehmen. „Die Zukunftsprognose ist sehr positiv, denke ich.“

Mit Thomas Blug‘s Rock Anarchy trafen die Macher des Musikparks am Samstag auf jeden Fall einen Nerv beim Publikum. Das feierte den Auftritt des Quartetts am Ende jeder Nummer. Und eben diese Nummern wurden vor allem von Blug und Neander an den E-Gitarren episch zelebriert. Ein echtes Live-Meisterstück da die Interpretation von Edwyn Collins‘ „Girl like you“. Irgendwo um die 13 Minuten lang, zeigten die beiden Ausnahme-Gitarristen, welches Potential im ohnehin schon genialen Ursprungswerk noch liegt. Bemerkenswert dabei vor allem auch, dass Blug und Neander gleichberechtigt agierten. Bemerkenswert auch, dass die Solopassagen nicht, wie bei so manchen anderen Saitenkünstler, der persönlichen Selbstbefriedigung oder dem blanken „seht mal her, was ich alles kann“-Posing dienten, sondern einem Klassiker wirklich ein neues, anderes und schimmerndes Gewand gaben. Ja, man kann selbst außergewöhnliche Stücke noch besser machen, das bewiesen Blug & Co. Wer kann, der kann eben.

Den Abend aber nur an Blug und Neander festzumachen, das wäre schlicht und einfach fatal. Denn: Mit Terstappen saß da einer am Drumkit, der den beiden Gitarristen in nichts nachstand – das bewies er mit einem fantastischen Drumsolo in mitten des ZZ-Top-Diamanten „Sharp dressed man“. Da gab „Charly T“ wirklich alles und gleich noch ein bisschen mehr.

Nicht minder beeindruckend auch das, was Rudi „Gulli“ Spiller am Mikrofon und am Bass ablieferte. Auch er sorgte, gerade mit seiner markanten, umfangreichen Stimme dafür, das schon oft Gehörtes am Samstagabend zu einem völlig neuen Klangerlebnis wurde.